1RechtSoLogoWegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung hatten sich ein 27-jährige Löbauer und sein inzwischen im Schweizer Kanton Graubünden lebender 30-jähriger Bruder an der zuständigen Zweigstelle des Amtsgerichts Zittau zu verantworten. Dazu hieß es sinngemäß in der Anklageschrift:

In den späten Abendstunden des 2. Juni 2011 (Christi Himmelfahrt) fand im Dürrhennersdorfer Park eine zünftige, feuchtfröhliche Männertagsfeier statt, bei der auch die beiden Angeklagten anwesend waren. Dabei schlug der Jüngere völlig grundlos auf einen anderen Besucher ein, und als dieser zu Boden ging, wurde er noch mit Fußtritten traktiert. Der Bruder beteiligte sich nicht aktiv an dieser körperlichen Auseinandersetzung, sondern er verhinderte das Eingreifen weiterer Personen und habe sich somit zumindest der Beihilfe schuldig gemacht, hieß es.

 

Ja, er habe den Geschädigten geschlagen, räumte der erste Beschuldigte ein, vielleicht habe er ihn auch getreten. So genau könne er sich daran nicht mehr erinnern. Er wisse auch überhaupt nicht mehr, warum es eigentlich zu dieser Schlägerei kam. Man könne sich eben einfach nicht leiden. Der Alkoholgenuss tat wohl ein Übriges.

Zuerst sei er von dem Schläger angepöbelt worden, sagte der Geschädigte aus. Dieser zog wieder ab, kam aber kurz danach mit mehreren anderen - laut Aussagen der Zeugen - überfallartig zurück und schlug sofort auf ihn ein. Dabei erlitt er eine Nasen- und Mittelgesichtsfraktur, infolgedessen er sechs Wochen krank geschrieben war. So schilderte es auch sein ebenfalle anwesender Bruder. Er habe zwar helfen wollen, wurde aber vom zweiten Angeklagten blockiert. Es sei alles sehr schnell gegangen. Insgesamt stimmte das in etwa mit den Aussagen der weiteren Zeugen überein.

Das Gericht habe den Sachverhalt umfassend beleuchtet, stellte Staatsanwalt Till Neumann am Ende der Beweisaufnahme fest. Neben dem Geständnis des Haupttäters hätten die Aussagen der Zeugen die Schuld der beiden Angeklagten bewiesen. Man müsse aber berücksichtigen, dass sie bisher noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sind. Er beantragte für den ersten, aktiveren eine Freiheitsstrafe von elf Monaten, ausgesetzt zur Bewährung auf zwei und ein halbes Jahr. Als Auflage solle dieser 2000 Euro an den Geschädigten zahlen. Für den anderen Bruder sah er eine Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen zu 60 Euro als angemessen.

Wie erwartet, versuchten die beiden Verteidiger noch das Beste für ihre Mandanten herauszuholen. Der Erste berief sich auf das Geständnis und den hohen Alkoholspiegel aller Beteiligten, denn auch der Geschädigte hatte 1,9 Promille intus. Er beantragte eine Bewährungsstrafe von neun Monaten. Eine Geldauflage sah er als Doppelbelastung an. Er könne nicht erkennen, dass sein Mandant irgendeine strafbare Handlung begangen habe, erklärte der zweite Anwalt. Dieser habe die Auseinandersetzung weder gewollt noch voraussehen können. Deshalb sei er freizusprechen.

Für das Gericht unter Vorsitz von Holger Maaß war die Einschätzung des Staatsanwalts wohl wahrscheinlicher. Es verurteilte den ersten Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten, ausgesetzt zur Bewährung auf zwei Jahre und sechs Monate. Als Auflage hat er in monatlichen Raten insgesamt 2000 Euro an den Geschädigten zu zahlen. Der zweite Angeklagte erhielt eine Verwarnung mit der Androhung einer Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen zu je 50 Euro. Als Auflage hat er 1000 Euro an den Geschädigten zu zahlen. Erfolgt das nicht in der festgesetzten Frist, wird die angedrohte Geldstrafe wirksam.

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