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Sexueller Missbrauch eines Kindes wurde einem 49jährigen Zittauer vom Amtsgericht der Großen Kreisstadt zur Last gelegt. Laut Anklage soll dieser vor etwa drei Jahren einen damals 13jährigen Jungen in seiner Wohnung unterhalb der Gürtellinie berührt haben. Dieser sei aber geflohen, bevor es zu einer Berührung des Geschlechtsteils kam. Der lange Zeitraum von der Tat bis zur Hauptverhandlung habe sich daraus ergeben, dass der Junge so lange schwieg und sich erst kürzlich dem Vertrauenslehrer seiner Schule im Gespräch anvertraute. Der Angeklagte bestritt den Vorwurf energisch.

Er kenne den inzwischen 16jährigen überhaupt nicht und habe ihn nie gesehen geschweige denn in seiner Wohnung gehabt, erklärte er.
Der vermeintlich Geschädigte hatte ausgesagt, dass er mit einem Freund gemeinsam beim Angeklagten war. Man habe dort am Computer gespielt. Als der andere zur Toilette ging, sei es dann passiert. Das alles stand allerdings im Widerspruch zu den Aussagen des zweiten Jugendlichen, der versicherte, nie mit dem Belastungszeugen gemeinsam in der Wohnung des Angeklagten gewesen zu sein. Er selbst schon, aber immer allein. Auch der Angeklagte gab zu, Kontakte zu dem zweiten Zeugen gehabt zu haben, diese seien aber nur freundschaftlicher, nicht sexueller Natur gewesen.

Widersprüchlich waren nicht nur die Aussagen der beiden Jungen, sondern auch die von ihnen auf Bitten des Vorsitzenden unabhängig angefertigten Skizzen über die Wohnung des Angeklagten. Hier gab es wesentliche Abweichungen. So komme man nicht weiter stellte das Gericht unter Vorsitz von Richter Müller fest. Man müsse unbedingt diesen Pädagogen hören. Vielleicht könne das etwas Licht in die Sache bringen könnte. Deshalb wurde die Hauptverhandlung im gegenseitigen Einvernehmen erst einmal vertagt.

So begann dann auch der zweite Verhandlungstag. In dem bereits erwähnten Gespräch sei es gar nicht um den Kläger, sondern dessen angeblichen damaligen Begleiter gegangen, sagte der Lehrer. Dieser sei über Jahre hinweg auffällig gewesen. Er fehlte im Unterricht sehr oft – nicht nur stunden- sondern manchmal auch tagelang. Als der Geschädigte schließlich auf Drängen eines weiteren Jungen von dem Vorfall erzählte, habe er schon den Eindruck gehabt, dass dieser die Wahrheit sage. Das treffe allerdings auf den anderen, im Allgemeinen recht verschlossenen und verschüchterten Schüler ebenso zu. Der hatte nachweislich schon in der Vergangenheit Kontakte zu älteren Männern.

Interessant war auch die Aussage des nächsten Zeugen. Dabei handelte es sich um einen Zittauer Polizeibeamten. Er war mit dem Belastungszeugen noch einmal den damaligen Weg per Fuß abgegangen. Es sei kreuz und quer durch die Stadt gegangen, teilweise fast im Widerspruch zum eigentlichen Ziel, erklärte er. Als sie an dem entsprechenden Haus ankamen, habe er ihn dann weg geschickt und sei allein hinein gegangen. Er habe sich alle Räumlichkeiten angesehen und Fotos gemacht, die nun dem Gericht vorlagen. Übrigens hatte der Geschädigte auch bei der Polizei eine Skizze der Wohnung gemacht, die ebenso nicht der Realität entsprach, wie die am ersten Verhandlungstag. Der genaue Weg sei ihm erst unterwegs mit dem Polizisten wieder eingefallen, erklärte der Hauptbelastungszeuge, der nun noch einmal vernommen wurde. Ausschlaggebend war auch ein Hinweis seiner Mutter. Im Gegensatz zu ihm hatte sie ja die ganze Hauptverhandlung verfolgen können. Als beide vor einigen Tagen im Kaufland an der Christian-Keimann-Straße waren, habe sie zu ihm gesagt, dass es ja hier in der Nähe gewesen sein müsse.

Wie bereits am ersten Verhandlungstag gab es immer wieder Aussagen, die einfach nicht stimmig waren. Teilweise standen sie sogar mit dem vor einer Woche Ausgesagten im Widerspruch. An dieser Stelle erklärte der Verteidiger, sein Mandant habe in den letzten Tagen noch ein Gespräch mit dem zweiten Jungen geführt. Dabei vertraute er ihm angeblich an, der Geschädigte drohte mit Prügeln, wenn er bei einer neuen Vernehmung seine Aussagen bestätigen würde.

Im gegenseitigen Einvernehmen verzichtete man darauf, den Jugendlichen erneut als Zeugen zu vernehmen. Inzwischen war nämlich klar, dass aufgrund der widersprüchlichen Angaben des Belastungszeugen, der entgegengesetzten Aussagen des zweiten und des Widerspruchs des Angeklagten, die belastenden Fakten für dessen Verurteilung nicht ausreichen würden. Die Beweisaufnahme endete mit der Feststellung, dass dieser laut Auszug aus dem Bundeszentralregister noch ein unbeschriebenes Blatt war. Sowohl die Staatsanwältin als auch der Verteidiger trugen in ihrem Plädoyer dem Ergebnis der zweitägigen Hauptverhandlung Rechnung, indem sie Freispruch beantragten. Dem schloss sich das Gericht an. Allerdings bemerkte Richter Müller in der Urteilsbegründung, man könne dem Belastungszeugen ebenfalls nicht mit Sicherheit nachweisen, dass er gelogen habe. Doch es gelte noch immer der Grundsatz: „In dubio pro reo – Im Zweifel für den Angeklagten“.

      

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