2JustizRichterhammerImNamenQuadWegen vorsätzlicher Körperverletzung hatte sich der 27jährige Michael W. vor dem Amtsgericht Zittau zu verantworten. In der Nacht vom 21. Februar vergangenen Jahres soll er den Geschädigte Tassilo P. vor dem "Kulti Großhennersdorf zusammengeschlagen und im Gesicht verletzt haben.
"Ich kenne den Kerl doch überhaupt nicht", erklärte der Angeklagte in aufbrausendem Ton zum Tatvorwurf. "Ich war damals auch gar nicht am "Kulti", ich war überhaupt noch nie nachts dort."
Zu Beginn der Beweisaufnahme befragte das Gericht den Geschädigten. Er war von seiner ehemaligen Geliebten Franziska M. per SMS zum "Kulti" Großhennersdorf bestellt worden, wo sie selbst mit ihrer Mutter die Disco besuchte, sagte er. Als er dort eintraf, sei es zu dieser Schlägerei gekommen. Daraufhin stellte er gegen den Angeklagten  und Frau M. Strafantrag. Das Verfahren gegen die junge Frau, die übrigens nun mit dem Angeklagten zusammenlebt und schwanger ist, wurde allerdings inzwischen eingestellt.

Erstaunlicherweise hatte P. noch alle entscheidenden SMS dieser Nacht in seinem Handy gespeichert, so dass er sie jetzt als Beweis dem Gericht vorlegen konnte. Daraus ging klar hervor, dass er sowohl von seiner Ex-Freundin als auch vom Angeklagten sehr drastische Mitteilungen empfangen hatte, aus denen hervorging, dass dies nur der Anfang gewesen sei und er sich auf weitere Sanktionen körperlicher Art gefasst machen könne.

"Das waren doch nur verbale Auseinandersetzungen", entgegnete der Angeklagte. Man habe sich eben Handy und SMS belegt. Er blieb auch weiterhin dabei, den Zeugen P. nie im Leben persönlich gesehen zu haben. Übrigens legte er während der gesamten Verhandlung ein derart aggressives Verhalten an den Tag, dass ihn Richter Kai Ronsdorf mehrfach verwarnen und sogar mit der Verhängung eines Ordnungsgeldes drohen musste. Mehr als zweifelhaft erschienen der Staatsanwältin und dem Vorsitzenden die Aussagen der Zeugin M. Diese gab zwar zu, ihren Ex zum "Kulti" gelockt zu haben, äußerte aber andererseits, ihn zutiefst zu hassen. Das resultiere daraus, dass er sie dereinst als Minderjährige geschwängert und dann sitzen gelassen habe. Das Kind wurde übrigens abgetrieben.

Ebenso zweifelhaft erschienen auch die Aussagen der Zeugin Stefanie K., die ebenfalls in einer der dem P. zugestellten SMS eine Rolle spielte. Das lag nicht zuletzt daran, dass er selbst aussagte, gegenwärtig mit ihr "zusammen" zu sein, sie selbst aber angab, ihn nur flüchtig zu kennen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sie ein Kind hat, dessen Vater der Angeklagte ist. Mit dem habe es aber nicht mehr so richtig geklappt, deshalb suchte sie nach einem Ersatz. Dabei stieß sie auch auf P., stellte nun aber fest, dass dieser ebenfalls nicht der Richtige gewesen sei. Jedenfalls wäre sie nie mit ihm intim geworden. Beiden Damen stellte Richter Ronsdorf in Aussicht, dass sie mit einer späteren Anzeige wegen uneidlicher Falschaussage zu rechnen hätten, was diese aber ohne spürbare Reaktion hinnahmen.

Sowohl für die Staatsanwältin wie auch für das Gericht hatte sich im Verlaufe der Beweisaufnahme die Schuld des Angeklagten bestätigt. Während sie davon ausging, dass eine ursprünglich angedrohte Geldstrafe nun nicht mehr ausreiche und eine viermonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung sowie eine Geldbuße von 1.000 Euro beantragte, war das Gericht anderer Meinung. So lautete am Ende das Urteil Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen zu je 20 Euro.

Share Button