1RechtSoLogo Es waren gleich zwei Anklageschriften, die der Staatsanwalt zu Beginn der Hauptverhandlung gegen René B. am Amtsgericht Löbau verlesen musste. Im Mai vergangenen Jahres soll der 39jährige Zittauer mit einem zuvor in Strahwalde gekauften VW Passat zu seiner Lebensgefährtin Peggy B. gefahren sein, obwohl er nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis war. Um es vorweg zu sagen, er besaß nie eine und besitzt sie bis heute nicht.

Doch zum zweiten Tatbestand. In der Nacht vom 3. zum 4. Dezember 2011, gegen Mitternacht, habe der Angeklagte die 33jährige, mit der er damals in Löbau zusammen lebte und wohnte, im Verlaufe eines Streits über einen längeren Zeitraum gewaltsam am Verlassen der Wohnung gehindert, hieß es. In den Morgenstunden nahm er dann deren Autoschlüssel an sich und fuhr ohne Erlaubnis der Eigentümerin mit ihrem Pkw zu seiner Ex-Freundin nach Zittau.

Nachdem der Verteidiger gleich eingangs erklärte, sein Mandant werde sich zu den Tatvorwürfen der Nötigung bzw. Freiheitsberaubung sowie vorsätzliches Fahren ohne Fahrerlaubnis in zwei Fällen nicht äußern, eröffnete der Vorsitzende, Amtsgerichtsdirektor Dr. Karl Keßelring, die Beweisaufnahme. Die betroffene Peggy B., nun Zeugin, erklärte zum ersten Punkt, sie habe René B. damals mit ihrem Pkw zu dem Autokauf nach Strahwalde gefahren. Dass er keine Fahrerlaubnis hatte, wusste sie angeblich da noch nicht. Dann fuhren sie getrennt nach Löbau zurück. Als sie die Wahrheit wusste und zudem erfuhr, dass ein Tankwart ihren Freund mit dem Auto hatte fahren sehen, erstattete sie Anzeige. Um Schlimmeres zu verhindern, sagte sie, ließ aber auch durchblicken, dass sie der Tankwart nachdrücklich dazu aufgefordert hatte. Der Passat wurde daraufhin für 400 Euro weiterverkauft.

Zur zweiten Anklage: In der Nacht des zweiten Advent vergangenen Jahres begann nach Worten der Zeugin alles mit einer verbalen Attacke des reichlich betrunkenen Angeklagten. Dabei ging es wohl um Untreue seinerseits oder zumindest heimliche Liebesbeziehungen nebenher. In dieser Nacht war auch ihre Freundin Julia zugegen. Beide wollten die Wohnung verlassen, wurden aber zurück gezogen und in das Kinderzimmer abgedrängt. Etwa eine Stunde später verließ René B. selbst die Wohnung und kam erst gegen 5 Uhr, noch immer betrunken, zurück.

Gegen 12 Uhr am nächsten Tag habe ihr Noch-Ehemann angerufen, um ihr zu melden, dass ihr Auto nicht mehr vor dem Haus stand, sagte sie weiter aus. Daraufhin rief sie die Polizei an. Sie teilte den Beamten auch mit, wohin der Angeklagte vermutlich gefahren sein könnte. Tatsächlich fand eine Zittauer Streife den Rover am diesem Ort. Ihre Aussagen insbesondere zu dem Streit und der wohl nur etwa 20 Minuten dauernden Freiheitsberaubung wurden von der 18jährigen Julia im Wesentlichen bestätigt. Auch die damalige Zittauer Ex-Geliebte bestätigte, dass René B. An diesem Tage mit dem Auto bei ihr war. Sie wusste, dass er keine Fahrerlaubnis hat. Deshalb bot sie ihm an, den Pkw und auch ihn selbst nach Löbau zurück zu fahren. Das lehnte er ab, trank stattdessen noch ein Bier und dann kam die Polizei.

Schließlich erklärte der Verteidiger, sein Mandant räume die beiden vorsätzlichen Fahrten ohne Fahrerlaubnis ein. Sage und schreibe elf Eintragungen wies das bisherige Vorstrafenregister von René B. auf. Diebstähle, Betrug, Hausfriedensbruch, vorsätzliche Körperverletzung und allein sechsmal Fahren ohne Fahrerlaubnis standen da zu Buche. Mehrfache Geldstrafen hatte er bezahlen müssen und auch die JVA von innen kennengelernt. Zudem stand er zum Tatzeitpunkt unter Bewährung.
All das berücksichtigte der Staatsanwalt ebenso wie die Tatsache, dass die Freiheitsberaubung nur sehr kurze Zeit dauerte, niemand dabei körperlich zu Schaden kam und inzwischen der Angeklagte und die Klägerin längst wieder als verliebtes Paar zusammen sind. Er beantragte insgesamt eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 15 Euro. Außerdem solle der Verkaufswert des zur ersten Straftat benutzten Passat in Höhe von 400 Euro eingezogen werden.
Der Verteidiger verwies auf das Geständnis seines Mandanten und darauf, dass die letzte Verkehrsstraftat bereits sieben Jahre zurück liegt. Im Falle der Nötigung neige er dazu, dies als Bagatelle zu betrachten. Er hielt 100 Tagessätze zu je 15 Euro für angebracht. Das Gericht urteilte sogar noch milder und beschränkte sich auf 100 Tagessätze zu je zehn Euro. Allerdings schloss das Urteil die vom Staatsanwalt angeregte Einziehung von 400 Euro mit ein.

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