Christopher Ray  FAKTuell-FotoUnternehmer und Politiker laden mich seit vielen Jahrzehnten zu sogenannten Gesprächsrunden ein. Manchmal nehme ich solche Einladungen an. In den letzten Jahren allerdings nur noch selten. Denn wenn ich mich im Kreis drehen will, dann gehe ich lieber mit meiner Frau tanzen.

In diesen Runden geht es meistens um so sinnige Themen wie die Vollbeschäftigung. Meistens läuft es darauf hinaus, dass man diese durch Lohnkürzungen erreichen will. In der Traumwelt der Teilnehmer geistern zur fortgeschrittenen Stunde dann oft 1 bis 5 Euro-Jobs durch den Raum.

Meistens betont dann noch ein ganz sozial eingestellter Diskutant „Natürlich pro Stunde“. Irgendein herzensguter Mensch wirft dann ein: „Meine Fahrer erhalten aber 5,80 die Stunde. Sie müssen ja von ihrem Einkommen leben können…“

Dann kommt der übliche Teil mit dem Gejammer über sinkende Umsätze und ausbleibende Aufträge. Die Experten in der Runde sprechen an der Stelle gerne von Konsumverweigerung. Meistens stimmt der herzensgute Unternehmer aus dem letzten Absatz ihnen sehr überzeugt zu. Der Verdacht, dass seine Fahrer das Geld unter dem Kopfkissen horten, wird als Bestätigung in die Runde hinausposaunt.

An dieser Stelle werde ich dann häufig angesprochen: „Sie sagen ja garnichts…“. „Stimmt“, antworte ich dann, „ aber mit weit weniger Worten als sie.“ Daraufhin gibt es ein paar Lacher, böse Blicke und meistens die Aufforderung an mich, etwas zum Thema zu sagen. Zur Erinnerung: Vollbeschäftigung und miserable Auftragssituationen sind mittlerweile das Thema.

„Kürzen – aber richtig! Wenn sie Vollbeschäftigung wollen, dann müssen sie die 30-Stunden-Woche einführen. Oder weniger. Bei vollem Lohnausgleich.“ Entgegne  ich. „Wenn sie mehr Umsatz und eine stabile Auftragslage wollen, dann müssen sie die Löhne erhöhen, damit es Kaufkraft in der Fläche gibt.“ An dieser Stelle schaut man mich zumeist ungläubig an. Dann schiebe ich noch nach: „Oder sie sorgen dafür, dass das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) eingeführt wird. Dann haben sie Kaufkraft in der Fläche und entsprechende Umsätze.“

Danach verabschiede ich mich meistens, weil die Runde mit meinen Aussagen überfordert zu sein scheint. Manchmal sitze ich mit ein paar Diskutanten anschließend zusammen, weil sie (Zitat) „Das Problem noch nie von der Seite betrachtet haben…“  

Und ich wundere mich danach, dass ich immer wieder eingeladen werde. Allerdings habe ich es in diesem Monat vorgezogen die Konzerte von Leonard Cohen und Van Morrison zu besuchen. Insgesamt habe ich dafür über 1.800 Kilometer Autofahrt investiert. Aber: Das hat sich gelohnt!

Sie dürfen jetzt weitermachen.

Ihr

Christopher Ray

 

PS. So geht es viel einfacher: BGE

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