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Es muss zwar recht feucht, aber wohl kaum fröhlich zugegangen sein in den frühen Morgenstunden des 20. März 2011 im und um das bei der Jugend des Altkreises Löbau-Zittau allseits beliebte „Kulti“ Großhennersdorf. Leider endete es dieses – und nicht zum ersten Mal – in einer handfesten Auseinandersetzung. Mit späteren Folgen. Gefährliche Körperverletzung legte dieser Tage das Schöffengericht am Amtsgericht Zittau der 22jährigen Vanessa H., ihrem 24jährigen damaligen Freund Raimond R. sowie dem 23jährigen Phil K. zur Last. Dazu sinngemäß die Anlageschrift:
Gemeinsam hätten die drei Angeklagten weit nach Mitternacht den dortigen Besucher K. grundlos mit Faustschlägen attackiert und ihm unter anderem eine offene Kopfverletzung zugefügt, hieß es in den Ausführungen von Staatsanwalt Uwe Schärich. Nachdem es zu einer Rangelei gekommen sei, habe R., der oft dort als Türsteher arbeitet, an diesem Abend aber privat da war, den Geschädigten festgehalten, worauf Vanessa H., offensichtlich um ihren Freund zu schützen, ihn mit Faustschlägen bedachte.

Das Problem war, dass sich bei der Beweisaufnahme und Zeugenvernehmung, wie so oft in diesen Fällen, aufgrund des reichlichen Alkoholgenusses keiner der Beteiligten mehr so recht daran erinnern konnte, was damals wirklich geschah. Das traf auf den Geschädigten K., die Angeklagten und die meisten Zeugen, mit Ausnahme des untersuchenden Polizeibeamten und der „Kulti“-Mitarbeiter, gleichermaßen zu.
Während die 22jährige Zittauerin H. es vorzog, sich nicht zu äußern, betätigte das der Angeklagte K. in seiner Aussage. Es sei im „Kulti“ bzw. der dazu gehörigen Bar „Kuhstall“ in dieser Nacht ziemlich eng zugegangen, erinnerte er sich. Irgendwann habe ihn dann einer angerempelt. Es kam zu einem Wortgefecht und schließlich zu einem Kopfstoß. Dann sei er zu Boden gegangen. Was danach passierte, wisse er nicht mehr.
Sein Problem ist allerdings, dass er sich bereits wenige Monate zuvor seiner solchen Straftat schuldig gemacht hatte, zum neuerlichen Tatzeitpunkt aber noch nicht rechtskräftig verurteilt war. Das war inzwischen geschehen. Das Urteil lautete neun Monate Freiheitsentzug auf Bewährung.

Der dienstfreie Türsteher R. sagte aus, er habe nur recht wenig getrunken und das Geschehen mit Sorge verfolgt. Irgendwann sei ihm dann klar geworden, dass er eingreifen muss, um Schlimmeres zu verhindern. Deshalb schnappte er sich den Geschädigten K. und hielt diesem die Arme fest, damit es nicht zu weiteren Tätlichkeiten kommen sollte.
Keineswegs habe er auf diesen eingeschlagen, versicherte er. Er habe wirklich nur zu schlichten versucht. Da sich aber der andere immer wieder wehrte, schlug seine damalige Freundin mit ihren kleinen Fäusten auf den Geschädigten ein, allerdings wohl kaum so, dass sie ihn hätte ernsthaft verletzen können.

Wenig echten Aufschluss über das Geschehen brachten die Aussagen der vielen Zeugen. Während sich die meisten von ihnen auf den damals wohl gewaltigen Alkoholgenuss und die lange seit der Tat vergangene Zeit beriefen, berichtete der Polizeibeamte, dass man am und im „Kulti“ gegen 5 Uhr zwar jede Menge alkoholisierte Jugendliche antraf, das eigentliche Geschehen aber längst beendet war. Er habe nur noch den Rettungswagen wegfahren sehen.

Am Ende der Beweisaufnahme wurde angeregt, das Verfahren gegen die junge Angeklagte Vanessa H. wegen geringer Verhältnismäßigkeit ihrer Schuld einzustellen, und es erging im allseitigen Einverständnis ein entsprechender Beschluss. Positiv waren die Auskünfte der Jugendgerichtshilfe im Falle des inzwischen zu der oben genannten Freiheitsstrafe verurteilten zweiten Angeklagten. Das bestätigte auch sein Bewährungshelfer. Dem Dritten im Bunde, Raimond R., hatte im Verlaufe der Hauptverhandlung keiner der Zeugen und auch nicht der Geschädigte selbst eine Schuld nachweisen können und es auch nicht versucht.

Für Staatsanwalt Uwe Schärich stellte sich am Ende der Tatbestand doch etwas anders dar als in seiner Anklageschrift. So beantragte er als Erstes Freispruch für den dienstfreien Türsteher R., der offensichtlich tatsächlich nur schlichten wollte. Im Falle des noch verbleibenden und bereits einschlägig vorbestraften Täters würdigte er natürlich dessen Geständnis und sein seither straffreies Verhalten sowie den positiven Bewährungsverlauf.
Unter Einbeziehung der ersten Bewährungsstrafe beantragte er eine Gesamtstrafe von nun einem Jahr, wiederum ausgesetzt zur Bewährung von zwei Jahren. Als weitere Auflage regte er eine Geldbuße von 1.500 Euro an. Sowohl Rechtsanwältin Yvonne Haußer-Knabe, die dem am Ende frei gesprochenen Angeklagten verteidige, als auch ihre Kollegin Uta Krüger schlossen sich im Wesentlichen den Anträgen an. Auch das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Müller entsprach im Urteil diesen Vorstellungen. Allerdings wurde die vom Staatsanwalt beantragte Geldbuße auf lediglich 250 Euro reduziert.

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