GerichtsBerichtErstattung
Er kann es offenbar einfach nicht lassen. Nachdem der heute 19jährige Olbersdorfer Rico K. erst am 29. November vergangenen Jahres völlig unbegründet den bekannten Zittauer Stadthauptmann und Nachtwächter Jochen Kaminsky am Klosterplatz tätlich angegriffen hat, musste er sich nun schon wieder wegen eines solchen Gewaltdeliktes vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Löbau verantworten.

Wie immer versteckte er sich auch diesmal hinter dem Alkoholgenuss und seiner Hyperaktivität, was ihm aber inzwischen kaum, noch jemand glaubt. Ein Blutalkoholspiegel von 0,5 Promille reicht wohl kaum, um so auszurasten, wie es der Angeklagte am 26. April diesen Jahres, gegen 18:45 Uhr, vor der Kaufland-Filiale an der Zittauer Christian-Keimann-Straße tat. Wie schon so oft befand sich der – trotz seiner Jugend – bereits wegen ähnlicher Straftaten einschlägig vorbestrafte Angeklagte in trauter Runde vorm Eingangsbereich, wo genau wie bei anderen Supermärkten, ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass Alkoholgenuss auf dem gesamten Gelände untersagt ist. Die Wirkung derartiger Schilder ist leider hinlänglich bekannt.

Und das betrifft nicht nur jugendliche Trinker, gibt aber für diese ein offensichtlich nachahmenswertes Bild ab. Er habe gesehen, dass einer seiner Kumpels in der Runde einem Minderjährigen Alkohol gab, erklärte Rico K. am Beginn der Hauptverhandlung. Das habe ihn total aufgebracht. Der andere, sein guter Saufkumpan L., habe ihn ausgelacht und beleidigt. Da schlug er zu – mit der Faust ins Gesicht und auf den Kopf. Dann trat er ihn mit dem Knie in den Bauch, so dass dieser zu Boden ging. Nun hatte er sich also erneut wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu verantworten.

Er könne sich nach Alkoholgenuss einfach nicht steuern, räumte der Angeklagte wieder ein. Doch inzwischen habe er sich aber mit dem Geschädigten L. längst wieder ausgesöhnt. Der war selbst ordnungs- und fristgemäß als Hauptbelastungszeuge zur Verhandlung geladen, blieb dieser allerdings unentschuldigt fern. Daraufhin fasste das Gericht den Beschluss, ihm ein Ordnungsgeld von 100 Euro bzw. als Ersatz vier Tage Haft auf zu erlegen.

Den Tathergang bestätigte der Zeuge B, ein in Kasachstan geborener Jugendlicher aus einer Spätaussiedlerfamilie. Er wisse aber nicht genau, um was es bei dem Streit gegangen sei, räumte er ein. Jedenfalls sei tatsächlich ein Minderjähriger dabei gewesen.

Dass es sich bei dem Angeklagten keineswegs um ein unbeschriebenes Blatt handelte, zeigte der Auszug aus dem Bundeszentralregister, den Jugendrichter Dr. Holger Maaß als Vorsitzender der Hauptverhandlung verlas.

Seit 2005 standen da bereits neun Einträge zu Buche. Diebstahl, Sachbeschädigung, Bedrohung und immer wieder Gewaltdelikte waren die Ursachen für einschlägige Vorstrafen. Aufschlussreich war auch der Bericht der Vertreterin der Jugendgerichtshilfe.

Von frühester Kindheit an hatte Rico K. Gewalt und Alkoholismus in der Familie kennen gelernt, während es um seine Bildung und Erziehung mehr als dürftig bestellt war. In der Schule erlebte er mehrere Rückstufungen. Andererseits entzog er sich allen Betreuungsmaßnahmen, strolchte herum und machte nur, was ihm gefiel. Zu Lernbehinderung infolge verminderter Intelligenz kamen immer wieder Drohungen und Aggressivität gegenüber anderen Kindern und auch Erziehern. Charakteristisch für ihn ist nach wie vor die Sucht nach Alkohol. Bisherige Auflagen des Gerichts zur Suchtberatung erfüllte er nicht.

Für den Staatsanwalt hatte sich mit der Beweisaufnahme der Tatvorwurf bestätigt. Wenn man im letzten Verfahren gegen Rico K. noch ein bisschen Hoffnung hatte und deshalb eine Bewährungsstrafe aussprach, gehe er nun davon aus, dass es diese Möglichkeit nicht mehr gibt. Er hielt eine Jugendstrafe von neun Monaten für Tat und Schuld angemessen, ohne Bewährung. „Ich bin überzeugt davon, dass er die damit verbundenen Auflagen sowieso nicht erfüllen würde“, betonte er.

Dem Antrag schloss sich das Schöffengericht an, setzte aber die Entscheidung über Bewährung oder nicht auf sechs Monate aus. Eine letzte Chance für den jungen Mann, der nun durch regelmäßige Arbeit ohne Fehlstunden in den Zittauer Werkstätten und den Besuch eines sozialen Trainingskurses beweisen muss, dass er wenigstens aus dieser zehnten Verhandlung Lehren gezogen hat.

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