1RechtSoLogo Eigentlich ist es doch etwas ungewöhnlich, dass trotz verständlicher Verspätungen, die im Zuge von Bearbeitungen immer wieder mal vorkommen können, eine Hauptverhandlung erst fünf Jahre nach der Straftat eröffnet wird.
Das hatte folgenden Hintergrund: Im April 2008 schnappte die Polizei den 34jährigen Ota S. aus einem Nordböhmischen Dorf nahe seines Geburtsorts Varnsdorf (Warnsdorf) auf dem Gelände einer Firma an der Webergasse in Ebersbach-Neugersdorf.
Er hatte etwa 400 Meter dünnes Aluminiumkabel über die Schulter gelegt, das einen Wert von etwa 320 Euro besaß. Nach der folgenden Untersuchungshaft wurde er in seine Heimat entlassen mit der Versicherung, dass ihn irgendwann ein Prozess vor dem zuständigen Amtsgericht erwarten würde. Das nahm er zur Kenntnis. 

Dennoch erschien er zu dem für den 26. März 2009 anberaumten Prozesstermin nicht. Allerdings machte er den Fehler, am 19. Januar diesen Jahres erneut nach Ebersbach zu kommen und dort wieder ein solches Alukabel zu klauen. Dabei wurde er gefasst. Selbstverständlich ließ man ihn aufgrund des Jahre alten Haftbefehles nun nicht mehr in seine Heimat zurück. Außerdem hatte er aufgrund einer älteren Straftat noch eine Geldstrafe von 55 Tagessätzen in geringer Höhe offen. Da er diese nicht begleichen konnte, saß er sie nun neben der U-Haft in der Justizvollzugsanstalt Görlitz ab.
Übrigens war der Angeklagte sofort in allen Punkten voll geständig. Er sei seit etwa drei bis vier Jahren arbeitslos und bestreite seinen Lebensunterhalt seither nur auf diese Weise, erklärte er. Wenn er in Tschechien auf Schrott-Sammeltour unterwegs war, habe er dort schon noch nachgefragt, ob er das eine oder andere mitnehmen dürfe. In Deutschland machte er das allerdings nicht.
Für Staatsanwalt Jürgen Ebert war der Sachverhalt, nicht zuletzt durch das Geständnis des Angeklagten, klar. Aufgrund dessen und im Hinblick auf den langen Zeitraum von fünf Jahren seit der Tat beantragte er eine Freiheitsstrafe von vier Monaten, ausgesetzt zur Bewährung von drei Jahren. Dem schloss sich das Gericht an. Unmittelbar danach verkündete der Angeklagte, er nehme das Urteil an.

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