Es war wieder eine der Hauptverhandlungen an der 1RechtSoLogoLöbauer Zweigstelle des Amtsgerichts Zittau, die von Beginn an anders verliefen, als vorgesehen. Da saß eine junge Frau, die fast noch an einen Teenager erinnerte, auf der Seite der Angeklagten. Das in Ebersbach-Neugersdorf mittlerweile getrennt lebendes Ehepaar Silvia und Peter M. war der gemeinschaftlichen Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Unmittelbar vor Prozessbeginn aber hatte der (Noch)Ehemann per Telefon mitgeteilt, er könne nicht kommen, da er sich um sein kleines krankes Kind kümmern müsse.

Auch einer der insgesamt acht geladenen Zeugen fehlte - ohne Begründung. Richter Holger Maaß und Staatsanwalt Till Neumann entschieden, sich darum nach Abschluss der eigentlichen Verhandlung zu kümmern. Da saß also nun - mit dem Ausdruck und Benehmen eines trotzigen jungen Mädchens - allein die 25-jährige Ehefrau, gegen die übrigens auch noch eine zweite Anklageschrift vorlag. Diese Haltung kam auch im weiteren Verlauf mehrfach zum Ausdruck.

Doch zur Sache. Im Dezember vergangenen Jahres habe das im Ortsteil Neugersdorf wohnende Ehepaar festgestellt, dass bei dem Fahrrad der Angeklagten die Reifen zerstochen waren. Man kam zu dem Schluss, das könne nur der Mieter unter ihnen gewesen sein. Einige Tage später bei einem Trinkgelage mit zwei bereits als Haupttätern in dieser Sache abgeurteilten Kumpanen, kam man unter Einfluss des Alkohols, wobei auch der Genuss von Betäubungsmitteln eine Rolle spielte, zu dem Entschluss, den vermeintlichen Täter zur Rede zu stellen. Während das Ehepaar sich im Hintergrund hielt, klingelten die beiden Haupttäter und schlugen, als sich die Tür öffnete sofort zu. Außerdem wurde der inzwischen zu Boden gegangene Geschädigte auch noch getreten.

Sie habe nie jemand angestiftet, erklärte die Angeklagte unwirsch. Doch bei der Sache mit dem Fahrrad könne es sich einfach nur um jemand aus dem Haus gehandelt haben. Das liegt nahe, wenn man weiß, das dort Streitereien und Besuche der Polizei an der Tagesordnung sind. Aber genau habe sie, auf der Treppe stehend, nicht mitbekommen, wie sich das alles genau abspielte. Das deckte sich in etwa mit den Angaben des Geschädigten, der auch aussagte, das Ehepaar sei nicht aktiv beteiligt gewesen. Aber auch er bestätigte, dass Unruhen unter den Bewohnern dieses Mehrfamilienhauses an der Tagesordnung seien. Erst seit die Angeklagte auszog, wurde es etwas ruhiger.

Zum zweiten Anklagepunkt. Im September vergangenen Jahres rief Silvia M. über den Notruf die Polizei, weil angeblich die minderjährigen Kinder einer Mitbewohnerin längere Zeit unbeabsichtigt in der Wohnung allein gelassen wurden, während sich die Mutter herumtreibe. Wie sich aber herausstellte, war diese nur eine Etage tiefer bei einer neuen Mieterin und ging alle 30 Minuten hinauf, um nach ihren Kindern zu sehen.

Nach nochmaliger Anhörung aller Parteien beschloss das Gericht, das Verfahren im ersten Punkt einzustellen. Im zweiten Punkt gab der Staatsanwalt zu bedenken, dass die Angeklagte zwar den Missbrauch des Notrufs eingeräumt hatte, aber bereits wegen eines solchen Delikts vorbestraft war. Er beantragte eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen in Höhe von zwölf Euro. Dem schloss sich das Gericht an. Gegen den nicht erschienen Zeugen wird ein Ordnungsgeld von 150 Euro verhängt. Der nicht erschienene Ehemann erhält einen Strafbefehl wegen Beihilfe zur Körperverletzung über eine Geldstrafe in Höhe von 100 Tagessätzen in Höhe von 15 Euro.

 

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