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Im Test: E-Zigarette

Friedbert W. "Pablo" BöhmDieses Land erreicht man, wenn man von Korruptia über Normalien hinaus fährt. Es liegt kurz vor Utopia, welches bekanntlich am äußersten Rand der Weltscheibe gelegen ist. Das Besondere an Transparentien ist die sprichwörtliche Wahrheitsliebe seiner Bewohner.
Zudem besitzt es, dank seines hervorragenden Bildungssystems, einen ungewöhnlich hohen technischen Standard. Insbesondere auf dem Gebiet elektronischer Systeme haben seine Unternehmen Weltgeltung und die entsprechenden Anwendungen sind unter seinen aufgeschlossenen Bürgern von jeher mehr verbreitet als sonst irgendwo.

Schon bei Geburt erhält jeder Transparentiner seine Kennnummer, die später auch seine Telefonnummer und die seines Bankkontos sein wird. Unter dieser Nummer ist er jederzeit identifiziert und ansprechbar. Ab Kindergarten besitzt er ein individuelles Handy, UniPod genannt, in welchem mit der Zeit weitere Funktionen zugeschaltet werden, die des Zahlens, Kassierens, Wählens.

Bis hierher wäre Transparentien nicht mehr als ein wohlhabendes, sympathisch modernes Ländchen. Was es jedoch absolut einzigartig macht, ist etwas Anderes: Nicht das üppige Vorhandensein einer Materie, die in allen bewohnten Teilen der Welt wie keine andere geschätzt wird, sondern just deren Abwesenheit: des Bargeldes.

Bargeld ist nicht verboten in Transparentien, aber es ist nutzlos. Kein Laden, kein Kiosk besitzt dort eine Kasse, nicht einmal die Banken. Alle Zahlungsvorgänge, selbst die allerkleinsten, werden per UniPod abgewickelt, der nur mit dem Fingerabdruck des Besitzers funktioniert. Die Gehalts- oder Renten- oder Sozialhilfeempfänger (die es natürlich sogar in Transparentien gibt) lassen ihren UniPod beim Arbeitgeber, der Rentenkasse, dem Sozialamt direkt oder eben bei einer von diesen beauftragten Bank aufladen wie eine Geldbörse.


Was sie nicht unmittelbar benötigen, wird auf das Bankkonto übertragen, wie überall sonst auf der Welt. Mit dem Rest erledigt man alle Zahlungen des täglichen Lebens. Der UniPod kann mit jedem anderen UniPod ganz einfach verbunden werden, und da jede Person und jede Firma in Transparentien einen UniPod besitzt, sogar die Bettler, werden alle anderswo mit schmuddeligen Scheinen oder unhandlichen Münzen gemachten Zahlungen schlicht mit einem elektronischen Klick geregelt. Keine schmutzigen Finger mehr, kein Falschgeld, kein ins Gully rollendes Fünfpenunzenstück!

Welch weitere Folgen die Abwesenheit von Bargeld hat, kann sich außerhalb Transparentiens aber kaum jemand vorstellen: Zunächst einmal spart sich das Land die Kosten für eine Münzanstalt und die ganze komplizierte Logistik, die mit der Bargeldbewegung verbunden ist, Panzerwagen, Tresore, Kassen, Geldautomaten, Chauffeure, Bewacher, Geldzähler. Das Finanzsystem ist deshalb wesentlich billiger, schneller und leistungsfähiger als sonstwo. Auch schlummern keine Milliardenbeträge nutzlos in Geldbeuteln, Sparschweinen, Schließfächern oder unter Matratzen. Alles Spargeld liegt bei den Banken und kommt somit der Wirtschaft zugute, die nicht auf ausländische Kredite angewiesen ist und trotzdem beneidenswert floriert.

Die Inflation ist unbekannt in jenem gebenedeiten Land. Da es keinen schwer zu schätzenden Bargeldumlauf gibt und die Statistiken jederzeit auf dem Laufenden sind, kann die Zentralbank die Geldmenge stets so quantifizieren, dass sie just zur Bezahlung der angebotenen Güter und Dienstleistungen ausreicht und keinen inflationären Nachfrageüberhang schafft.

Den nächsten Vorteil der Bargeldlosigkeit hat der Leser schon erkannt: Es gibt keine Wirtschaftskriminalität in Transparentien und die persönliche Sicherheit seiner Bürger ist beneidenswert. Banküberfälle sind ohnehin sinnlos und einen Passanten zu berauben ist wenig attraktiv, wenn die Beute höchstens eine Uhr betragen kann! Denn der UniPod des Opfers könnte ja allenfalls dazu dienen, denjenigen des Räubers aufzuladen, wodurch dieser jederzeit entdeckt werden könnte.

