Recht so: Letzte Chance für DanielDaniel U. ist im Grunde genommen ein bedauernswerter junger Mann. Das zeigt vor allem die Tatsache, dass er mit seinen gerade mal 20 Jahren, nachdem er nie während seiner Kindheit und Jugend die Liebe und Fürsorge des Elternhauses kennen gelernt hatte seit geraumer Zeit im Löbauer Obdachlosenheim eine Bleibe gefunden hat.
Es würde zu weit führen, wolle man all die Fakten und Zwischenstationen im Leben des jungen Mannes aufführen, die sicherlich einen entscheidenden Anteil daran hatten, dass er sich nun vorm Jugendrichter am Amtsgericht Löbau verantworten musste. Das wurde nicht zuletzt aus dem Bericht der Vertreterin der Jugendgerichtshilfe, Beatrix Berger, deutlich. Doch zurück zum Straftatbestand.

Am Nachmittag des 25. Juli vergangenen Jahres vergnügte sich Daniel U. zusammen mit einer Gruppe Gleichaltriger auf dem „Gierschdurfer Schissn“, also dem alljährlichen Jacobimarkt. Dass dabei Alkohol floss, liegt auf der Hand. So fielen die Jungs einer Polizeistreife auf. Sie wurden angesprochen, ermahnt und reagierten in genau entgegengesetzter Richtung. Besonders der Angeklagte erging sich in wüsten und übelsten Beleidigungen gegenüber den Beamten, die teilweise weit unterhalb der Gürtellinie lagen. Ein daraufhin ausgesprochener Platzverweis bewirkte, dass Daniel U., bei dem man inzwischen einen Blutalkoholspiegel von 2,4 Promille festgestellt hatte, gegenüber den Polizisten tätlich wurde. Er schlug mit dem Kopf und trat. Deshalb wurde er in das Polizeirevier nach Löbau verbracht, wobei er unterwegs seine Attacken und Beschimpfungen fortsetzte.

Der zweite Zwischenfall ereignete sich im September gleichen Jahres. Man sei damals in einer Löbauer Wohnung gewesen, sagte ein Ermittlungsbeamter der Kripo aus. Dort befanden sich außer dem Inhaber noch mehrere andere Personen, unter ihnen auch der Angeklagte. Überall standen Bierflaschen herum, woraus man schließen konnte, dass keiner mehr ganz nüchtern war. Bei der Aufnahme der Personalien reagierte Daniel U. plötzlich wieder genau wie einige Monate zuvor – er rastete aus. Die dabei von ihm benutzten Schimpfworte sollen an dieser Stelle nicht wiederholt werden.

Das entspreche alles den Tatsachen, räumte der Angeklagte bereits am Anfang der Hauptverhandlung ein. Schuld sei natürlich der Alkohol gewesen. Er habe sich eben zu lange in der Gesellschaft falscher Kumpel befunden. Das solle sich nun ändern. Seit August hat er eine Tätigkeit im Zittauer Holzhof aufgenommen, der er auch pünktlich und regelmäßig nachgeht. Nun will er, um dem Teufelskreis zu entfliehen, auch seinen Wohnsitz nach Zittau verlegen. Übrigens nutzte er die Verhandlung, um sich – nicht zuletzt auf Anraten von Jugendrichter Dr. Holger Maaß – bei den beiden als Zeugen geladenen Polizeibeamten zu entschuldigen.

Der Wohnungswechsel allein gebe allerdings keine Garantie dafür, dass sich derartiges nicht wiederhole, bemerkte der Staatsanwalt. Falsche Freunde könne man schließlich auch in Zittau finden. Doch er verspüre schon ein echtes Bemühen seitens des Angeklagten. Hinzu komme sowohl das umfangreiche Geständnis als auch die Tatsache, dass Daniel U. zwar bereits zweimal mit dem Gesetz in Konflikt geraten sei, aber infolgedessen noch nie vor Gericht gestanden habe. Er beantragte, den Angeklagten zu verwarnen und ihm die Auflage zu erteilen, bis Ende Februar nächsen Jahres 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu leisten. Diesem Antrag schloss sich das Gericht in allen Punkten an.

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