RechtSoLogoHausfriedensbruch legte der Staatsanwalt der 31jährigen Löbauerin Janine S. zur Last. Dahinter verbarg sich aber, wie aus den beiden von ihm verlesenen Anklageschriften hervorging noch etwas mehr, fast eine Tragödie. Daraus ging sinngemäß folgender Sachverhalt hervor:

In der Zeit vom 8. November 2012 bis 2. Januar 2013 hatte die junge Frau – trotz schon länger bestehenden Hausverbots – 15 Mal die EDEKA- Filiale an der Löbauer Sachsenstraße betreten und war dort sieben Mal beim versuchten Diebstahl geschnappt worden.

Meist handelte es sich um geringfügige Waren, fünf Flaschen Bier, Zigaretten, oder auch mitunter eine Flasche Schnaps, die etwas teurer war.

Für den vorsitzenden Richter, Dr. Holger Maaß, war sie längst keine Unbekannte mehr. Er hatte anfangs sogar vermutet, sie werde trotz ordnungs- und fristgemäßer Ladung gar nicht erscheinen, da sie aufgrund ihres jahrelangen Drogenkonsums – vor allem Crystal – doch erhebliche Gedächtnislücken hatte. So sagte sie auch diesmal ziemlich kleinlaut, es werde wohl alles so gewesen sein, wie es der Staatsanwalt ausgeführt hatte, aber sie könne sich im Einzelnen nicht mehr daran erinnern. Auch wisse sie nicht, warum sie das überhaupt gemacht hat.

Es sei gegen die Angeklagte noch ein weiteres Verfahren anhängig, welches aber aufgrund der Schwere vom Schöffengericht verhandelt werden müsse, informierte der Richter. Dabei handelte es sich um räuberischen Ladendiebstahl mit Gewaltanwendung in fünf oder sechs Fällen. Die entsprechende Hauptverhandlung werde vermutlich in sechs bis acht Wochen stattfinden.

Aus dem Bundeszentralregister ging hervor, dass die Angeklagte bereits fünfmal per Strafbefehl zu Geldstrafen verurteilt wurde. Eine davon hatte sie abgesessen, weil sie nicht zahlungsfähig war. Die Delikte waren immer wieder Diebstahl, illegaler Drogenbesitz und Körperverletzung.

Für den Staatsanwalt war die Sache aufgrund des Geständnisses klar. Er wies die Angeklagte noch einmal nachdrücklich darauf hin, dass speziell im Löbauer EDEKA das Personal sofort registriert, wenn sie dort auftaucht. Er glaube, es werde bald in der ganzen Stadt keinen Supermarkt mehr geben, wo sie normal einkaufen kann. Er glaube auch nicht an ihre Beteuerung, sie könne ihr Leben selbst in den Griff bekommen. Eine positive Prognose sei aus seiner Sicht jedenfalls nicht zu erkennen. Deshalb beantragte er eine Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung.

Nicht ganz so hart sah es die Verteidigerin. Immerhin habe es sich bei den Taten ihrer Mandantin meist um Bagatellfälle gehandelt, die sich allerdings in einem relativ kurzen Zeitraum häuften. Sie beantragte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die man doch noch zur Bewährung aussetzen könnte.

Das Urteil lautete schließlich zehn Monate auf Bewährung. Dabei verwies Dr. Maaß auf den nun ausstehenden Prozess vor dem Schöffengericht. Bei dessen Ausgang werde dann auf jeden Fall das jetzt gefällte Urteil in die Gesamtstrafe mit einbezogen.

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