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Im Test: E-Zigarette

Friedbert W. "Pablo" Böhm * Kolumne

Da ist nun schon vor beinahe einer Generation das grösste Umverteilungsmodell aller Zeiten – die Sowietunion – verschwunden und die sozialistische Grossmacht China hat sich in eine Brutstätte für Millionäre verwandelt. Manche sahen bereits das „Ende der Geschichte“ gekommen, die Zeit immerwährenden globalen Wachstums, den endgültigen Triumph des Kapitalismus.

    Generös teilten die Zentralbanken der Weltwirtschaft ihr Schmiermittel zu: die Geldmengen wuchsen jahrzehntelang um ein Vielfaches der Sozialprodukte. Ohne den konstanten ideologischen Druck des jetzt inexistenten Sozialismus ergoss sich dieser Geldsegen vorwiegend über Unternehmen, Investoren, Manager. Umverteilung von unten nach oben. Da diese zusätzlichen Einkünfte nicht zum Supermarkt flossen, schien die Inflation überwunden. Wenigstens verschwand sie aus den Statistiken über Lebenshaltungskosten und Grosshandelspreise.

 

    Aber die Inflation ist zäh. Wo mehr Nachfrage als Angebot besteht, da überlebt sie, auch ohne Statistik. In den vergangenen 20 Jahren führte sie ein heimliches, aber opulentes Dasein. Ihr Antrieb hiess Anlegernotstand. Was macht der Wohlhabende mit zusätzlichem Geld? Er kauft keine Lebensmittel, Kühlschränke, Autos - die hat er schon. Er kauft „Investitionsprodukte“. Hinter diesem unverfänglichen Ausdruck, der an den Ladentisch eines Kolonialwarenhändlers erinnern soll, versteckt sich die Giftküche der Finanzwirtschaft.

    Des müden Lächelns müde, das die Erwähnung von Pfandbriefen und Volksaktien am Bootssteg und auf dem Golfplatz auslöste, verlangten die Anleger immer „interssantere“ - will heissen, ertragreichere – Investitionsalternativen. Da kamen zunächst Anleihen exotischer Länder in Frage, die, wie die südostasiatischen, gerade schwungvoll in den Wachstumsprozess eingetreten waren, oder wo, wie in Mexiko, gerade Öl gefunden worden war, oder die, wie Argentinien, gerade ihre Jahrzehnte lange Inflations- und Staatswirtschaft aufgegeben zu haben schienen. Interessant waren auch Aktien neuer Branchen, wo von der Arbeit einiger cleverer Programmierer und Marketingleute Milliardengewinne erwartet werden konnten. Je mehr Nachfrage nach solchen Papieren entstand, desto grösser wurde der Anreiz für solche Länder und Branchen, neue Papiere zu begeben. Und desto kleiner deren Notwendigkeit, mit dem erhaltenen Geld sorgsam umzugehen. Die Preise jener Papiere kletterten immer höher und ihre Qualität wurde immer schlechter – es entstand eine Anlageninflation.

    Das konnte auf die Dauer natürlich nicht gut gehen. „Blasen“ nennt man die in bestimmten Gebieten oder Branchen auftretenden Manifestationen der Anlageninflation. Es hat einen ganzen Reigen davon gegeben. Sie enden immer in Krisen, denen man, wohl um Mut zu ihrer Überwindung zu geben, oft ganz lustige Namen gibt: Tiger, Tequila, Dot-com. Vielleicht waren diese Namensgebungen aber auch Ausdruck der Geringschätzung der Krisen, denn alle konnten erstaunlich schnell überwunden werden. Durch erneuerte Sparsamkeit, ausgewogenere Zahlungsströme, vernünftigere Wechselkurse? Aber nein, durch neue Geldschöpfung! Die in den Krisen vernichteten Werte der Investoren wurden in der Regel durch Zentralbanken, Staaten (die sich dafür verschuldeten) und internationale Organisationen (IWF, Weltbank) mittels neuen Geldes ersetzt, das über kurz oder lang bei den selben alten Investoren landete.

    Nun war der Anlegernotstand wieder da, kreativere Alternativen gefragt. Die Finanzbranche war vorbereitet. Schon in der vorhergegangenen Investitionshausse hatten die Investmentbanken sich so beneidenswert entwickelt, dass die grossen Geschäftsbanken mit Verve in dieses Geschäft eingestiegen waren. Aus den paar Hundert Investmentfonds waren Zehntausende geworden. Um einen möglichst grossen Teil der Anlage suchenden Gelder zu ergattern, wetteiferten sie alle um die klügsten Mathematiker – Nobelpreisträger unter ihnen - , die cleversten Verkäufer und die besten Universitätsabgänger. Alle Nase lang entstanden neue „Produkte“, die den alten überlegen schienen an Sicherheit, Rentabilität und Liquidität. Es gab für jeden etwas: „Privat Equity“ für den Milliardär, „Derivate“ für den risikofreudigeren Millionär und todsichere Fonds mit garantierter Mindestrendite für den pensionierten Koch. Dass viele dieser Produkte, da mit billigen Zinsen hoch fremdfinanziert, da auf reinen Wetten auf künftige Preis-, Zins- oder Wechselkurs-Entwicklungen basierend, da von der Zahlungsfähigkeit einer Kette von dem Erwerber unbekannten Korrespondenten des Emissärs abhängig, hoch riskant waren, das stand wohl irgendwo im Kleingedruckten. Aber dem Anleger war es in den wenigsten Fällen bewusst und oft nicht einmal dem Verkäufer.

