Eigentlich hätte neben dem 24-jährigen Löbauer Robert K. 1RechtSoLogo
auch seine 31-jährige vermeintliche Komplizin Janine S. auf der Anklagebank sitzen sollen, doch diese glänzte durch Abwesenheit. Beide sollten sich vor dem Löbauer Schöffengericht wegen räuberischem Diebstahl verantworten. Dazu hieß es sinngemäß in der Anklageschrift: Beide werden beschuldigt, im Juni vergangenen Jahres, gegen 22 Uhr, einen gemeinsamen Bekannten in dessen Wohnung aufgesucht, ihn geschlagen und diverse Gegenstände wie eine Stereoanlage, ein Handy und verschiedene Lebensmittel gestohlen zu haben. Außerdem habe der anwesende Angeklagte laut einer zweiten Anklageschrift im März vergangenen Jahres an der Bushaltestelle in der Löbauer Mozartstraße einen Bekannten mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Zudem habe er ihn am selben Abend mit einem Messer bedroht und geäußert, wenn er näher komme, würde er ihn abstechen.


Den Vorfall in dieser Form habe es nie gegeben, erklärte Robert K. Er räumte allerdings ein, sich in der Vergangenheit schon hin und wieder in der bewussten Wohnung mit Duldung des Mieters aufgehalten zu haben. An diesem Tag war neben der nicht erschienenen Janine S. auch noch ein dem Gericht wohlbekannter junger Mann namens Fernando K. am Ort der Handlung gewesen. Diese beiden hätten sich in die Wohnung begeben, während er selbst mit seinem Hund unten wartete. Was oben passierte, wisse er nicht mehr.

Weit weniger aufregend schilderte der "Geschädigte" selbst den Sachverhalt. Der Angeklagte habe sich lediglich ein paar technische Geräte bei ihm ausgeliehen, sagte er aus. Das sei nichts Besonderes. Er helfe guten Bekannten oft auf diese Weise aus. Nach etwa einem Vierteljahr brachte er diese zurück. Das sei eine völlig freiwillige Sache gewesen. Eine Bedrohung oder körperliche Auseinandersetzung habe es deshalb nie gegeben. Auf ausdrückliche Rückfrage seitens des Staatsanwalts und des Vorsitzenden des Schöffengerichts, Holger Maaß, bestätigte er erneut, er verleihe oft derartige Dinge an gute Kumpels.

Etwas verwirrend war auch die Behandlung der Anklagepunkte zwei und drei. Der offensichtlich Geschädigte aus dieser Strafsache war ebenfalls nicht erschienen. Sein als Zeuge benannter Bruder sagte aus, er kenne weder dessen Aufenthaltsort, noch wisse er, wie er ihn überhaupt erreichen könne. An den bewussten Abend könne er sich schon erinnern, sagte er. Der Angeklagte habe vor seiner Haustür gestanden und einen messerähnlichen Gegenstand in der Hand gehalten. Zu einer körperlichen Auseinandersetzung oder sonstigen Konfrontation kam es aber nicht. An diesem Punkt regte der Vorsitzender an, die Anklage zum ersten Punkt, nicht zuletzt in Folge der Aussagen des "Geschädigten", einzustellen und sich auf die Körperverletzung und Bedrohung zu beschränken. Es erging ein entsprechender Beschluss.

Die Körperverletzung an der Bushaltestelle habe der Angeklagte eingeräumt, erklärte der Staatsanwalt in seinem Schlussvortrag. Auch die abendliche Bedrohung erscheine glaubhaft. Da der unter Bewährung stehende Angeklagte bereits einschlägig vorbestraft sei, komme eine Geldstrafe nicht mehr in Betracht. Deshalb beantragte er eine Freiheitsstrafe von vier Monaten und zwei Wochen, die man ausnahmsweise noch einmal zur Bewährung aussetzen könne. Obwohl der Verteidiger für eine Geldstrafe von etwa 90 Tagessätzen plädierte, schloss sich das Gericht am Ende dem Antrag des Staatsanwalts an. Die Bewährungszeit für die angedrohte Freiheitsstrafe beträgt vier Jahre. Außerdem wurde per Gerichtsbeschluss die Dauer der gegenwärtig laufenden Bewährung um ein Jahr verlängert.

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