Dies gilt natürlich nicht nur für Taschendiebe. Jede organisierte Kriminalität bedarf des Bargeldes. Wenn alle Geldbewegungen dokumentiert und für die Behörden einsehbar sind, muss die Mafia einpacken, an Geldwäsche ist nicht zu denken und auch der Drogenhandel macht einen weiten Bogen um Transparentien. Deshalb kommt das Land mit einem Bruchteil der Polizisten, Kriminalisten, Staatsanwälte, Strafrichter und Gefängniswärter aus, welche im Rest der Welt – meist vergeblich – versuchen, dem Unwesen Einhalt zu gebieten. Wo Transparenz herrscht, hat auch die Korruption das Nachsehen. Wer will schon Gefahr laufen, wegen einer jederzeit aufdeckbaren Schmiergeldzahlung Posten und Kragen zu riskieren?

Oder wegen einer Steuerhinterziehung oder wegen Schwarzarbeit empfindliche Bußgelder zu zahlen, gar ins Gefängnis zu kommen? Die perfekte Steuermoral erlaubt es Transparentien, die niedrigsten Steuern weit und breit zu erheben und seinen Bürgern trotzdem vorbildliche staatliche Leistungen zu gewährleisten.

Kaum zu überschätzen sind die Kostenersparnisse, die sich in Transparentiens privater und öffentlicher Verwaltung durch die allgemeine Vernetzung ergeben. Da jederzeit einsehbar ist, wer welche Zahlung wann und wofür geleistet hat, haben die Betriebe ihre internen Organisationen vereinfachen und die teure Revisionsarbeit erheblich verringern können. Private Steuererklärungen erübrigen sich weitgehend, da die Behörde Ein- und Ausgaben aus dem Netz erfährt und beim Bürger nur in strittigen Fällen Zusatzinformation abfragt.

All diese sehr erheblichen materiellen Ergebnisse machen jedoch nur einen Teil des Vorteils der absoluten Transparenz aus. Wohl noch höher ist deren Auswirkung auf die Denkweise der Bürger einzuschätzen. Wo keiner unlautere Einkünfte haben kann und alle ihrer Steuerpflicht nachkommen, entwickelt sich in der Gesellschaft ein Bewusstsein adequater allgemeiner Gerechtigkeit.


In Transparentien gibt es kaum Sozialneid. Da die öffentlichen Statistiken jederzeit aktuell, vollständig und einsehbar, daher glaubhaft, sind, finden auch die politischen Auseinandersetzungen auf einer wesentlich sachlicheren Ebene als anderswo statt. Endlose Spiegelfechtereien sind selten, öffentliche Vorwürfe, Beschuldigungen, Anklagen und die daraus resultierenden Skandale absolute Ausnahmen.


Auch im täglichen Leben herrscht das Prinzip des "bona fide". Jeder hält seinen Nächsten prinzipiell für ehrenhaft. Das entbindet die Gesellschaft von einer Unzahl vorsorglicher Sicherheitsmaßnahmen, die andernorts das tägliche Leben so komplizieren und vergiften. Die Abwesenheit von Bargeld scheint die Abwesenheit von Aggressivität nach sich gezogen zu haben. Man ist freundlich zueinander in Transparentien.

Und die Intimsphäre, die Datensicherheit? Eine vom Kongress eingesetzte, von politisch unabhängigen Fachleuten besetzte Behörde gewährleistet, dass die persönlichen Daten nur von Berechtigten eingesehen werden können. In der Regel sind dies das Steueramt und, nach gerichtlicher Genehmigung, die Sicherheitskräfte.

Übrigens gibt es in Transparentien auch keine illegalen Einwanderer. Wie sollten die sich wohl den überlebensnotwendigen UniPod beschaffen?

Am Liebsten würde man gleich dorthin ziehen. Wenn das Land nicht so weit weg läge! Wie gesagt, es ist beinahe so entfernt wie Utopia.

 

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Zum Autor:Zum Autor:
2003 lernte ich Friedbert W. „Pablo" Böhm schnell und gründlich kennen. Viel persönlicher als nur persönlich. FAKTuell durfte seine Memoiren "Wie ich zu den Kühen kam" herausgeben. Schon nach den ersten Zeilen lernte ich „Pablo" auch schätzen. Als Mensch und Autor.

Mein Kommentar 2003: Der ehemalige Chefbanker der Deutschen Bank in Buenos Aires, erzählt mit der Kraft und dem Witz, die Willy Russels Fliegenfänger gleichen.

Roberto T. Alemann, der ehemalige Wirtschaftsminister Argentiniens und Herausgeber von ARGENTINISCHES TAGEBLATT schrieb: Die Memoiren Böhms lesen sich spannend. Ihr Stil verrät eine deutliche Neigung zum Spott, auch zur Selbstironie.

Ich freue mich, „Pablo" Böhm als Kolumnist bei FAKTuell begrüßen zu dürfen.
Christopher Ray

 

 

 

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Kommentare   

 
0 #3 best cheap web hostingprofile 2018-10-31 15:31
Need cheap hosting? Try webhosting1st, just $10 for an year.

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0 #2 Maria 2011-06-26 12:51
Da will ich hin ;-)
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0 #1 Ackermann 2011-06-23 12:45
Köstlicher Beitrag. Danke :D 8)
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