    Die allgemeine Psychose des schnellen Geldverdienens verstellte sogar den Fachleuten den Blick auf die Realität. Wenn dieses „Produkt“, das jetzt schon einige Jahre erfolgreich läuft, in ähnlicher Form von den grössten Banken der Welt gehandelt wird, mochten sich die „Rating-Agencies“ gesagt haben, dann brauchen wir ja wohl nicht mühsam jede Einzelheit jeder neuen Emission zu prüfen. Und das ok der „Rating Agencies“ verführte neue Marktteilnehmer zum unkritischen Einstieg, es legte den Wirtschaftsjournalisten Empfehlungen nahe und bestärkte die Erfinder des „Produkts“ in ihrer Genialität. Wie sollte es auch anders sein, wo doch nicht einmal die Aufsichtsbehörden des Finanzhandwerks ausser griesgrämigen Mäkelns irgendwelche Eingriffe für nötig hielten? Selbst biedere deutsche Landesbanken stürzten sich schliesslich kopfüber in die globale Zockerei. Wen wundert es, dass die Leichtigkeit, mit welcher die „Produkte“ an den Märkten untergebracht werden konnten, ihre Emittenten und Händler zu immer nachlässigerer Arbeit verführte? Und eine ganze Reihe von Bankern, Managern und Maklern zu Praktiken, die am Rande des Gesetzmässigen lagen oder, wie im Fall Madoff, hoch kriminell waren?

    Das Ende der Investmentprodukt-Blase ist bekannt. Irgendwann, irgendwo in ihrem weltweiten engstmaschigen Netz hatten einige der Zocker falsch gewettet. Sie konnten nicht bezahlen, stürzten ihre Gläubiger in Zahlungsunfähigkeit, welche wiederum ihre Geldgeber sitzen liessen... und so weiter bis Lehmann Bros. und Hypo Real Estate. Damit war die Anlageninflation geköpft und die Werte aller „Produkte“ gleich um mehrere Köpfe kleiner gemacht.

    Wenn darunter nur einige gierige Superreiche gelitten hätten, könnten G 8 und 20 sich jetzt der weiteren Entzerrung des Welthandels und kandenten Umweltthemen widmen. Es haben aber vor Allem die Finanzinstitute gelitten. Durch ihre Exkursion in die Wettwirtschaft haben sie ihre Kapitalbasis – ihre Substanz – in Frage gestellt und in nicht wenigen Fällen verloren. Damit sind sie unfähig geworden, ihre eigentliche Aufgabe zu erfüllen: das ist die Versorgung der Realwirtschaft mit Kapital und die Leitung der Zahlungsströme.

    Man habe dabei vor Augen, dass Banken nicht nur Geld verteilen; sie schöpfen es auch. Eine Geldeinheit, die von der Zentralbank ins Finanzsystem eingespeist wird, verwandelt sich durch Ausleihung, erneute Einzahlung, erneute Ausleihung und so weiter in kurzer Zeit in 4 – 5 Einheiten. Dies setzt natürlich voraus, dass das Publikum und die Banken vertrauensvoll in die Zukunft blicken, dass Projekte geschmiedet, Kredite nachgefragt, gegeben und zurückgezahlt werden. Wenn dieser tugendsame Kreislauf (die Ingenieure nennen ihn „Positive Rückkoppelung“) unterbrochen wird, verwandelt er sich in einen lasterhaften. Die Rückzahlung eines Kreditkunden wird von der Bank dann nicht für einen neuen Kredit verwendet, sondern für die Rückzahlung eigener Schulden bei einem anderen Institut, das wiederum bei Dritten und Vierten Löcher zu stopfen hat, und so weiter und so fort. Je weniger Kredit zur Verfügung steht, desto mehr Kunden und Banken kommen in die Klemme und tragen zur weiteren Verschärfung des Geldmangels bei. Aus den 4 – 5 Geldeinheiten droht wieder eine zu werden. Dies ist der Grund für die hektischen Bemühungen von Regierungen und Zentralbanken, den Finanzinstituten und der Wirtschaft jetzt wieder neues Geld zur Verfügung zu stellen, und diesmal in nie gekanntem Ausmass. Hat man so nicht alle bisherigen Krisen der letzten 50 Jahre überwunden? Ist nicht die Weltwirtschaftskrise der 1930er gerade durch zu grosse Sparsamkeit in eine katastrophale Depression ausgeartet?

