2JustizRichterhammerImNamenQuadSicher kommt es nicht alle Tage vor, dass sich jemand wegen Entziehung elektrischer Energie vor dem Löbauer Amtsgericht zu verantworten hat, doch dürfte das wohl kaum eine Begründung dafür sein, dem Termin der Hauptverhandlung einfach fernzubleiben. Genau das taten die beiden Angeklagten Sandra S. und Sven H.

Da war es ein Glücksfall, dass der Zeuge und Geschädigte Wolfgang O. zumindest wusste, wohin Frau S. inzwischen aus ihrer Wohnung im ihm gehörenden Haus in Ebersbach verschwunden sein könnte. Was den zweiten Beschuldigten anbelangt, vermutete er, dass sich dieser derzeit in Neugersdorf aufhält, aber sicher ist das wohl nicht.

Amtsdirektor Dr. Karl Keßelring schaltete nach kurzer Konsultation mit der Staatsanwältin die Polizei ein, und siehe da, wenig später wurde die 28jährige Sandra S. mit trotziger Miene in den Verhandlungssaal geführt. Bevor die Hauptverhandlung gegen sie begann, fasste das Gericht noch den Beschluss, das Verfahren gegen Sven H. wegen dessen z. Z. nicht feststellbaren Aufenthaltes abzutrennen und bis zur Klärung vorläufig einzustellen. Doch nun zum Sachverhalt.

 

Zwischen Januar und Juni vergangenen Jahres hätten die beiden Angeklagten, denen aufgrund nicht bezahlter Energierechnungen der Strom abgeklemmt wurde, das Hauslicht auf dem Boden angezapft, von dort außen ein Kabel gezogen und sich so wieder illegal versorgt, hieß es in der Anklageschrift.

Das stimme so nicht, erwiderte Sandra S. im weiterhin trotzigen Ton. Das Ganze sei eine Notlösung gewesen. Und überhaupt wäre ja der H. daran schuld gewesen. Als sie im Februar die Wohnung im Haus von Wolfgang O. bezog, hatte sie im Gegensatz zu diesem noch Strom gehabt. Deshalb habe der sich bei ihr bedient. Da er sich aber nicht an den nun höheren Kosten beteiligen wollte, meldete sie sich bei der Enso ab. Nun legte Sven H. das bereits erwähnte Kabel vom Boden zuerst in seine Wohnung und verlängerte es dann bis zu ihr.

Er sei erst stutzig geworden, als er das Kabel außen entlang bemerkte, sagte der Zeuge O. Und dann waren die beiden Mieter auf einmal verschwunden ohne ihre Verträge zu kündigen und eine neue Anschrift anzugeben. Wie sie ihre Wohnungen hinterließen, dokumentierte er vor Verhandlungsbeginn anhand mitgebrachter Fotos. Diese zeigten vor allem leere Schnapsflaschen.

Ja, der Sven H. sei ein Säufer gewesen, sagte Sandra S. ebenfalls aus. Der habe auch den Wasserschaden verursacht, durch den ihre darunter liegende Wohnung in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wolfgang O. als Eigentümer versprach wohl nach ihrer Darstellung mehrfach eine Reparatur, aber es sei nichts passiert. Deshalb zahlte sie dann keine Miete mehr.

„Ich traf sie zufällig in Löbau und fragte sie nach ihrem jetzigen Aufenthaltsort“, erzählte O. als Zeuge. „Dabei erinnerte ich sie an den heutigen Gerichtstermin, was sie mit einem Schulterzucken abgetan hat und der Bemerkung, das interessiere sie nicht.“

Bereits dreimal hatte sich die Angeklagte in der Vergangenheit vor Gericht zu verantworten. Zwei Diebstähle und eine versuchte Erpressung brachten ihr drei Geldstrafen ein. Offensichtlich habe sie daraus nichts gelernt, sagte die Staatsanwältin. Sie habe ja noch nicht einmal begriffen, dass sie sich diesmal wieder strafbar gemacht hatte. Deshalb beantragte sie nun eine Freiheitsstrafe von drei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung.
Amtsgerichtsdirektor Dr. Keßelring ließ als Vorsitzender dennoch Milde walten. Zwar schloss er sich im Wesentlichen den Argumenten der Staatsanwältin an, verurteilte aber die bis zum Ende der Hauptverhandlung uneinsichtige und trotzige Sandra S. zu einer Freiheitsstrafe von einem Monat, ausgesetzt zur Bewährung von zwei Jahren. Noch im Gerichtssaal erklärte die Angeklagte, sie nehme das Urteil an.

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