So oder ähnlich könnte der Sachverhalt gewesen sein, der kürzlich zur Hauptverhandlung vor dem Zittauer Amtsgericht unter Vorsitz von Richter Kai Ronsdorf führte:
Es war am 19. Mai 2009. Auf der Inneren Oybiner Straße in Höhe des Lampengeschäfts spielten zwei Katzen. Da brauste mit überhöhter Geschwindigkeit ein roter Pkw Mitsubishi Colt heran. Das ältere Tier konnte sich noch in Sicherheit bringen, während das kleine Kätzchen erfasst und getötet wurde. Die beiden Zeuginnen des Geschehens waren fassungslos. Sie hätten noch versucht, den Fahrer durch Winken aufmerksam zu machen, sagten sie, aber der sei einfach in Richtung Innere Weberstraße weitergefahren.

Anhand des Kennzeichens vermutete die Staatsanwaltschaft in Fahrer den 30jährigen Zittauer Oliver S., dem sie nun strafbare Tiertötung zur Last legte und ihm infolgedessen einen Strafbefehl über eine Geldstrafe in Höhe von 2.400 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot zustellte. Gegen diesen hatte er nun fristgemäß Einspruch erhoben.

Bereits zu Beginn des Prozesses wies der Angeklagte die Vorwürfe heftig von sich, besonders die Aussagen der beiden Zeuginnen, er habe noch einmal Gas gegeben, um die Katze auch wirklich mit seinem Auto zu erwischen. Zum einen sei er an diesem Tage überhaupt nicht mit dem seiner damaligen Verlobten gehörenden auffälligen Pkw unterwegs gewesen, und zweitens wäre er zu einer solchen Tat als Tierfreund überhaupt nicht fähig.

Damit konnte er aber offensichtlich weder den Staatsanwalt noch Richter Kai Ronsdorf beeindrucken geschweige denn überzeugen. Daran änderten auch die Einwürfe des Verteidigers, sein Mandant sei ja eigentlich durch vorgefassten Meinungen schon vorverurteilt, nichts. Tatsächlich aber standen für Oliver S. bereits sechs Eintragungen im Verkehrszentralregister zu Buche - so z. B. wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs und überhöhter Geschwindigkeit.

Die Beweisaufnahme begann mit der Vernehmung der beiden Zeuginnen, die unmittelbar am Ort des Geschehens waren und den Hergang beobachteten. Beide Freundinnen wiederholten unabhängig voneinander ihre bereits im Vorfeld bei der Polizei gemachten Angaben. Den Angeklagten selbst konnten sie nicht identifizieren, da sie sich auf das amtliche Kennzeichen konzentrierten. Allerdings war eine der beiden überzeugt, dass es sich beim Fahrer zweifelsfrei um eine männliche Person mittleren Alters gehandelt habe.

Die eigentliche Wende brachte die Aussage der ehemaligen Verlobten von Oliver S. Sie hatte unmittelbar nach der vermeintlichen Tat vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Das fiel nun weg, da ihr fast familiäres Verhältnis seit langem nicht mehr besteht. Nun bestätigte sie, dass ihr der Angeklagte nach dem Erhalt der schriftlichen Anzeige von diesem Vorfall erzählte. Er habe aber stets betont, dass dabei keine Absicht im Spiele gewesen sei.

An diesem Punkt bot der Vorsitzende dem Verteidiger eine kurze Unterbrechung an, damit er sich mit seinem Mandanten beraten könne. Und siehe da, nachdem alle Prozessbeteiligten in den Verhandlungssaal zurück gekommen waren, zogen der Angeklagte und sein Verteidiger ohne Kommentar den Widerspruch gegen den Strafbefehl zurück. Da auch der Staatsanwalt zustimmte, wurde dieser nun rechtskräftig.

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