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300 - das ist die Zahl, die die Beamten der Gemeinsamen Fahndungsgruppe Autobahn (GFG) stolz macht. So viele gestohlene Fahrzeuge nämlich haben sie seit der Gründung der Einsatzgruppe vor sechs Jahren beschlagnahmt und ihren Besitzern wieder geben können. Und wenn schon nicht den Eigentümern, dann doch den Versicherungs- und Verwertungsgesellschaften. "Manche Autobesitzer wollen das einmal gestohlene Fahrzeug nicht mehr zurück haben", erklärt Thomas Knaup von der Pressestelle der Polizeidirektion Oberlausitz Niederschlesien.

PolizeiUebergabeBMW2012GFG
Der 56jährige Münchner Rechtsanwalt Martin Koppe gehört nicht dazu. Er hat sich jetzt seinen BMW persönlich in Bautzen abgeholt. Nachdem er zuvor gründlich repariert worden war - denn der Wagen hat einiges durchgemacht. Er war Ende Juli in Berlin gestohlen worden.

Als ihn Beamte der GFG kontrollieren wollten, begann eine spektakuläre Verfolgungsjagd. Der 39jährige Fahrer raste davon, die Beamten hinter ihm her. An der Abfahrt Bautzen Ost verließ der Pole die Autobahn, fuhr Richtung Löbau, anschließend nach Weißenberg. Die Beamten forderten Verstärkung an, per Hubschrauber und mit weiteren Fahrzeugen blieben sie dem BMW auf der Fährte. Doch auch eine Sperre in Wurschen konnte den Dieb nicht stoppen, er rammte sie. Ein Polizist konnte gerade noch beiseite springen, um sich zu retten. Allerdings landete der Flüchtende mit dem Fahrzeug auf einem Feld. Dort wurde er schließlich festgenommen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Martin Koppe zwar bereits bemerkt, dass sein BMW vom Hotelparkplatz verschwunden war. Die Anzeige war aber gerade mal eine halbe Stunde alt. "Das ist ja Wahnsinn, habe ich noch gedacht", erinnert er sich. Martin Koppe hängt an seinem Auto. "Ich verbünde mich mit meine Fahrzeug immer für drei Jahre, weil ich sehr viel fahre", sagt er.

Grundsätzlich kauft er nur gebrauchte Wagen. Die aber müssen eine ganz besondere Ausstattung haben. Um genau solch einen zu finden, braucht Koppe Wochen. Darum war er besonders glücklich, als die Polizei ihm mitteilte, sein Wagen sei gefunden worden. "Ich habe die erste Fahrt jetzt nach der langen Zeit sehr genossen", sagt der Münchner.

16.000 Euro Schaden hatte der Dieb an dem Wagen angerichtet. Das Vorderrad war bei der Flucht abgebrochen. Einen Großteil der Kosten hat zwar die Versicherung übernommen. Auf Selbstbehalt und Kosten für den Mietwagen blieb Koppe allerdings selbst sitzen. Dass ihm jemand den vier Jahre alten BMW mit 130.000 Kilometer Fahrleistung klauen würde, damit hatte Koppe nicht gerechnet. Künftig will er allerdings gewappnet sein. Eine elektronische Wegfahrsperre reicht ihm nicht mehr. "Ich werde dem Rat der Polizei folgen und an versteckter Stelle einen Schalter einbauen lassen, um die Benzinzufuhr zu unterbrechen", meint Koppe.

Martin Koppe ist der 100. Autobesitzer, der sein Fahrzeug direkt wieder von den Fahndern der GFG Autobahn zurückbekommen hat. Die Bilanz der Gruppe, die je zur Hälfte aus Beamten der Landes- und der Bundespolizei besteht, ist nicht selbstverständlich. "Die Fahnder landen immer öfter Treffer", sagt Thomas Knaup. Ein Grund dafür ist das spezielle Training. Die Beamten üben nicht nur, wie man eine Verfolgungsjagd möglichst gesund übersteht und den Verfolgten erwischt, wie man die Verdächtigen aus dem Wagen holt, ohne sich selbst zu stark zu gefährden - sie haben vor allem ein gut entwickeltes Bauchgefühl. So stoppen sie häufig Fahrzeuge, nach denen noch gar nicht gefahndet wird, die sich aber als gestohlen entpuppen. "Einfach, weil man das Gefühl hat, da stimmt etwas nicht", erklärt Knaup.

Man könne das ein wenig mit Hundehaltern vergleichen. Auch hier gelte der Spruch "Wie der Herr, so´s Gescherr". "Wenn Auto und Fahrer nicht zusammenpassen, wird man aufmerksam", so Knaup. Ein VW Golf plus beispielsweise sei eher ein Auto für Familien oder ältere Fahrer. "Wenn dann ein 19-Jähriger am Steuer sitzt, bei dem man normalerweise die Straßenseite wechseln würde, schrillen die Alarmglocken", so Knaup.

In Sekunden registrieren die Beamten, wer am Steuer sitzt. Passt er zum Auto? Warum fährt ein 20jähriger mit einem Auto mit Thüringer Kennzeichen frühmorgens Richtung Polen? Warum fährt er genau 100 km/h? "Das ist immer verdächtig. Kaum ein Mensch hält sich genau an das Tempolimit", erklärt Knaup. 

Das Abchecken geschieht im Vorbeifahren. Grundsätzlich sind die Fahnder, die bei der Autobahnpolizei in Bautzen stationiert sind, in Zivilfahrzeugen unterwegs. Im Bedarfsfall kann eine Anzeigentafel aus dem Kofferraum ausgefahren werden, die zum Folgen auffordert. Oder die Beamten ordern einen offiziellen Funkstreifenwagen, um ihre Tarnung nicht auffliegen zu lassen.

"Manchmal ist der Verdacht unbegründet, aber immer öfter werden die Fahnder fündig", erzählt Knaup. "Da wird zum Beispiel oft an der Identnummer herumgebastelt. Es sind kleinste Momentaufnahmen, die hellhörig machen."

So wie gerade erst wieder bei einem Seat mit spanischem Kennzeichen. Auch dort hatten die Beamten den richtigen Riecher. Als sie die 31- und 41jährigen Polen, die mit dem Wagen unterwegs waren, auf der Autobahn stoppten und kontrollierten, stießen sie auf Unregelmäßigkeiten in den Papieren. Tatsächlich entpuppten sie sich als gefälscht. Das Fahrzeug war nur zwei Tage vorher in Spanien gestohlen worden.

Martin Koppe findet den guten Riecher der Polizisten "grandios". Für ihn besonders wichtig: Im Wagen hatte er einen kleinen Bernstein, den ihm eine gute Freundin 14 Jahre zuvor geschenkt hatte. "Es hat mich unheimlich traurig gemacht, dass der weg sein sollte", erzählt der Anwalt. Das war denn auch das Erste, wonach der Anwalt schaute, als der Wagen wieder da war. Der Bernstein lag unangetastet an seinem Platz. Martin Koppe ist sicher: "Dieser kleine Glücksbringer hat funktioniert."

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