1RechtSoLogoWegen gefährlicher Körperverletzung hatten sich der 27jährige Eric P. und sein einige Jahre jüngerer Kumpel Dennis S. aus Löbau vor der zuständigen Zweigstelle des Amtsgerichts zu verantworten.
Aus der von Staatsanwalt Till Neumann verlesenen Anklageschrift konnte man sinngemäß entnehmen, dass die beiden Männer im Februar diesen Jahres gegen 22:13 Uhr einen Mitmieter ihres Wohnhauses aufgesucht, getreten und geschlagen sowie mit einer im Verlaufe dieser körperlichen Auseinandersetzung heraus gerissenen Falttür misshandelt hatten.

Der Geschädigte trug dabei erhebliche Wunden davon. Allerdings wurde bei der Anklage vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs abgesehen, da auch die beiden Angeklagten hier wohnten.

Er sei selbst zuerst angegriffen worden, beteuerte Eric P. Es sei ihm darum gegangen, die Gerüchte zu klären, welche der Geschädigte in der Stadt verbreitete. Dieser habe behauptet, einer oder beide seien Mietschuldner. Als er nach oben kam, war Dennis S. schon da. Man habe geklingelt, und der Wohnungsinhaber ließ sie ein. Als er hörte, um was es ging, habe er in seinem Suff sofort zugeschlagen, allerdings keinen der beiden getroffen. Da er selbst ebenfalls alkoholisiert war, schlug er sofort mehrere Male zurück. So schilderte es auch der Dennis S. Er sei dazwischen gegangen und habe nur ein einziges Mal zugeschlagen, um den Streit zu beenden. Die erwähnte Falttür sei bei dieser Rangelei einfach aus der Verankerung gerissen worden, und er habe sie in die Ecke gelegt, ohne sie als Waffe zu benutzen.

Er könne sich an den genauen Sachverhalt gar nicht mehr erinnern, erklärte der Geschädigte im Zeugenstand. Sowohl für dem Vorsitzenden, Dr. Holger Maaß, als auch Staatsanwalt Till Neumann erschien das etwas ungewöhnlich, da die Geschichte ja nun gerade mal acht Monate her war und einem so etwas schließlich nicht alle Tage passiert. Immerhin gab er zu, mehreren Bekannten in der Stadt von den angeblichen Mietschulden seiner Mitbewohner erzählt zu haben. Diese Informationen bekam er angeblich vom in Bautzen wohnenden Vermieter. Als dann die Angeklagten so spät am Abend vor seiner Tür standen und ihn zur Rede stellten, habe er überhaupt keine Chance gehabt, erklärte der 51jährige. Die hätten ihn in seine Wohnung gedrängt. Als er versuchte, sich zu verteidigen, schlugen sie zu. Alles sei aber innerhalb von zehn Minuten vorbei gewesen. Am nächsten Tag ging er zur Polizei, suchte aber keinen Arzt auf. Doch die von den Beamten gemachten Fotos zeigten schon, dass es recht blutig zugegangen sein muss.

Die Bezeichnung „unbeschriebenes Blatt“ traf auf keinen der beiden Angeklagten zu. Während die Jugendstrafen des älteren, inzwischen erwachsenen Eric P. im Bundeszentralregister nun nicht mehr auftauchten, sondern nur noch eine Körperverletzung von 2011, standen bei dem jüngeren noch fünf Einträge zu Buche – Sachbeschädigung, Diebstähle, gefährliche Körperverletzung. Er hatte bereits zweimal mit den Mauern der Jugendstrafanstalt bzw. der JVA Bekanntschaft schließen dürfen. Dementsprechend war auch zu erwarten, dass ihn die härtere Strafe treffen würde.

Beide Angeklagte seien zwar im Wesentlichen geständig, aber andererseits einschlägig vorbestraft, erklärte Staatsanwalt Neumann. Von einem minder schweren Fall könne er nach Prüfung der Sachlage nicht ausgehen. So forderte er für Eric P. eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten und für Dennis S. ein Jahr. Beides könne man zur Bewährung aussetzen, schlug er vor. In diesem Zusammenhang beantragte er weitere Auflagen zur Zahlung von 300 bzw. 1.200 Euro an gemeinnützige Einrichtungen.

Es gebe dem wohl nicht viel hinzuzusetzen, erklärte Richter Maaß, der zuvor das Urteil verkündet hatte. Dieses entsprach erwartungsgemäß dem Antrag des Staatsanwalts. Lediglich bei der Höhe der Geldauflage ging das Gericht von den geforderten 1.200 für Dennis S. auf 900 Euro zurück. Dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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