cannesLittfass2013FotoFAKTuellPhilippBerger
Für Viele sind die Filmfestspiele einfach nur harte Arbeit und während dieser fast zwei Wochen Dienst im Dauerzustand, besteht die größte Herausforderung darin, den einen freien Tag zu finden, an dem sie eine der vor Cannes liegenden zwei Inseln besuchen und ausspannen können.

Tatsächlich sind die Inseln offenbar große Parks im Meer, fernab vom Lärm und Trubel eines Filmfests. Die Inseln Sainte Marguerite und Saint Honorat, zusammen die Îles de Lérins, erfreuen sich bei den Berichterstattern von Cannes tatsächlich allerhöchster Beliebtheit...

Wer jedoch nicht vor dem Fest zu fliehen versucht, der befindet sich meist außerhalb der offiziellen Entourage aus Stars und allen möglichen Filmschaffenden und versucht stattdessen zwanghaft, daran teilzuhaben. Das geht dann soweit, dass man Leute trifft, die auf kreativste Weise darum bitten, mitgenommen, sprich eingeladen zu werden.
Von der alten, in goldimitierten Jogginghosen mit Goldschleier vor der Nase herumlaufenden Dame mit obligatorischem Mops (auch pseudo-vergoldet gekleidet - als wäre er nicht schon goldig genug) und handgeschriebenem Aufruf "Invitez-moi, svp!", über modellhaft wirkende Jünglinge im Smoking, die vielversprechend wirkende (weil ebenso gekleidete und sich bereits im mittleren oder gehobenerem Alter befindliche) Passanten ganz direkt ansprechen und fragen, ob sie noch einen Platz für sie haben, bis hin zu den ganz Kreativen der Partizipationswilligen, die bei ihrer "Bewerbung" äußerst einfallsreich agieren, um zugleich wahrgenommen, als auch eingeladen zu werden.
Wer zu plump oder gar aufdringlich daherkommt, so sagen diese sich vermutlich, hat keine Chance. So auch zwei junge Frauen, die sich, trotz Abendgarderobe (auch Stöckelschuhen) an eben eine Litfaßsäule wie die obige klammerten, dabei ein Schild in der Hand haltend: "Invite me, please!" und dabei von der sich drehenden Säule stets ins rechte Licht gesetzt wurden. Definitiv ein Hingucker und ob der Kreativität willen, bleibt zu hoffen, dass jemand auf ihre Bitten eingegangen ist.

Nun ist es nicht meine Art, hier offen Leute auf Sachen anzusprechen, die ich ohnehin nicht erwarte. Und dennoch reichte mir ein ganz normaler zwischenmenschlicher Kontakt, um prompt eine Einladung zu eben solch einer Veranstaltung angeboten zu bekommen. So lud mich ein dreißigjähriger Filmschaffender namens Mario ein, zur Vorstellung von "Blood Ties" in das Palais de Festival mitzukommen.
Kurz hatte ich mich ob der unerwarteten Einladung auch mit dem Gedanken getragen, diese Einladung anzunehmen, musste jedoch der Realität ins Auge sehen und die sagte: "Nix da! Du hast weder Hemd noch Smoking dabei!" So war es tatsächlich und da man in das Palais nur hineinkommt in hochoffizieller Montur (das ist das gleiche Gebäude, das mit rotem Teppich seine Stars empfängt), konnte ich die Einladung nicht nutzen. Rührend versuchte allerdings Mario, mich zu beraten, was die Kleidung anging.
Leider konnte ich nur immer wieder abwinken, da ich selbst einen "nœud pap" (an dieser Stelle hatte ich erstmal ausgiebig die Funktionen meines Smartphones checken müssen, um mitreden zu können... ps: es handelt sich um einen "Schmetterlingsknoten", in Deutschland auch als öde "Fliege" bekannt... ) nicht dabei hatte. Und so blieb das Ganze eine interessante Anekdote aus Cannes und ich hoffe doch, er hat zumindest einen schönen Abend gehabt...

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