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Die deutschen Bauern bleiben auf ihrem Gemüse sitzen, die Hypochonder kurbeln den Umsatz von Desinfektionsmitteln an und die Medien haben ein Thema abseits der Proteste in Europa.
Schuld ist EHEC, das Enterohämorrhagische Escherichia Coli-Bakterium. Dem gemeinen Boulevardblatt-Leser auch als Killerbakterie bekannt.

Und es soll das hämolytisch-urämische Syndrom auslösen, eine Durchfallerkrankung, die zu Nierenversagen führen kann. Bisher soll die Bakterie zehn Menschen auf dem Gewissen haben. In einigen Fällen ist der Zusammenhang allerdings nicht eindeutig geklärt.

Doch was ist EHEC eigentlich?

Bei EHEC handelt es sich um normale Enterohämorrhagische Escherichia coli-Bakterien, wie sie auch in unserem Darm vorkommen. Im konkreten Fall soll es sich um spezielle Stämme handeln, die Gifte produzieren können. Diese so genannten Shiga-Toxine können sich demnach an die Zellwand der lebenswichtigen Darmbakterien heften und sie abtöten. Dadurch kommt es zu blutigen Durchfällen. Gelangt das Gift bis zur Niere kann es dort die Gefäße zerstören und zu Nierenversagen führen.

EHEC-Infektionen gibt es in Deutschland immer wieder, dem Robert-Koch-Institut zufolge etwa 1.000 Fälle pro Jahr. Das Neue ist nun, dass nicht wie sonst vor allem Kinder sondern diesmal vor allem Erwachsene betroffen sind. Der aktuell beschriebene Erreger ist allerdings nicht neu, sondern bereits seit 1994 bekannt.

Dass er so gefährlich ist, soll nun den Theorien der Mikrobiologen zufolge an einem Gift liegen, das das Bakterium ausscheidet. Das soll im Übrigen auch Schuld daran sein, dass Antibiotika die Symptome noch verstärken. Die Theorie: Werden Antibiotika gegeben und die Bakterien getötet, geben sie das Gift komplett auf einmal ab und überschwemmen den Körper damit. Zu diesen Schlussfolgerungen zumindest kommt eine Studie im "New England Journal of Medicine".

Man könne das Gift nur verdünnen und müsse deshalb besonders viel Flüssigkeit zuführen. Also entweder trinken, oder im Krankenhaus Flüssigkeit per Infusion geben lassen.

Der Medizinhistoriker Dr. Volker Hess von der Berliner Charité hält die Warnungen zu EHEC, die derzeit in Deutschland kursieren allerdings für maßlos übertrieben. Allein wenn man die Virulenz, also die Fähigkeit, eine Krankheit auszulösen, in diesem Fall mit der Pest im Mittelalter vergleiche, stehe die Hysterie in keinem Verhältnis. Damals hätten sich 98 Prozent der Menschen angesteckt. Bei EHEC seien es hingegen wesentlich weniger.

Das RKI spricht von zehn bis 20 Prozent.
Das wären bis zu 15 Millionen...

"Das hat wahrscheinlich etwas mit unserer Vorsichtskultur in Deutschland zu tun, mit dem Hang dazu, immer das Schlimmste anzunehmen", sagt Hess. Als informierter Laie müsse man zudem die Frage stellen, ob das Aufkommen solch hochpathogener Keime möglicherweise mit der Massentierhaltung zusammenhänge. "Ohne Antibiotika läuft keine Massentierhaltung, das gehört dazu, sonst würden sie Tiere gar nicht erst schlachtreif werden", gibt Hess zu bedenken und fügt hinzu: "Die Verbreitung solcher Keime wie EHEC wird möglicherweise durch die Massentierhaltung befördert."

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