Friedbert W. "Pablo" Böhm      Bei den Göttern oder bei Gott sucht ihn der Mensch. Seit Jahrtausenden. Die Quelle scheint unergiebig zu sein, denn trotz aller Opfer, aller Kriege, aller bemühten Theologie, aller klugen Philosophie steht die "Sinnfrage" bedrückender denn je im Raum. Nachhaltig und immer hartnäckiger stellt sich die Beschaffenheit der Welt ihrer Lösung entgegen.
      Für andere, anscheinend glücklichere, Lebewesen existiert diese Frage nicht. Das Leben hat keinen Sinn. Das Leben ist nicht zielgerichtet. Es ist.
      Das Leben bereitet den Individuen Momente des Wohlbefindens und solche des Leidens. Geringhirner haben auf die Verteilung solcher Momente keinen Einfluss; sie treiben in ihrer Umwelt. Grosshirner können dieses Treiben in gewissen Grenzen beeinflussen. Sie verarbeiten Erfahrungen und versuchen, Wohlbefinden herbeizuführen und Leiden zu meiden, mit mässigem Erfolg.

      Homo Sapiens (Sapiens?) aber meint, ihm sei der Zustand ununterbrochenen Wohlbefindens in die Wiege gelegt. Oder in der Verfassung versprochen ("the pursuit of happiness"). Als ihre "Krone" glaubt er, diesem Streben den Rest der "Schöpfung" unterordnen zu können.
      Er täuscht sich. Er ist nicht die Krone des Lebens. Er ist dessen kleiner Teil und kann es nicht ändern. Er kann nur sich ändern, indem er den Sinn des Lebens in grösserer Selbstbeschränkung sucht. In Bescheidenheit.
      Als grosshirnigstes aller Lebewesen täte Homo Sapiens gut daran, seine Überlegenheit darin zu beweisen, dass er - im Gegensatz zu den Geringhirnern - nicht nur lebt, sondern auch leben lässt. Seinesgleichen und die anderen Wesen. Das könnte der Sinn des Menschenlebens sein.

Friedbert W. "Pablo" Böhm

 

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