GerichtberichterstattungWegen des Vorwurfs der Beleidigung hatte sich zu Jahresbeginn der selbständige Bäckermeister Steffen L. aus Neugersdorf vorm Strafrichter am Amtsgericht Löbau zu verantworten. Die Anklage warf dem 37jährigen vor, er habe am 16. Juli vergangenen Jahres, gegen 5:55 Uhr, den Freund seiner Auszubildenden W., den Zeugen G., als "Kanaken" und "Spinner" bezeichnet. Dieses Telefongespräch habe wirklich stattgefunden, räumte der Angeklagte ein, verwies aber gleichzeitig darauf, dass die Sache eine Vorgeschichte habe.
Es habe mit Frau W. immer Schwierigkeiten bezüglich ihrer Zuverlässigkeit gegeben, sagte er. Oft habe sie sich kurzfristig krank gemeldet, so dass eine normale Planung in ihrem Falle gar nicht mehr möglich gewesen sei. Schließlich habe er einen Vertreter der Handwerkskammer eingeladen, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Inzwischen hatte Steffen L. ein anonymes Fax bekommen, in welchem er und sein Handwerksbetrieb verunglimpft wurden. Als ihn der Vertreter der Handwerkskammer kurze Zeit später über ein ähnliches Fax informierte, in dem sich der Absender für den Besuch in der Bäckerei bedankte, war klar für den Angeklagten klar, von wem es kam. Ein Außenstehender hätte ja von diesem Treffen gar nichts wissen können, betonte er.

Daraufhin hängte der Meister den Faxausdruck mit einer handschriftlichen Bemerkung über dessen Herkunft an das Mitteilungsbrett, um die Belegschaft darüber zu informieren. Nun bekam seine Frau eine Vorladung bei der Polizei, da gegen sie eine Anzeige wegen übler Nachrede vorlag.

An der Arbeitseinstellung des Azubi W. änderte sich derweil nichts. Auch an jenem frühen Morgen rief ihr Freund G. an, um mitzuteilen, dass sie krank sei und nicht zum Frühdienst kommen könne. Steffen L. geriet in Rage, ein Wort gab das andere und Beschimpfungen erfolgten sicher von beiden Seiten. "Spinner" habe er wohl gesagt, gab der Angeklagte zu, aber das Schimpfwort "Kanake" sei nie gefallen. Eigentlich habe er sich ja auch nur rechtfertigen wollen.

Im August wurde schließlich das Ausbildungsverhältnis mit Frau W. gekündigt, nachdem das Einverständnis der Handwerkskammer vorlag. Zumindest vom menschlichen Standpunkt aus müsse man seinen Mandanten schon verstehen, führte der Verteidiger an. Zuverlässigkeit sei eben auch in diesem Gewerbe das A und O. Deshalb schlug er die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage in Höhe von 500 Euro vor. Da sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwältin keine Einwände vorbrachten, fasste das Gericht unter Vorsitz von Dr. Holger Maaß einen entsprechenden Beschluss. Wenn das Geld bis zum 31. März an den Tierschutzverein Lawalde überwiesen wurde, erfolgt die endgültige Einstellung des Verfahrens.

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