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Was weiß man eigentlich wirklich über das Leben, die Gefühle und Neigungen geistig Behinderter? Reichlich wenig, obwohl sie uns gerade im Altkreis Löbau-Zittau, etwa in Herrnhut, Großhennersdorf und Zittau doch relativ oft begegnen. Auch sie haben das Bedürfnis nach Liebe, Zuneigung und natürlich auch sexueller Erfüllung.


Da gibt es Glücksfälle, wie z. B. das von Erwin Danker als Leiter der Zittauer "Fun Singers" auch mit betreute "Schleifermännchen und Schleiferlienchen"-Paar. Dass so etwas aber nicht überall funktioniert, zeigt die eigentlich recht traurige Angelegenheit, über die dieser Tage das Jugendschöffengericht beim Amtsgericht Löbau zu befinden hatte. Sexuelle Nötigung warf der Staatsanwalt dem 27jährigen geistig behinderten Manuel B. vor.

Und in der Tat ist es zwischen Februar und April 2008 tatsächlich zu drei derartigen Zwischenfällen im Wohnheim der Herrnhuter Diakonie und einmal sogar in der Werkstatt gekommen. Das räumte der Angeklagte gleich zu Beginn der Hauptverhandlung mit seinen einfachen Worten ein. Ziel seiner sexuellen Aktivitäten war in allen von der Staatsanwaltschaft angeführten Fällen ein 17jähriger, ebenfalls behinderter Mitbewohner. Mehrfach hatte ihn der Ältere gewaltsam zu sexuellen Aktivitäten gedrängt, bzw. sich an ihm selbst befriedigt. Verständlicherweise wird an dieser Stelle auf eine ausführliche Schilderung dieser Straftaten verzichtet.


Da der Geschädigte selbst im Moment an einer ernsteren Verletzung in folge eines Unfalles leidet, konnte er nicht als Zeuge auftreten. Das war allerdings durch das umfangreiche Geständnis des Angeklagten auch nicht mehr dringend notwendig.


"Die Jungs scheinen das aber gar nicht so schlimm zu empfinden", sagte der Wohngruppenleiter, "die spielen ja schon wieder gemeinsam Fußball." Das ist natürlich weder eine Entschuldigung, noch macht es das Geschehene ungeschehen. Zumal ging  die Geschichte der Mutter des Opfers offensichtlich noch viel näher als diesem selbst. Vor allem sei sie enttäuscht darüber, dass sich so lange nichts im Wohnheim getan hat, obwohl ihr Sohn nach seinen eigenen Erzählungen den Betreuern von den Übergriffen des B. berichtet habe, erzählte sie in einer Verhandlungspause. Erst als er nicht mehr weiter wusste, vertraute er sich schließlich seiner Mutter an. Doch selbst als sie sich an das Wohnheim wandte, kam von dort keine Reaktion.


Schließlich wusste sie sich schließlich keinen anderen Rat mehr, als zur Polizei zu gehen und den Sachverhalt zur Anzeige zu bringen. Was folgte war eine genaue Untersuchung des Angeklagten, die natürlich seine verminderte Schuldfähigkeit aufgrund angeborener Intelligenzdefizite bestätigte. Im juristischen Sinne könne man das schon als Schwachsinn bezeichnen, schlussfolgerte Dr. Holger Maaß als Vorsitzender.


Daraus resultierte eine allgemeine Störung der Steuerungsfähigkeit seiner Handlungen, was sich selbstverständlich auch auf sein Sexualleben und die damit verbundenen Bedürfnisse auswirkte. Ein Lichtblick für den Staatsanwalt war, dass - sicher auch Dank der vermehrten Aufmerksamkeit des Personals - nun seit rund zwei Jahren nichts mehr vorgefallen ist. Trotzdem sei die Schuld natürlich nicht wegzuwischen, betonte er. Deshalb beantragte er, Manuel B. zu verwarnen und ihm gleichzeitig eine zur Bewährung ausgesetzte Geldstrafe zu erteilen. Dem schloss sich der Verteidiger, Anwalt Torsten Mengel, an.


Es bringe schließlich weder für seinen Mandanten noch für die Gesellschaft irgendeinen Nutzen, wolle man zu Höchststrafen greifen, plädierte er. Am Wende folgte das Jugendschöffengericht dem Antrag des Staatsanwaltes. Es sprach dem Angeklagten eine Verwarnung aus. Gleichzeitig verurteilte es ihn zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen á sechs Euro, ausgesetzt zu einer Bewährungszeit auf ein Jahr. Außerdem erging das Verbot, bestimmte Bereiche des Wohnheimes nicht mehr zu betreten, darunter natürlich in erster Linie das Zimmer des Geschädigten.

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