1RechtSoLogoFahrlässige Körperverletzung und unerlaubtes Entfernen vom Unfallort legte der Strafrichter am Amtsgericht Zittau dem 62jährigen Frührentner Hermann X. aus Bertsdorf-Hörnitz zur Last. Laut Anklage soll der nebenberuflich als Taxifahrer arbeitende Angeklagte am 26. Dezember 2011, gegen 4:40 Uhr, zwei junge, ziemlich stark betrunkene Männer von Zittau zum Ortsteil Wittgendorf gefahren haben.
Als der erste ausstieg, stellte sich heraus, dass er nicht bezahlen konnte. Sein Freund saß noch im mit einer Schiebetür verschlossenen Raum hinten. Während auch er ausstieg, fuhr das Taxi plötzlich los. Die Folge war, dass der 30jährige auf das Pflaster klatschte und sich eine schwere Kopfverletzung zuzog.

 Ohne sich davon zu überzeugen, was dann nun wirklich passierte und welche Folgen es hatte, fuhr der Angeklagte einfach los, um der Polizei den Vorfall, aber nicht den damit verbundenen Unfall zu melden. Inzwischen war der Freund des Geschädigten wohl zumindest soweit klar, dass er den Notruf alarmieren konnte.

Der besinnungslose junge Mann wurde in die Klinik gebracht und aufgrund des diagnostizierten Schädel-Hirn-Traumas auf die Intensiv-Station eingeliefert. Dort verbrachte er die Zeit bis über den Jahreswechsel. Auch die Nachbehandlungen dauerten so lange, dass er bis zum 18.April 2012 laut ärztlichem Attest arbeitsunfähig war.
Er habe ja den zweiten Fahrgast nur mit zur Polizei bringen wollen, um an sein Geld zu kommen, versicherte der Angeklagte. Das dieser durch die Schiebetür abgehauen sei und sich dabei derart schwer verletzte, habe er nicht mitbekommen.

iel war aus den Aussagen der beiden an diesem tragischen Vorfall beteiligten jungen Männern nicht zu erfahren, da sie eben - sicher berechtigt - immer darauf hinwiesen, dass sie doch sehr betrunken waren.
Bereits vor dem Vortrag der offiziellen Plädoyers forderte der Verteidiger den unbedingten Freispruch seines Mandanten. Man könne ihm keinerlei strafbares Verhalten nachweisen, sagte er. Außerdem verwies er auf die 20jährige Tätigkeit des Angeklagten als Taxi-Fahrer, seine makellosen Auszüge aus dem Bundeszentralregister und dem Bundesverkehrsregister.

All das aber konnte den Staatsanwalt nicht überzeugen. Er hielt den Angeklagten nach wie vor für schuldig - und zwar erstens der fahrlässigen Körperverletzung und zweitens des unerlaubten Verlassens des Unfallortes. Unter Abwägung aller im Laufe der Hauptverhandlung vorgebrachten Fakten stellte er den Antrag, den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 30 Euro zu verurteilen.

Wie zu erwarten, blieb der Verteidiger bei seinem Antrag auf Freispruch. Am Ende entschied Richter Lakomy als Vorsitzender, dass der Angeklagte schuldig gewesen sei. Doch er fällte ein äußerst moderates Urteil - sechs Tagessätze in Höhe von 30 Euro.

{loadnavigation}

Share Button