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 Einen Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz mit versuchter Nötigung legte das Amtsgericht Löbau kürzlich dem Zittauer Albert E. zur Last. Hintergrund des Geschehens war, dass dessen neunjähriger Sohn Erwin seit 2007 nach gerichtlicher Entscheidung bei einer Pflegefamilie in Berthelsdorf lebt.
Da es diesbezüglich bereits mehrfache durchaus ernstzunehmende Drohungen seitens des 39jährigen Angeklagten gab, hatte ihm das Familiengericht bereits im Oktober 2010 jeglichen Kontakt zu seinem Sohn und dessen Pflegeeltern, einschließlich deren beiden Töchter, untersagt. Diese Verfügung wurde im März 2011 erneut ausgesprochen, da es inzwischen bereits eine massive Bedrohung gab.

Dazu gehörte auch, dass Albert E. sich sowohl der Wohnung von Familie E. als auch der Schule, welche sein Sohn gegenwärtig besucht, nicht weiter als 100 Meter nähern darf. Trotz allem schickte ihm der Pflegevater auf seine Bitte hin wenig später ein Foto des Jungen, um zu zeigen, dass es diesem gut geht.

„Aber der sah darauf so traurig aus“, sagte der Angeklagte. Das konnte er angeblich nicht mehr verkraften. Erwin habe auch früher schon einmal geäußert, dass ihn die Pflegemutter geschlagen hätte. Er habe ja nur das Beste für sein Kind gewollt. Also schrieb er einen Brief mit der Drohung, wenn er den Sohn nicht zurück bekomme, werde er weitergehen. Die Familie O. solle dabei an ihre eigenen Töchter denken, die könnten sonst eines Tages verschwunden sein.

Man sei aufgrund der früheren Ankündigung des Beschuldigten, eine der Töchter einen Kopf kürzer machen zu wollen, natürlich auch diesmal sehr besorgt gewesen, bestätigte der Pflegevater. Deshalb erstattete er umgehend Anzeige. Es gehe dem Jungen wirklich gut, unterstrich er. Der sehne sich nicht nach seinem leiblichen Vater. Sogar das Foto habe er eigentlich abgelehnt, deshalb sei wohl auch sein Gesichtsausdruck nicht gerade freundlich gewesen. Allerdings habe es nach diesem letzten Drohbrief keine weiteren Zwischenfälle gegeben.

Aus einem vom Vorsitzenden der Hauptverhandlung, Amtsgerichtsdirektor Dr. Karl Keßelring, auszugsweise verlesenen psychiatrischen Gutachten des Sächsischen Fachkrankenhauses Großschweidnitz ging hervor, dass der Angeklagte bereits einmal gegen seinen Willen zwei Wochen stationär in dieser Einrichtung verbringen musste.

Er leide unter sozialen Persönlichkeitsstörungen, seelischer Abartigkeit und zeige Neigung zur Gewalt, hieß es weiter. Eine Schuldunfähigkeit liege aber nicht vor. Aufschlussreich war auch der ebenfalls teilweise verlesene Auszug aus dem Bundeszentralregister der immerhin bereits elf Einträge aufwies. Gemeinsamer Diebstahl mit Waffengewalt, Bedrohung in mehreren Fällen, Verwenden von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen, mehrfache versuchte Nötigung, Beleidigung und Bedrohung standen da bereits zu Buche.

Für den Staatsanwalt eine relativ klare Sache, zumal sich der Angeklagte ja geständig zeigte. Erschwerend sei allerdings die große Latte der Vorstrafen und vor allem die Tatsache, dass er die Pflegeeltern bzw. deren Tochter erst ein halbes Jahr vor dieser letzten Straftat massiv bedroht hatte. Deshalb halte er eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung auf drei Jahre, für Tat und Schuld angemessen. Als weitere Auflage schlug er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit vor.
Im Wesentlichen stimmte der Verteidiger diesem Plädoyer zu. Sein Mandant habe einfach sehr unüberlegt reagiert und seinen angestauten Emotionen freien Lauf gelassen, sagte er. Allerdings halte er vier Monate für Ausreichend, da es ja inzwischen keine weiteren Zwischenfälle gab. Das Gericht entschied sich für die Mitte und verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre und ist verbunden mit der Auflage, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Noch im Gerichtssaal nahmen alle Prozessbeteiligten das Urteil an.

*Namen der Betroffenen geändert.

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