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Er wisse überhaupt nicht mehr, warum er das eigentlich gemacht hat, erzählte der 56jährige Eibauer Wolfgang H. Und es tue ihm natürlich sehr leid. Er war in vollem Maße geständig, bezüglich der gegen ihn vorliegenden Anklage, über die nun das Amtsgericht Löbau verhandelte. Staatsanwalt Uwe Schärich schilderte noch einmal die beiden zur Anklage führenden Sachverhalte.
Am 5. April, dieses Jahr, gegen 21:45 Uhr, war der Angeklagte mit seinem BMW zum Parkplatz Kaufland Ebersbach eingebogen. Dabei schrammte er am Pkw der Zeugin Sch. entlang, die gerade den Parkplatz wieder verlassen wollte. Es entstand ein Sachschaden von rund 2.300 Euro. Offensichtlich in Panik verließ der Angeklagte mit seinem Fahrzeug den Unfallort, ohne eine Feststellung des Sachverhalts bzw. seiner Personalien zu ermöglichen. Doch er wurde geschnappt.

Eine 23:05 Uhr durchgeführte Blutalkoholkontrolle ergab einen Mittelwert von 2,75 Promille. Der Führerschein wurde selbstverständlich sofort eingezogen. Für Wolfgang H. hätte es eine Lehre sein müssen - war es aber nicht. Dazu erneut der Staatsanwalt:
Nur wenige Tage später, nämlich am 28. April, gegen 19:15 Uhr, fuhr er - obwohl ohne Fahrerlaubnis und ebenfalls unter erheblichem Alkoholeinfluss stehend - mit seinem BMW auf den Parkplatz der Netto-Filiale in Ebersbach-Neugersdorf. Dabei stieß er voll gegen den einzigen dort abgestellten Pkw und verursachte erneut einen Sachschaden von 2.500 Euro. Die Blutalkoholkontrolle um 20:25 Uhr ergab das erstaunliche Resultat von 3,14 Promille.
Er wisse noch heute nicht, wie es mit ihm habe soweit kommen können, erklärte der Angeklagte mit leiser Stimme. Natürlich schäme er sich sehr dafür, was er da angerichtet habe. Inzwischen hat er auf Initiative der Gemeinde einen Betreuer, der sich um alle vermögensrechtlichen Dinge, insbesondere auch um den Umgang mit seinen eigenen finanziellen Mitteln kümmert. Außerdem unterzieht er sich einer ambulanten Behandlung wegen seiner Depressionen. Seit Pfingsten sei er trocken, versicherte er. Er werde auch den endgültigen Ausstieg vom Alkoholmissbrauch allein schaffen. Doch noch einmal zurück zu den beiden Straftaten.
Sie habe höllische Angst gehabt, sagte die Zeugin Sch., da der BMW genau auf sie zu gerast kam. Als er ohne halt weiterfuhr, habe sie umgedreht und sei ihm auf den Parkplatz gefolgt. Dort saß er hinter dem Steuer, und irgendetwas lief ihm aus dem Mund. Er stieg aus und wollte im Kaufland zur Toilette. Da habe sie die Polizei gerufen. Jugendliche hatten inzwischen den Zündschlüssel abgezogen.
Den zweiten Fall schilderte der Zeuge J. wie folgt. Als er aus dem Netto kam, hörte er den Motor des BMW aufheulen. Das war wohl unmittelbar nach dem Zusammenstoß. Er habe zuerst gedacht, "der sei krank". Er wies ihn an, ruhig zu bleiben und rief die Polizei. In diesem Moment versuchte Wolfgang H. noch einmal, zu starten, um zu fliehen. Es gelang ihm, nicht.
Er habe noch nie in seiner ganzen Dienstzeit einen Menschen in einem solchen Zustand auf dem Fahrersitz eines Autos erlebt, erklärte Polizeiobermeister S., der die ersten Ermittlungen führte. Der Angeklagte sei ganz klar nicht mehr Herr seiner Sinne gewesen. Der Oberkörper war voll von Erbrochenem, zudem ging wohl noch eine Menge voll in die Hose. Im Pkw lagen eine leere und eine zur Hälfte geleerte Flasche Wodka. An den Füßen trug er nur Hausschuhe.
Aufgrund einer entsprechenden Anregung des Staatsanwaltes änderte das Gericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Dr. Karl Keßelring die ursprüngliche Anklage wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs auf vorsätzlichen Vollrausch.
Zum Tatbestand selbst brauch er nicht mehr viel zu sagen, so Staatsanwalt Schärich. Zum Glück seien keine Personen verletzt oder gar getötet worden, und auch der Sachschaden halte sich im mittleren Bereich. Zudem trat Wolfgang H. bisher noch nie strafrechtlich in Erscheinung. Allerdings habe man es doch in beiden Fällen mit erheblichen Alkoholmengen zu tun.
Aufgrund der bescheidenen Einkommensverhältnisse des Angeklagten plädierte er für eine Gesamtgeldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro. Die Sperre bis zur Neuerteilung einer Fahrerlaubnis sollte drei Jahre betragen. Im Wesentlichen schloss sich der Verteidiger dieser Argumentation an, verwies aber noch einmal auf die begrenzten materiellen Mittel seines Mandanten. Deshalb schlug er eine Tagessatzhöhe von zehn Euro vor. Für den Entzug der Fahrerlaubnis sah er 18 Monate als ausreichend, da an deren Ende ohnehin die MPU stehe.
Unter Abwägung aller Zeugenaussagen und Argumente der Prozessbeteiligten ließ das Gericht am Ende Milde walten. Das Urteil lautete auf 90 Tagessätze zu je zehn Euro, und die Sperre der Fahrerlaubnis, die ja bereits am 5. April beschlagnahmt wurde, beträgt insgesamt zwei Jahre. Noch im Gerichtssaal nahmen der Angeklagte und sein Verteidiger das Urteil an.

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