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Es war an einem "ganz normalen" Nachmittag im Juli vergangenen Jahres, da wurde der 26jährige Löbauer Enrico T. mit seinem Fahrrad auf dem Parkplatz am Löbauer EDEKA an der Sachsenstraße von der Polizei kontrolliert. Dabei wurde ein Alkoholwert von rund 2,14 Promille gemessen. Wie sich herausstellte, nicht zum ersten Mal.
Das stimme alles so, bekannte der Angeklagte unmittelbar nach den Ausführungen des Staatsanwaltes. Man habe sich dort immer mit Kumpels getroffen, um gemeinsam rumzuhängen und natürlich zu trinken.

Übrigens brachte er zur Hauptverhandlung ein junges Mädel mit, das er auf Anfrage des Vorsitzenden, Richter Dr. Holger Maaß, als "seine Schnecke" bezeichnete. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um eine 16jährige Schülerin der 10. Klasse handelt. Was die denn wohl von seinem langjährigen Alkoholmissbrauch halte, wollte der Staatsanwalt wissen.
Damals habe er sie noch gar nicht gekannt, erwiderte der Angeklagte. Gleichzeitig aber räumte er ein, dass er noch immer "mittelmäßig" dem Alkohol zuspricht. Das heißt, er trinkt noch fast jeden Tag regelmäßig sechs bis sieben Bier, dazu Pfeffi oder Kirsch. Auf richterliche Anordnung hatte er sich auch in der Vergangenheit schon in die Suchtberatungsstelle von "come back" an der Breitscheidstraße begeben. Offensichtlich mit wenig Langzeiterfolg. Auch damals war die Ursache das Fahren mit dem Fahrrad unter erheblicher Alkoholeinwirkung.
Aufgrund des Geständnisses blieb dem Richter nun nur noch das Verlesen des Auszuges aus dem Bundeszentralregister. Vier Eintragungen standen da zu Buche - zweimal vorsätzliche Trunkenheit im Verkehr (mit dem Fahrrad), Hausfriedensbruch und ein vorsätzlicher Vollrausch. Alle vier Straftaten wurden per Strafbefehl mit Geldstrafen geahndet.
Wie es denn nun mit ihm und seiner "Schnecke" weitergehen solle, wollte der Vorsitzende wissen. "Ich höre jetzt auf mit dieser Scheiße", erwiderte der Angeklagte. Und auf die Befürchtung des Richters, dass er das wohl kaum allein schaffen werde, zeigte er sich auch mit einer künftigen Betreuung einverstanden.
Für den Staatsanwalt war aufgrund des Geständnisses der Sachverhalt klar. Nach den vier Vorstrafen, von denen drei einschlägig waren, hielt er nun eine geringe Freiheitsstrafe für unbedingt angemessen. Er beantragte deshalb drei Monate, ausgesetzt zur Bewährung auf drei Jahre. Dazu als Auflage die Ableistung von 50 Arbeitsstunden. Dem Angeklagten solle ein Bewährungshelfer gestellt werden und er müsse sich umgehend einer Suchttherapie unterziehen. Diesem Antrag folgte am Ende das Gericht in allen Punkten und fällte ein dementsprechendes Urteil.

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