1RechtSoLogo Wegen zweifachem Hausfriedensbruch hatte sich der 19jährigen Löbauer Dennis J. vor dem zuständigen Jugendschöffengericht zu verantworten. Das Delikt selbst war dabei mehr oder weniger eine Bagatelle, stellte sich schon beim Verlesen der Anklageschrift heraus. Entscheidender für die spätere Urteilsfindung war, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt unter Bewährung stand. Doch zurück zum Sachverhalt.
In den frühen Morgenstunden des 26. Oktober 2011 soll der junge Mann gemeinsam mit zwei etwa gleichaltrigen Kumpels auf dem Gelände des Kinderheimes in Herwigsdorf lautstark randaliert haben. Es habe gegen 1 Uhr begonnen, erinnerte sich eine Zeugin, die damals Nachtdienst hatte.

Die drei offensichtlich stark alkoholisierten Störenfriede hätten mit Fußballtrompeten großen Lärm verursacht. Nachdem sie mit Androhung der Polizei versuchte, die Jugendlichen zum Rückzug zu bewegen, sei es tatsächlich erst einmal ruhig auf dem Gelände geworden. Das währte allerdings nur kurze Zeit. Bereits eine Stunde später waren die drei wieder randalierend auf dem Gelände eingetroffen. Diesmal rief die Diensthabende tatsächlich die Polizei.
Da die Ruhestörer nur etwa zwei Meter von ihr entfernt standen, habe sie zwei zweifelsfrei erkennen können, betonte die Zeugin. Einer von ihnen sei der Angeklagte gewesen. Auch der zweite Identifizierte war für den Vorsitzenden, Dr. Holger Maaß, keineswegs ein Unbekannter. Wie der Auszug aus dem Bundeszentralregister bezüglich des Angeklagten zeigte, war dieser nicht zum ersten Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Seit Mai 2009, damals war er gerade mal 16 Jahre alt, hatte er schon vier Vorstrafen hinter sich. Neben einem Diebstahl ging es dabei sonst immer um vorsätzliche Körperverletzungen. Insbesondere die letzte Straftat vom September 2011 war hier maßgebend, weil er damals zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt wurde.
Seine Schutzbehauptung, er sei an dem in der Anklageschrift genannten Tag überhaupt nicht in Herwigsdorf gewesen, war sowohl für den Staatsanwalt noch für das Gericht äußerst unglaubwürdig. Dazu trug unter anderem der Bericht der Vertreterin der Jugendgerichtshilfe bei, aus dem hervor ging, dass der Angeklagte längere Zeit selbst in diesem Kinderheim war und ihn das Personal also kannte. Genau wie die Bewährungshelferin stellte sie fest, es sei sehr schwer, dem jungen Mann eine halbwegs positive soziale Prognose zu bescheinigen. Aber vielleicht könne er doch noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davon kommen, da es sich ja bei dem Hausfriedensbruch bzw. der nächtlichen Ruhestörung in strafrechtlicher Hinsicht wirklich um eine Bagatelle gehandelt habe.
Anders sah es  der Staatsanwalt. Auch er bezeichnete das neue Delikt des Angeklagten als nicht so absolut schwerwiegend, verwies aber gleichzeitig auf dessen Vorstrafen und die Tatsache, dass er unter Bewährung stand. Deshalb sah er keine Möglichkeit, die drohende Freiheitsstrafe noch einmal auszusetzen,. Dem schloss sich das Jugendschöffengericht schließlich in der Urteilsfindung an. Wenn man den ganzen Tag nur herumhänge, ohne seine Pflichten zu erfüllen, die vom Gericht oder anderen Stellen verlangt würden, könne man nun nicht mehr Milde walten, sagte Dr. Maaß in der Urteilsbegründung. Und schloss mit der Feststellung: „Jetzt reicht es uns!“

     

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