2JustizRichterhammerImNamenQuad"Geschenkt ist geschenkt", weißt es landläufig, und meist hält man sich dann ja auch an diese Maxime. Anders schien es allerdings im Fall des 18jährigen Löbauers Daniel S. gewesen zu sein. Im August vergangenen Jahres soll er aus dem Gemeinschaftskeller des Hauses an der Löbauer Rosenstraße, wo er auch selbst wohnt, das Mountainbike des als Zeugen geladenen K. gestohlen haben. Strafbar als schwerer Diebstahl, wofür er sich unlängst vor dem Jugendrichter am Amtsgericht Löbau verantworten musste.

Das sei doch Quatsch, kommentierte er den Vorwurf der Staatsanwältin. Er bestätigte aber, dass er das Rad dem K. einst geschenkt hatte, weil er sich ein neues kaufte und damals versucht hatte, den Lenker vorher abzumachen und für sich zu behalten. Doch der saß so fest, dass er es nicht schaffte. Nun hatten K. und seine Freundin ihn mit dem neuen Rad gesehen, das aber offensichtlich den alten Lenker hatte, allerdings nun nicht mehr weiß, sondern schwarz.

Den habe er von einem Kumpel bekommen, dessen Namen er nicht nennen könne, weil der auch schon "mehrmals Probleme mit anderen" hatte, versicherte der Angeklagte. Nun hätte das Gericht unter Vorsitz von Dr. Holger Maaß eigentlich in die Beweisaufnahme eintreten wollen, was sich aber etwas schwierig gestaltete, da weder der Geschädigte K., er hatte das Verfahren durch seine Anzeige ins Rollen gebracht, noch seine Freundin als geladene Zeugen erschienen waren. Eine Begründung für dieses Fernbleiben lag dem Gericht nicht vor.

Der vom Richter verlesene Auszug aus dem Bundeszentralregister bewies eindeutig, dass es sich bei dem unscheinbaren jungen Mann, der da im Mittelpunkt der Hauptverhandlung stand, keineswegs um ein unbeschriebenes Blatt handelte. Körperverletzung, Fahren ohne Fahrerlaubnis mit Fahrerflucht und Diebstahl standen da zu Buche. 30 Dosen Farbe im Wert von je 30 Euro hatte er als Praktikant in seinem Ausbildungsbetrieb gestohlen.

Dr. Maaß erinnerte sich noch gut daran, ihn wegen dieses letzten Delikts vor zwei Jahren zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt zu haben. Die sollte er bereits im ersten Halbjahr 2010 abgeleistet haben, aber bisher ging aber keine diesbezügliche Rückmeldung beim Amtsgericht ein. Er habe damit auch noch gar nicht begonnen, räumte Daniel S. ein. Zur Begründung führte er an, keine Zeit dafür gefunden zu haben. Es gebe eben gegenwärtig wichtigere Sachen für ihn. So kündigte ihm der Fachdienst das ALG II, weil er die Lehre geschmissen hatte. Eine Kündigung kam auch von seinem Vermieter, der Woba Löbau, weil er die Miete nicht bezahlte.

Wovon er denn lebe, wollte der Vorsitzende wissen. Das gesamte vierte Quartal 2010 habe er nicht gearbeitet, Hartz IV bekam er ja auch nicht mehr. Zurzeit unterstützen ihn seine Eltern, erklärte er. Und das, obwohl es da - wie die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe berichtete - in der Vergangenheit so ernste Zerwürfnisse gab, dass ihn sein Vater schon einmal rausgeschmissen hatte. Danach war er bei verschiedenen Freunden zeitweise untergekommen, bis er die jetzige Wohnung an der Rosenstraße bekam. Doch nun drohe ihm das Obdachlosenheim, deshalb wäre es aus ihrer Sicht am besten, wenn ihn die Eltern wieder bei sich aufnehmen würden.

Mehrmals musste Daniel S. während seiner Kindheit auch längere Zeit im Sächsischen Fachkrankenhaus Großschweidnitz verbringen, einmal sogar in der geschlossenen Abteilung. Noch heute könne man deutliche Defizite in der geistigen Entwicklung feststellen. Nach diesem aufschlussreichen Bericht beantragten die Staatsanwältin, den Angeklagten im Hinblick auf die aus eigenem Verschulden immer noch offen stehenden 100 Arbeitsstunden mit vier Wochen Ungehorsamsarrest zu bestrafen. Das Gericht schloss sich dem an und hat inzwischen die notwendigen Schritte eingeleitet. Außerdem wurde die Hauptverhandlung wegen der ungeklärten Abwesenheit der beiden ordnungsgemäß geladenen Zeugen ausgesetzt.

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