    Schon richtig, bloss: Sind die meist jetzt schon bis Oberkante Unterlippe verschuldeten Staaten in der Lage, künftigen Generationen zusätzliche Hypotheken aufzubürden? Wer soll eigentlich neue Staatstitel kaufen? Chinesen und Japaner haben davon schon mehr als sie gern hätten und die Ölscheichs von Moskau bis Venezuela müssen sich bei derzeitigen Preisen überlegen, ob sie nicht bald ihre Uhren ins Pfandhaus tragen müssen. In Singapur und Hongkong gibt es bereits Risikoabschläge im Handel mit US- und britischen Papieren. Und in Europa wird gemunkelt, dass beinahe alle südlichen Mitglieder der Union damit liebäugeln, erneut eigene Währungen einzuführen, um endlich wieder ihre Schulden verwässern zu können.

    Assignatendrucken war schon immer eine beliebte Entschuldungsmethode und naiv wäre es zu glauben, moderne Zentralbanken hätten ihr definitiv abgeschworen. Die Fed der USA sieht ihre Aufgabe ohnehin mehr in der Pflege des Wachstums als in der Bewahrung der Stabilität; ihre Druckmaschinen laufen bereits. Es ist nur völlig offen, ob diese neuen Scheine in den Fabriken, Büros und Haushalten ankommen, oder ob sie von dem schwarzen Loch der Finanzwirtschaft (aus 4-5 mach 1) aufgesogen werden. Deshalb meinen viele Experten, es sei besser, das Geld direkt den Konsumenten auszuzahlen und manche Regierungen haben damit bereits angefangen. Bloss: die Scheine sind recht schnell ausgegeben. Im besten Fall verzögern sie den Wirtschaftsabschwung für ein paar Monate, im schlechtesten erzeugen sie Preiserhöhnungen im Bereich der Lebenshaltung. Und das wäre fatal. Neben Arbeitslosigkeit und Lohnminderung nun auch noch Teuerung?

    Politiker und Experten sitzen vor der Situation wie das Kaninchen vor der Schlange. Klar, wenn auch noch nicht ausgesprochen, ist nur eines: Wir haben es nicht mit einer kurzfristigen Rezession zu tun, sondern mit einer weltweiten Depression. Sie ist nicht einmal mit jener zwischen den Kriegen des vorigen Jahrhundertz zu vergleichen, denn

-     von den damaligen, weit weniger vernetzten, Staaten waren nur die paar

      betroffen, die einen hohen Entwicklungsstandard aufwiesen und

-     der grösste Teil der damaligen Weltbevölkerung von weniger als 2 Milliarden lebte

      in ländlicher Existenzwirtschaft, auf welche auch zahlreiche städtischen Arbeitslose  

      in irgendeiner Weise zurückgreifen konnten, während die Mehrheit der heutigen

      beinahe 7 Milliarden in ihrer Existenz voll von Arbeitseinkommen oder Sozialhilfe

      abhängt.

    Wie sollen diese Leute würdig überleben und bei Laune gehalten werden, wenn die Arbeitslosenrate auf 20, auf 30 % hochschnellt? Schon wird - in einigen Ländern Lateinamerikas triumphierend, in einigen Talkshows Europas zähneknirschend -  vom Ende der Marktwirtschaft geredet. Die Verstaatlichung von Finanzinstituten begann bereits, just in den Hochburgen des Liberalismus, den USA und Grosbritannien. Mit Berlusconis Erhöhnung der Steuern für die Energiewirtschaft scheint eine Enteignung nicht der Betriebe, sondern deren Renditen beabsichtigt (ähnlich den grotesken Exportabschöpfungen für die Landwirtschaft in Argentinien). Wo wird die Grenze liegen für die Subventionen einzelner Betriebe und Branchen, mit denen in Deutschland geliebäugelt wird und die in Frankreich immer offener geplant und durchgeführt werden? Zu welchen Massnahmen werden sich die Regierungen entscheiden müssen, wenn, nicht wie heute, ein paar Tausend, sondern ein paar Hunderttausend Leute auf der Strasse stehen und Lebensmittel, Kleidung, Wohnung, Heizung einfordern?

    Sollte die im vergangenen, dem sozialistischen, Jahrhundert kläglich misslungene Umverteilung von oben nach unten neue, gewiss keine fröhlichen, Urständ feiern? Wir können es nicht ausschliessen. Wir können nur hoffen, dass unser Häuschen davon verschont bleibt. Und was wir an wirklich Überschüssigem auf der Bank liegen haben, damit können wir uns jetzt ohne Gewissensbisse einige lang gehegte Wünsche erfüllen. Vielleicht tragen wir damit sogar dazu bei, die Depression noch zu verhindern.

 

 

 

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