2JustizRichterhammerImNamenQuadHeiße Tränen flossen der 25jährigen in Kasachstan geborenen Malvina H. gleich zu Beginn der Hauptverhandlung am Amtsgericht Löbau über ihr hübsches Gesicht. Sie war der Untreue angeklagt, wobei sich der Außenstehende darunter in der Regel wenig vorstellen kann. Die Staatsanwältin brachte es ihrer Anklageschrift so zum Ausdruck:

Bereits während ihrer Ausbildungszeit hatte die Angeklagte im Löbauer Mode Center AWG an der Rumburger Straße gearbeitet. Man hatte Vertrauen zu der jungen Frau gefasst, die sich offensichtlich gut in Deutschland eingelebt hatte und inzwischen auch die Sprache gut beherrschte. Deshalb wurde sie schließlich als Kassiererin eingestellt. Damit aber kam exakt am 8. Mai vergangenen Jahres der Wendepunkt in ihrem bisherigen Leben.

Als Kassiererin entfernte sie an einem Herrenanzug das Preisetikett und gab dieses zusammen mit dem entsprechenden Return-Beleg als Rückgabe eines fiktiven Kunden ein, dem das Kleidungsstück wohl nicht gepasst hatte. Die dafür eigentlich zurück zu zahlenden 89.95 Euro behielt sie für sich. Da diese Manipulation durch die Vertrauensseeligkeit ihrer Kolleginnen und Vorgesetzten so reibungslos geklappt hatte, entschloss sich die Angeklagte aufgrund ihrer nicht allzu rosigen finanziellen Situation dazu, sich so neben ihren Bezügen von etwa 500 Euro und der Aufstockung durch Hartz IV von weiteren 200 Euro eine dauerhafte dritte Einnahmequelle zu verschaffen. So wiederholte sie die bereits geschilderte Tat vom Mai bis Juni 2010 insgesamt 57 Mal. Somit entstand dem Unternehmen ein Gesamtschaden von etwa 5.300 Euro.

Da ihre regulären Einkünfte aus dem Arbeitslohn und der ALG II-Zulage nicht ausgereicht habe, um für sich selbst und den fünfjährige unehelichen Sohn ein vernünftiges, ihren Vorstellungen entsprechendes Leben führen zu können, entschloss sie sich eben zu diesem folgenschweren Schritt. Und da es beim ersten Mal – Dank der Vertrauensseligkeit und Nachlässigkeit des Personals und der Filialleitung, wie die Staatsanwältin unmissverständlich hervorhob – geklappt hatte, machte sie eben weiter.

Sie habe auch keine Unterstützung während der ganzen Jahre vom übrigens als Zuschauer im Gerichtssaal anwesenden Kindesvater erwarten können, fügte sie hinzu. Dieser habe in Dresden eine vierjährige Haftstrafe verbüßt, wohne dort noch immer und lebe ebenfalls nur vom ALG II.

Insgesamt, so gab sie auf befragen der Staatsanwältin an, belaufen sich derzeit ihre Schulden auf etwa 10.000 Euro – das beziehe sich neben der durch die 58 Fälle von Untreue auch noch auf Käufe von Möbeln, den Fernseher und das Auto, das sie gebraucht habe, um von ihrem Wohnort Neugersdorf zur Löbauer Arbeitsstelle zu gelangen.

Natürlich berücksichtige sie das umfassende, bereits zu Beginn der Hauptverhandlung abgelegte Geständnis der Angeklagten, betonte die Staatsanwältin. Trotzdem sei es ihr natürlich nicht ganz klar, wie diese innerhalb von zwei Monaten eine derart große Summe verbraucht habe, denn es war ja am Ende weder von ihren regulären Einkünften noch dem aus der Kasse genommenen Geld etwas übrig. Das zeuge davon, dass es Malvina H. im bisherigen Leben nicht geschafft habe, vernünftig mit dem, wenn auch knappen, ihr zur Verfügung stehenden Geld umzugehen. Sie beantragte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung sowie eine Arbeitsauflage von 180 Stunden.

Natürlich ging auch der Verteidiger von der Schuld seiner Mandantin aus, nicht zuletzt durch ihr umfassendes Geständnis. Er plädierte allerdings auf eine Freiheitsstrafe von unter einem Jahr. Dem schloss sich Dr. Keßelring schließlich im Urteil an. Dieses lautete: Freiheitsstrafe von zehn Monaten, ausgesetzt zur Bewährung von zwei Jahren. Zusätzlich erhielt Malvina H. die Auflage, 120 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Noch im Gerichtssaal nahmen sie und ihr Verteidiger das Urteil an, das damit rechtskräftig ist.

 

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