2JustizRichterhammerImNamenQuadEs mutet fast an wie die bekannte "Unendliche Geschichte", denn auch hier ist ein wirkliches Ende vorerst nicht abzusehen. Immer noch geht es darum, all das aufzuarbeiten, was der für die Oberlausitz inzwischen als Kopf eines Rauschgiftrings ermittelte und seit 2009 in Haft sitzende Norbert E. alles ausgesagt hat. Und das ist nicht wenig, wobei er durch dieses kooperative Verhalten natürlich alle Vergünstigungen bekam, die bei der Schwere seiner eigenen Straftaten irgendwie möglich waren.

So schätzte er als Zeuge während der letzten Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht am Löbauer Amtsgericht ein, dass er belastende Aussagen über rund 35 Personen - sowohl Quellen als auch Abnehmer - gemacht hat.

Nicht umsonst natürlich, denn, so schätzte er selbst durchaus realistisch ein, dadurch hatte sich sein Strafmaß von zu erwartenden zehn bis zwölf Jahren hinter schwedischen Gardinen auf vier verringert, die er gegenwärtig in der JVA Dresden verbüßt. Im Mittelpunkt der Hauptverhandlung stand diesmal der durch ebenfalls ihn benannte und beschuldigte Türke Mehmet Ö.

Die Staatsanwaltschaft warf dem teilweise in Löbau oder im tschechischen Mlada Boleslav (Jungbunzlau), wo er seit einiger Zeit ein Döner-Lokal betreibt, wohnenden 27jährigen jungen Mann vor, im ersten Halbjahr 2007 insgesamt 21 Mal je ein Gramm Crystal zum eigenen Verbrauch von Norbert E. gekauft zu haben. In diesem Punkt zeigte sich der Angeklagte sofort geständig, wenn es auch nach seiner Meinung nur um jeweils 0,5 Gramm ging. Doch das war noch nicht alles. Im November 2007 habe Mehmet Ö., der damals in der nordböhmischen Grenzstadt Rumburk (Rumburg) ein Lokal betrieb, unerlaubt nach Bestellung von E. und gegen Vorkasse von 1.750 Euro 50 Gramm Crystal nach Deutschland eingeführt und diesem übergeben. Ein gleicher Deal sollte zwei Wochen später stattfinden, wobei er ebenfalls das Geld schon im Voraus erhielt. Das aber war schließlich gescheitert.

Diese Vorwürfe wies der Angeklagte zurück. Er habe weder damals noch heute, Dealer in Tschechien gehabt und irgendwelche Drogen nach Deutschland eingeführt. Außerdem sei er seit zwei Jahren völlig clean. Norbert E., den er schon 2003 während dessen Besuchen im Löbauer Ausländerwohnheim kennen gelernt hatte, habe ihm allerdings schon einmal eine größere Geldsumme geborgt, die er bis heute nicht vollständig zurück zahlen konnte. Darin sehe er vor allem den Grund für diese Anschuldigungen.

Dem gegenüber standen natürlich ein weiteres Mal die Aussagen des Kronzeugen Norbert E., der all das in der Anklageschrift Genannte noch einmal detailliert schilderte. Ebenfalls zum wiederholten Male wurde der Dresdener Zollfahnder G. als Zeuge gehört. Dieser bestätigte, wie auch in den voran gegangenen Prozessen, die Glaubwürdigkeit von Norbert E. Erst durch dessen Aussagen sei man dem heutigen Angeklagten auf die Spur gekommen.

Das aus der Tschechischen Republik eingeschleuste Crystal habe erfahrungsgemäß einen Wirkstoffgehalt von mindestens 50 Prozent gehabt und sei damit relativ hochwertig gewesen, erklärte er. Wenn es nicht so gewesen wäre, hätte Norbert E. wohl kaum eine zweite Lieferung bei Mehmet Ö. bestellt und ihm die relativ hohe Bargeldsumme ausgehändigt.

Für den Staatsanwalt hatten sich die Schuldvorwürfe im Verlaufe der Beweisaufnahme voll bestätigt. Dabei würdigte er durchaus sowohl das Teilgeständnis als auch die Tatsache, dass der Angeklagte bisher noch nicht vorbestraft war. Allerdings handele es sich bei den beiden letzten Taten um so schwere Fälle, dass nur eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung in Frage komme. Deren Höhe hielt er mit einem Jahr und sechs Monaten als gerechtfertigt. Anders sah es der Verteidiger, welcher die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen doch stark anzweifelte. Für die von seinem Mandanten eingeräumten Taten beantragte er lediglich eine Geldstrafe.

Sicher machte sich das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Dr. Karl Keßelring die Entscheidung nicht leicht. Nicht zuletzt aus der Erfahrung der vorangegangenen Verfahren in diesem ganzen Komplex folgte man weitgehend dem Antrag des Staatsanwaltes. Der Angeklagte wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf drei Jahre zur Bewährung verurteilt. Dazu erhielt er die Auflage, insgesamt 1.000 Euron an zwei gemeinnützige Vereine der Region zu zahlen.

 

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