„WIR DOCH NICHT!“ - F.W. Pablo Böhm   ...sagen die Politiker. „Wir hetzen schliesslich seit 1½ Jahren von einer Sitzung in die nächste, um die Krise in den Griff zu bekommen. Es gäbe sie gar nicht, die Krise, wenn die nimmersatten Banken und anderen Finanzjongleure nicht ständig in unverantwortlicher Weise gegen die Schuldnerländer spekulierten. Getriebene sind wir Politiker, von den Märkten Getriebene!“

   „Spekulanten?“, empören sich die Fondsmanager. „solch ein Unsinn! Wir verwalten Spargelder der Bürger und das Vermögen von Pensionskassen und Versicherungen. Sollen wir tatenlos zusehen, wie diese durch zahlungsunfähige Schuldnerländer immer weniger werden?“

   „Na, na,“ meinen die Banken, „es ist schon richtig, dass manche von uns sich verzockt hatten und zum Überleben Staatshilfe brauchten. Aber das ist doch nur ein Teil der Geschichte.

Der andere Teil ist, dass die Politik in vergangenen Jahrzehnten nicht nur widerstandslos unseren Forderungen nach Deregulierung des Systems nachgab, sie hat uns sogar erlaubt und in vielen Fällen animiert, insolvente Häuslebauer und überschuldete Staaten zu finanzieren, indem sie Hypothekenkredite und solche an (westliche) Staaten von der Risikovorsorge ausnahm. Sollten wir diese Möglichkeiten etwa nicht nutzen? Letzten Endes sind wir private Gesellschaften, unseren Aktionären verantwortlich. Auch von den Rating Agencies haben wir lange keine Warnungen gehört.“

   „Von wegen!“, ereifern sich die Rating Agencies, „schon 2004 fingen wir an, Griechenland herabzusstufen. Ausserdem werden wir nicht müde klarzustellen, dass unsere Wertungen keine Empfehlungen sind sondern unverbindliche Meinungen. Schliesslich verfügen Banken und andere grosse Marktteilnehmer und auch die staatlichen Aufsichtsorgane über sehr kompetente eigene Risikomanager.“

   „Das ist völlig richtig,“ schalten sich die Volkswirte ein, „schon zu Beginn der Währungsunion haben wir darauf hingewiesen, dass die Abwesenheit überein-stimmender Finanz- und Sozialpolitiken in Euroland durch unterschiedliche Zinssätze für Staatsanleihen kompensiert werden müsse. Das wären für einige Länder frühe Überschuldungssignale gewesen. Bloss haben die Märkte diese Signale nicht gegeben. Sie betrachteten Euroland als einen Gesamthafter.“

   „Oho!“, entgegnet die EU-Kommission, „dabei ist eine gegenseitige Haftung in unseren Verträgen expressis verbis ausgeschlossen. Übrigens kann an unserem Risikobewusstsein kein Zweifel bestehen. Schon anlässlich des Beitritts Griechenlands haben wir schwere Bedenken angemeldet. Es waren dann die Nationalstaaten, die in blindem Voluntarismus den Beitritt durchsetzten.“

Wer war es dann also? Zwei Vorschläge:

   Ein gütiges Schicksal, das uns Wohlstandsbürgern in Europa und Nordamerika zwei Jahrzehnte hindurch zu verdrängen erlaubte, dass einige hundert Millionen in die globale Wirtschaft eingetretene intelligente, fleissige und bescheidene Asiaten und Osteuropäer durch ihre Arbeit Anrecht auf einen Teil unseres Wohlstands erwarben, den wir als unangreifbar zu betrachten gewohnt waren.

   Ein grausames Schicksal, das uns damit blendete, durch halsbrecherische Finanztransaktionen und massive Kredite an Private, Institutionen und Staaten die drohende Wohlstandsminderung austricksen zu können, welches hierdurch jedoch das Problem nur vergrösserte und seine Lösung in die (vermutlich nicht ferne) Zukunft verlagerte.
Der Leser möge sich einen aussuchen.

 

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