1RechtSoLogoWem wäre es wohl nicht unangenehm, wenn er sein Haus betreten will oder in dessen Nähe umher geht und ständig die Digitalkamera seines Mitbewohners auf sich gerichtet sieht? Irgendwann ist dann sicher einmal auch für das „geduldigste Schaf“ die Schmerzgrenze erreicht.
So stellte der sich derart verfolgt oder ausgespäht Fühlende schließlich bereits 2011 mehrfach Strafanzeige gegen den vermeintlich unermüdlichen hauseigenen Paparazzi Klaus K. Diese wurden aber nicht zur Hauptverhandlung zugelassen, bis schließlich im Sommer vergangenen Jahres eine einstweilige Verfügung gegen den Angeklagten erging, die allerdings nur noch bis Ende Januar gültig ist. Nun hoffte man am hiesigen Amtsgericht, diesen Konflikt wohl endlich vom Tisch zu bekommen. Wie sich zeigte, wurde das nicht ganz von Erfolg gekrönt. Doch zuerst noch einmal zum Sachverhalt.

Im Mittelpunkt der Anklage gegen den 56jährigen K. stand der Vorwurf, er habe über einen längeren Zeitraum hinweg seinen Mithausbewohner M. immer wieder fotografiert und am Ende sogar mit der Video-Kamera gefilmt. Dem widersprach der Angeklagte, indem er aussagte, er sei ein Katzenfreund, betreue seit etwa 15 Jahren mehrere, teils außerhalb des Hauses herum streunten Tiere, indem er sie regelmäßig mit Futter versorge, und dabei fotografiere er sie auch gern.
Es tue ihm immer weh, wenn er an der stark befahrenen Schrammstraße, wo sich sein Wohnhaus findet, dann mehrere seiner Schützlinge tot auf der Fahrbahn findet. Das sei in den letzten drei bis vier Jahren mindestens acht Mal der Fall gewesen. Im Übrigen habe er nie mit der Kamera auf seine Mithausbewohner gezielt, sondern sich immer nur den von ihm umsorgten Tieren gewidmet.
Anders sah es der Zeuge M., der sich über ein halbes Jahr lang durch die fotografischen Aktivitäten des Angeklagten belästigt fühlte. Er gehe davon aus, dass dieser nur ein einziges Ziel verfolge, nämlich ihn zum Auszug zu bewegen, sagte er. Er habe mit dem eifrigen Fotografen gesprochen, ihn dazu bewegen wollen, damit endlich aufzuhören, aber dieser antwortete, er mache eine Milieustudie über das Zusammenlegen in diesem, ehemals seinem Vater gehörenden Haus.

Für Staatsanwältin Heike Korowiak war das Ganze offenbar ein typischer Nachbarschaftsstreit, den man auch ohne drastisches Gerichtsurteil klären könnte. Deshalb stellte sie den Antrag, das Verfahren vorläufig auszusetzen und innerhalb von sechs Monaten über die Gerichtshilfe einen Täter-Opfer-Ausgleich zu erreichen. Nachdem alle Prozessparteien ihre Bereitschaft bekundeten, schloss sich auch Richter Giesbert Oltmanns diesen Vorschlag an, und so erging ein entsprechender Beschluss. 

         

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