1RechtSoLogo Wegen Vortäuschens einer Straftat hatte sich der 47jährige Michael S. aus Ebersbach-Neugersdorf vor dem Löbauer Amtsgericht zu verantworten. Wie es dazu kam, schilderte der Angeklagte sinngemäß selbst wie folgt:
Im Juli vergangenen Jahres war er am Abend wie so oft mit seiner Lebensgefährtin in Streit geraten. Es ging wohl darum, dass er eine neue Arbeitsstelle am Bodensee antreten wollte. Schon dabei dürfte übermäßiger Alkoholgenuss eine wesentliche Rolle gespielt haben.
Er ging jedenfalls verärgert in die Kneipe und trank weiter. Als er zurückkam, ließ er sich auf dem Sofa nieder. Irgendwann stellte er plötzlich fest, dass seine Geldbörse mit Geld- und Gesundheitskarte, Personalausweis usw. verschwunden war. So rief er gegen 1:45 Uhr den Notruf an und zeigte an, dass ihm das Teil dort in der Gaststätte gestohlen worden sei. In Wirklichkeit aber, war die Börse in einen Spalt in oder hinter das Sofa gerutscht, so dass man es im normalen Geisteszustand auch sicher gefunden hätte. Übrigens hatte der Angeklagte nach deren Auffinden keine Notwendigkeit gesehen, die Polizei darüber zu informieren.

Nun gibt es da etwas, das für den Angeklagten – und nicht nur für ihn – typisch ist. Da geht es in erster Linie um Alkoholmissbrauch bzw. Sucht. In der Vergangenheit hatte er nämlich bereits 2010 in Bad Liebenwerda eine Langzeittherapie durchlaufen. Dabei lernte er seine jetzige Lebensgefährtin Doreen G. kennen und zog zu ihr nach Ebersbach.

Erfolgreich war die damalige Maßnahme offensichtlich bei beiden nicht. Davon könnten Polizei und Justiz inzwischen umfangreich berichten. So hätte sich auch die Lebensgefährtin vor ein paar Tagen wegen Missbrauch des Notrufes vor Gericht verantworten müssen, aber sie glänzte durch Abwesenheit. Diese Möglichkeit war dem Angeklagten allerdings versagt, denn er wurde aus der JVA zugeführt. Bis zum 18. Dezember verbüßt er dort eine Ersatzhaft, da er die Geldstrafe von 120 Tagessätzen aus einem früheren Strafbefehl nicht begleichen konnte. Eine weitere Strafe in Höhe von 60 Tagessätzen wartet noch auf die Verbüßung, wie auch immer.

In Anbetracht all dieser Umstände belehrte der Vorsitzende, Dr. Holger Maaß, den Angeklagten noch einmal eindringlich über die Folgen des unangemessenen Betätigen des Notrufes, während andere Personen vielleicht wirklich in Gefahr sind. Mit Hinblick auf die Versicherung des Angeklagten, er habe jetzt in der JVA erneut einen Antrag auf eine Entziehungskur gestellt, schlug de Richter vor, das Verfahren vorläufig einzustellen. Mit Zustimmung des Staatsanwalts erging schließlich ein entsprechender Beschluss ohne Auflagen.

 

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