Im Namen des Volkes * 13.12.2010Es muss wohl ziemlich hart zugegangen sein an jenem 21. Februar kurz nach Mitternacht auf der Löbauer Mozartstraße. Gegen 1 Uhr soll der 26jährige Deutsch-Kasache Johann Ch. Gemeinsam mit seinem Bruder Roman ohne Grund mit Knüppeln oder einer Schaufel auf den Geschädigten Heinrich S., ebenfalls einen Spätaussiedler, eingeschlagen haben. Dieser erlitt bei der Attacke eine Kopfverletzung und war längere Zeit krank geschrieben.
Nach seinem Bruder, dessen Verfahren nach der Berufung der Verteidigung in zweiter Instanz vom Görlitzer Landgericht neu verhandelt werden muss, hatte sich nun also Johann Ch. vor dem Jugendrichter am Amtsgericht Löbau zu verantworten. Dessen Schilderung des Geschehens fiel erwartungsgemäß ganz anders aus.

Er sei in dieser Nacht auf dem Heimweg gewesen, sagte er, als ihn etwa fünf Personen, darunter die Brüder S., nach einer Zigarette gefragt hätten. Dann habe es plötzlich eine Rangelei gegeben. Er sei zu Boden gegangen und mit einem Stock geschlagen wurden. Am nächsten Tag traf er die beiden mit samt ihrer Mutter im Krankenhaus. Man habe vereinbart, keine Anzeige zu machen, da an allem der Wodka Schuld war. Daran hielten sich aber Heinrich und Viktor S. offensichtlich nicht. Auch während der Hauptverhandlung blieb der Geschädigte dabei, dass Johann Ch. ihn mit einem Spaten oder etwas ähnlichem angegriffen habe und dessen Bruder später auch mit zuschlug.
Diese Aussage bestätigte im Wesentlichen die Zeugin Oxana S., wenngleich sie einräumte, keinen der Angreifer zweifelsfrei erkannt zu haben. Es handele sich hier nach wie vor um ein strittiges Verfahren betonte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer am Ende der Beweisaufnahme. Tatsache aber sei, dass Heinrich S. nach dem Zwischenfall Verletzungen hatte, die auf Schläge mit einer Waffe, also z. B. einem Stock, zurück zu führen seien. Selbst wenn Johann Ch., wie er behauptete, in Notwehr gehandelt habe, sei dabei das Maß weit überschritten worden. Deshalb ging er von der Schuld des Angeklagten aus. Er beantragte eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung auf zwei Jahre und verbunden mit der Auflage zur Ableistung von 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit.
Aus der Sicht der Verteidigerin hatte sich jedoch der Tatvorwurf während der Hauptverhandlung nicht bestätigt. So gab sie u. a. zu bedenken, dass die Kopfverletzung von Heinrich S. auch von einem Sturz infolge des reichlichen Alkoholgenusses herrühren könnte. Warum sollte man sich wohl sonst darauf geeinigt haben, keine Anzeige zu erstatten. Sie beantragte Freispruch für ihren Mandanten. Nun hatte Jugendrichter Dr. Holger Maaß eine nicht gerade einfache Entscheidung zu fällen. Nach reiflicher Überlegung schloss er sich jedoch - trotz durchaus vorhandener Widersprüche - der Meinung des Staatsanwalts an. So verurteilte das Gericht Johann Ch. zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung.

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