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  Es war an einem ganz normaler Novemberabend im vergangenen Jahr. Die 28jährige Obercunnersdorferin Ines S. war gegen 21:45 Uhr mit ihrem Pkw aus Dürrhennersdorf kommend auf dem Heimweg. Nur einen Moment war sie unaufmerksam und beachtete das Stoppschild an der Kreuzung zur S 148 nicht, da war es auch schon zu spät. Es kam zum Crash mit einem weiteren Pkw, dessen Fahrerin in Richtung Kottmarsdorf unterwegs war.

„Alles ging sehr schnell“, erklärte die Geschädigte R. bei der kürzlichen Hauptverhandlung am Amtsgericht Löbau. „Ich sah die Scheinwerfer von rechts, doch bevor ich reagieren konnte, knallte es auch schon.“

Das Auto prallte an einen Baum, sie selbst war aufgrund ihrer Verletzungen vier Wochen krankgeschrieben. Zum Glück habe sie keine Spätfolgen davon getragen, erklärte sie. Auch mit dem Pkw habe die Versicherung alles reguliert. Trotzdem habe sie noch heute ein wenig Angst, wenn sich ein Auto von rechts aus einer Nebenstraße kommend annähert.

Das Gericht hatte der Unfallverursacherin nach Abschluss der Untersuchungen einen Strafbefehl in Höhe von 20 Tagessätzen zu je 30 Euro zugestellt, gegen den sie nun form- und fristgemäß Einspruch erhoben hatte. Dazu ihr Verteidiger, Rechtsanwalt Torsten Mengel:

„Natürlich ist die Schuld meiner Mandantin unbestritten. Sie hat diesen Unfall verursacht. Aber ich glaube, wir sollten hier mit dem nötigen Augenmaß vorgehen.“ Alles in allem seien die Folgen für Ines S. nämlich schlimmer gewesen als für Frau R. Sie habe nach dem Unfall mehrere Tage im Krankenhaus gelegen, bei dem Aufprall sei ihr Hörgerät entzwei gegangen, am Pkw entstand wirtschaftlicher Totalschaden.
Als Krönung erhielt sie von ihrer bisherigen Arbeitsstelle aufgrund des zu erwartenden Ausfalls die Kündigung. Eine wohl recht zweifelhafte Praxis, wenn es denn tatsächlich so gewesen ist. Nun sei sie in der Ausbildung zur Altenpflegerin, verfüge also nur über begrenzte Einkünfte. Deshalb schlug er vor, das Verfahren gegen eine angemessene Auflage einzustellen bzw. zumindest die Höhe der angedrohten Geldstrafe zu korrigieren.

Es sei ihm klar, dass die Angeklagte nicht mutwillig gehandelt habe, entgegnete der Staatsanwalt. Allerdings sei bei der Nichtbeachtung des Stoppschilds, die ja noch weitaus schlimmere Folgen auf beiden Seiten hätte haben können, eine Einstellung des Verfahrens nicht gerechtfertigt. Eine geringere Geldstrafe hingegen sei in Anbetracht der genannten Aspekte wohl denkbar.
So sah es auch der Vorsitzende, Dr. Holger Maaß. Er halte eine Tagessatzhöhe von zehn Euro für angemessen, ergänzte er. Immerhin sei Ines S. in der Vergangenheit auch weder strafrechtlich noch verkehrsrechtlich in Erscheinung getreten. Nachdem der Verteidiger erklärte, dass seine Mandantin den Einspruch auf die Höhe der Geldstrafe beschränken wolle, wurde die Beweisaufnahme geschlossen.
In seinen Schlussbemerkungen beantragte der Staatsanwalt, die Anzahl der Tagessätze bei 20 zu belassen, deren Höhe aber auf zehn Euro zu beschränken. So lautete dann auch das Urteil. Es wurde noch im Gerichtssaal von allen beteiligten Seiten angenommen.

 

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