1RechtSoLogo Es ist offensichtlich in der Vergangenheit für den 52jährigen Gert P. aus Ebersbach-Neugersdorf fast die Regel gewesen, „unter Strom“ – sprich Alkoholeinfluss – mit seinem Fahrrad unterwegs zu sein. Das führte schließlich dazu, dass er sich nun, zum wiederholten Male, wegen vorsätzlicher  Trunkenheit im Verkehr vor dem Strafrichter in der Zweigstelle Löbau des Amtsgerichts Zittau verantworten musste.
Am 27. April vergangenen Jahres, gegen 15:40 Uhr, war der Angeklagte mit seinem Drahtesel auf der Amtsgerichtsstraße im Stadtteil Ebersbach unterwegs. Aufgrund des vorher reichlich genossenen Alkohols verlor er die Kontrolle über das Fahrzeug, stürzte, und brach sich dabei den linken Unterarm. Bei der Einlieferung und ärztlichen Versorgung im Klinikum Oberlausitzer Bergland, Standort Ebersbach, wurde ihm auch eine Blutprobe entnommen. Diese ergab einen Mittelwert von 2,36 Promille.

Unmittelbar nach Verlesen der Anklageschrift durch Staatsanwalt Jürgen Ebert räumte der Angeklagte alles ein. Eigentlich habe er ja bei der letzten Verhandlung gegen ihn im Jahre 2010 dem damaligen und heutigen Vorsitzenden Dr. Holger Maaß versprochen, das Rad wegzugeben, aber unter Alkoholeinfluss wisse er eben meistens gar nicht mehr, was er macht, räumte er ein. Na ja, nun sei es durch den Unfall sowieso hin und nur noch Schrott. Übrigens stand er zur Zeit dieses neuen Delikts mitsamt des Sturzes aufgrund der Verurteilung bezüglich der letzten Alkoholfahrt unter Bewährung. Damals hatte er gar 2,84 Promille intus.
Er wisse natürlich, dass es mit ihm und seinem mit ihm zusammen lebenden, ebenfalls alkoholkranken Bruder nicht so weitergehen könne, sagte er kleinlaut. Deshalb habe er sich in Absprache mit der Bewährungshelferin und seinem Hausarzt zu einer Entgiftung und anschließenden Langzeittherapie entschlossen. In rund zwei Wochen werde er sich beim Leiter der Suchtklinik am Sächsischen Fachkrankenhaus Großschweidnitz, Oberarzt Dr. Sven Richter, vorstellen. Diese Angaben bestätigte seine Pflichtverteidigerin.

Insgesamt acht Einträge wies der Auszug aus dem Bundeszentralregister bezüglich des Angeklagten auf, wobei der Vorsitzende nur auf die letzten vier einging. Dabei handelte es sich immer um einschlägige Straftaten, weshalb er auch schon zwei kurzzeitige Haftstrafen verbüßte.
Alle Prozessbeteiligten waren sich am Ende der Beweisaufnahme darin einig, dass der Angeklagte allen nicht dazu ein der Lage sei, seinen Lebenswandel grundlegend zu ändern. Deshalb befürworteten alle den sich nun „hoffentlich“ abzeichnenden Weg.
Nach Abwägung aller Umstände beantragte der Staatsanwalt eine Haftstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung auf drei Jahre und verbunden mit der Auflage, sich tatsächlich der avisierten Suchtbehandlung zu unterziehen. Dem schloss sich die Verteidigerin an, betonte aber an ihren Mandanten gewandt, er solle sich darüber im Klaren sein, dass es sich hier wirklich um eine allerletzte Chance handelt. Auch das Gericht folgte am Ende diesen Anträgen. Noch im Gerichtssaal erklärten der Angeklagte und die Verteidigerin, man nehme das Urteil an. Da auch Staatsanwalt Jürgen Ebert auf Rechtsmittel verzichtete, ist es also inzwischen rechtskräftig.

   

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