Nicht nur Wanderer und Fahrradfahrer, sondern auch Borkenkäfer kommen bei sommerlichen Temperaturen ins Schwärmen. Insbesondere Fichtenwälder haben mit dem massiven Ansturm der kleinen Schädlinge zu kämpfen. Bei genau 16,5 °C Lufttemperatur hat Ips typographus - der Buchdrucker oder Große Fichtenborkenkäfer - seine Betriebstemperatur für den Schwarmflug erreicht.
FichtenborgenkaeferWeibchen FotoWikipediaFdcgoeul2012
Die nur etwa einen halben Zentimeter langen Käfer begeben sich auf Nahrungs-, Brutraum- und Partnersuche. Ein trockenes Frühjahr mit früh einsetzenden sommerlichen Temperaturen wie in diesem Jahr bietet den Borkenkäfern optimale Entwicklungsbedingungen.

"Solche Witterungsverläufe hatten wir in den vergangen Jahren immer wieder und sie werden in Zukunft sicherlich noch zunehmen", sagt Prof. Hubert Braun, Geschäftsführer des Sachsenforstes. "Trockenperioden und Hitze machen vor allem den Fichtenbeständen im Hügelland und Erzgebirgsvorland zu schaffen. Die Fichte ist an diese Standorte nicht optimal angepasst. Die Borkenkäfer finden viele geschwächte Bäume, in denen sie sich vermehren können. Diese Befallsherde muss der Waldbesitzer frühzeitig erkennen und die Bäume umgehend fällen und entrinden oder schnell aus dem Wald abtransportieren, bevor neue Käfergeneration ausfliegen können".

Borkenkäfer orientieren sich unter anderem an Duftstoffen, die geschwächte Wirtsbäume ausdünsten. Haben die Insekten auf diese Weise einen geeigneten Brutbaum gefunden, senden sie ihrerseits charakteristische Duftstoffe - so genannte Pheromone - aus, die andere Käfer anlocken und so zu einem Massenangriff auf den Baum führen können.

Forstleute machen sich die Kommunikation über Duftstoffe bei der Überwachung der Schadinsekten zunutze. Sie stellen an geeigneten Stellen im Wald schwarze Kunststofffallen auf, die mit einem künstlich produzierten Borkenkäfer-Pheromon  bestückt werden, das die Käfer anlockt. "Im Rahmen des Borkenkäfermonitorings in Sachsen nutzen wir  73 Kontrollflächen für den landesweiten Überblick. 35 davon stehen im Landeswald und werden direkt von uns überwacht", erläutert Lutz-Florian Otto, Referatsleiter für Waldbau und Waldschutz bei Sachsenforst. Die übrigen Standorte werden von unteren Forstbehörden in den Landkreisen betreut. Eigene Mitarbeiter oder beauftragte Unternehmen leeren die Fallen wöchentlich und zählen die Käfer.

Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Populationsentwicklung der Schädlinge ziehen. "Dieses Jahr hatten wir ab dem letzten Aprilwochenende mit Temperaturen von 25°C und mehr einen massiven Schwarmflug des Buchdruckers. Inzwischen wurden stellenweise mehr Käfer gefangen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, auf einzelnen Flächen sogar mehr als im gesamten Sommerhalbjahr 2011."

Die Forstbezirke und Schutzgebiete von Sachsenforst und die unteren Forstbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte beobachten mit zusätzlichen Fallen und anderen Kontrollmethoden die Situation in ihrem Territorium. Wachsamkeit ist auf jeden Fall angebracht. Alle Waldbesitzer sind verpflichtet, in ihrem Wald auf befallene Bäume zu achten und rechtzeitig mit der Aufarbeitung zu beginnen.

Ob sich der aktuelle Befall zu einer Kalamität entwickelt, hängt stark von der Witterung der kommenden Wochen ab. Kühles und feuchtes Sommerwetter stärkt die Abwehr- und Regenerationsfähigkeit der Waldbäume und bremst die Entwicklung der Insekten. Bleibt es warm und trocken, kann sich die Situation durchaus verschärfen.

Langfristig lässt sich das Risiko von Borkenkäferschäden nur dadurch verringern, dass Fichtenreinbestände in naturnahe Mischbestände überführt werden. Sachsenforstgeschäftsführer Braun verdeutlicht die Dimension dieser

Aufgabe: "Jedes Jahr pflanzen Sachsenforst und viele private und körperschaftliche Waldbesitzer Millionen junge Buchen, Eichen, Weißtannen, Ahorne und andere Laubbäume. In Jahrzehnten werden so nach und nach stabile Mischwälder entstehen, in denen der Buchdrucker kaum noch ein flächiges Absterben von Waldbeständen verursachen kann".

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