Recht  soGleich zwei Anklageschriften waren der Grund dafür, dass sich der 28jährige Löbauer Maik H.  vor dem Strafrichter an der hiesigen Zweigstelle des Amtsgerichts verantworten musste.
Im November 2011 soll er einer Frau in Oderwitz die Geldbörse samt der darin befindlichen Girokarte gestohlen haben. Innerhalb weniger Tage tätigte er damit an verschiedenen Automaten der Sparkasse und der Volksbank zwölf Abhebungen und erbeutete so einen Gesamtbetrag von 3.500 Euro.

Den Diebstahl habe er nicht begangen, sondern sein Kumpel, äußerte der Angeklagte. Der habe gewusst, wo sich die Geldbörse befindet, denn bei der Geschädigten handelte es sich um die Oma seiner Freundin. Die unberechtigten Geldtransaktionen allerdings räumte er ein. Er sei immer zu den Automaten gegangen, während der andere im Auto wartete und das Geschehen ringsum im Auge behielt. Die Beute wurde dann schließlich geteilt.

Zweiter Anklagepunkt war eine Drogenfahrt. Der Angeklagte sei in den frühen Morgenstunden des 4. November vergangenen Jahres nach einer wilden Verfolgungsjagd im Herrnhuter Ortsteil Ruppersdorf mit seinem Pkw gegen ein Baufahrzeug geprallt. Bei der Kontrolle stellte die Polizei fest, dass er unter dem Einfluss von Drogen stand. Außerdem trug das Auto amtliche Kennzeichen, die nicht dafür ausgegeben waren. Dazu erklärte der Angeklagte, er sei gar nicht selbst gefahren, sondern ein Kumpel aus Hirschfelde. Der sei aber bei dem Crash mitsamt seines Hundes sofort vom Unfallort geflüchtet. Zu diesem Tatvorwurf hörte das Gericht unter Vorsitz von Dr. Holger Maaß die damals im Einsatz befindliche Polizeibeamtin.

Als sie in jener Nacht mit einem Kollegen auf Streifenfahrt war, sei ihnen im Raum Großhennersdorf ein verdächtiger Pkw entgegen gekommen. Als er das Polizeifahrzeug erkannte, habe der Fahrer sofort gewendet und sei geflüchtet. Bei der Verfolgung durch die Lindenallee habe man aber das Kennzeichen feststellen können. Weiter ging die rasante Fahrt vorbei am "Eulkretscham" in Richtung Herrnhut. Dann bog der Pkw nach links in Richtung Ruppersdorf ab. An einer scharfen Kurve Richtung Obercunnersdorf verlor der Fahrer offensichtlich die Gewalt über das Auto und raste in die Baustelle. Der Funkstreifenwagen befand sich nur etwa 20 Meter dahinter. Sie habe keine flüchtige Person wahrgenommen, versicherte die Beamtin.

Der verdächtige Auto war verschlossen, und der Angeklagte habe auf der Beifahrerseite gesessen. Trotz des nassen, aufgeweichten Bodens habe es keinerlei Fußspuren einer zweiten Person gegeben. Allerdings lagen im Inneren des Wagens Personaldokument des Hirschfelders, den der Angeklagte als tatsächlichen Fahrer angegeben hatte.

Den müsse man unbedingt anhören, entschieden Richter und Staatsanwalt übereinstimmend. So gab es nun einen zweiten Verhandlungstag, eben jenen angeblich geflohenen Fahrer, als Zeugen. Allerdings berief sich dieser - ebenfalls dem Gericht nicht unbekannter junge Mann - bereits unmittelbar nach der Belehrung durch den Vorsitzenden auf sein Zeugnisverweigerungsrecht, um sich nicht selbst einer Straftat bezichtigen zu müssen. Andererseits beharrte auch der Angeklagte weiter auf seiner Darstellung. Es sah also ganz so aus, dass man ihm, trotz aller berechtigten Zweifel, die Schuld in dieser Sache nicht würde nachweisen können.

Das war auch die Meinung des Staatsanwalts. Bezüglich des gemeinschaftlichen Diebstahls der EC-Karte und des anschließenden zwölfmaligen Computerbetrugs sei der Angeklagte geständig gewesen, sagte er. Dabei habe er gewerbsmäßig gehandelt. Deshalb beantragte er eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, ausgesetzt zur Bewährung von vier Jahren. Im zweiten Anklagepunkt plädierte er dafür, den Angeklagten frei zu sprechen.

Er habe dem nur wenig hinzu zu setzen, erklärte Rechtsanwalt David als Verteidiger. Er halte das vorgeschlagene Strafmaß ebenfalls für angemessen. Damit komme sein Mandant wohl noch relativ gut weg. Das Urteil entsprach im wesentlichen diesen Vorschlägen, außer dass die Bewährungszeit nur drei Jahre beträgt.

Im Hinblick auf den Freispruch verkündete Richter Dr. Maaß den Beschluss, dass der vorläufige Entzug der Fahrerlaubnis mit sofortiger Wirkung aufgehoben wird. Er überreichte diese auch sofort wieder ihrem Besitzer. Da alle Prozessparteien ihren Verzicht auf Rechtsmittel erklärten, ist das Urteil bereits rechtskräftig. 

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