Recht so...Es war wieder einmal so eine verworrene Beziehungstat, einschließlich körperlicher Auseinandersetzung, über die das Amtsgericht Löbau kürzlich zu entscheiden hatte. Angeklagt war der 36jährige Neugersdorfer Sven S. – für den Vorsitzenden der Hauptverhandlung, Richter Dr. Holger Maaß, beileibe kein Unbekannter. Für den jungen Mann stand nämlich mit dem Urteilsspruch einiges auf dem Spiel, da er noch unter Bewährung steht.
Ihm wurde vorgeworfen, am 26. April vergangenen Jahres, gegen 22 Uhr, in einem Haus am Neugersdorfer Karl-Marx-Platz eine junge Frau, mit der er in der Vergangenheit wohl mehr als befreundet war, ohne Grund in das Gesicht geschlagen zu haben.

Diese Anschuldigungen wies er jedoch bereits zu Beginn der Hauptverhandlung weit von sich und äußerte seinerseits, die Geschädigte sei von ihrem damaligen Lebensgefährden und jetzigen Ehemann Peter M. verprügelt worden. Anschließend habe dieser sie aufgefordert, ihn selbst zu belasten, um ihn in den Knast zu bringen und so einen lästigen Nebenbuhler loszuwerden. Deshalb habe er seinerseits inzwischen auch gegen M. Strafanzeige wegen Verleumdung gestellt.

Trotz des im Mittelpunkt der Verhandlung stehenden Zwischenfalls dauerte das intime Verhältnis zu der Geschädigten Silvia M. nach Aussage des Angeklagten noch bis zum Oktober an. Das sei alles nicht war, widersprach die zierliche, äußerst nervös wirkende junge Frau in ihrer Zeugenaussage. Sie blieb dabei, an jenem Abend vom Angeklagten geschlagen worden zu sein, und zwar nicht nur ins Gesicht, sondern auch in den Unterleib. Im Übrigen habe sie Sven S. zwar schon längere Zeit durch ihren Mann gekannt, aber nie im Leben eine intime, sprich sexuelle Beziehung zu ihm unterhalten. Das wiederum glaubten ihr weder der Staatsanwalt noch der Richter.

Immer wieder spielten nämlich Anrufe und SMS eine Rolle, in denen Frau M. dem Angeklagten mitteilte, der Peter sei schon zu Bett gegangen, und sie habe jetzt Zeit. Ob sie denn zu ihm kommen solle. In einer solchen Nachricht teilte sie gar mit, dass ihre Regel ausgeblieben sei.

Das war für den Staatsanwalt ein dringender Grund, die Zeugin noch einmal ausdrücklich auf die Folgen einer Falschaussage mit oder ohne Vereidigung hinzuweisen. Doch sie blieb dabei. Erstens habe sie vor dem gewalttätigen Angeklagten Angst, sie wechsele sogar die Straßenseite, wenn sie ihn sehe, und zweitens wisse ihr Mann über alle SMS und Gespräche Bescheid. Dass dem nicht ganz so war, zeigte die Zeugenaussage von Peter M. Er habe die SMS nur zufällig entdeckt, als sein Kind mit dem Handy der Mutter spielte, erklärte er.

An dem fraglichen Abend sei er zuerst im Wohnzimmer gewesen und habe deshalb gar nicht gesehen, wie Sven S. seine Frau schlug. Diese habe auch nur von einer Ohrfeige gesprochen und nicht von Schlägen in den Unterleib. Darüber wisse er nichts.

Allerdings klage sie seit der letzten Schwangerschaft öfter über Schmerzen in diesem Bereich. Mehr oder weniger durch einen Zufall war er dahinter gekommen, dass seine Silvia, vor der Hochzeit anstatt, wie angekündigt, zu ihrer Freundin in Wahrheit zum Angeklagten gegangen sei. Was da sich da im Einzelnen alles abgespielt habe, wolle er gar nicht wissen.

Diese Einlassungen des Zeugen, seine fast teilnahmslose Haltung gegenüber den näheren Umständen und hintergründen der vermeintlichen Tat, wenn es diese denn wirklich in dieser Form gegeben haben sollte, erschienen sowohl dem Strafrichter als auch dem Staatsanwalt höchst ungewöhnlich. Für beide lag die Vermutung nahe, dass diese Zeugen nicht die Wahrheit gesagt hatten. Ob das ein weiteres gerichtliches Nachspiel zur Folge haben wird, bleibt abzuwarten.

Auf alle Fälle bewog den Staatsanwalt dieser Wust an unklaren Aussagen der beiden Eheleute sowie die belastenden SMS und Anrufe der Frau M. dazu, eher der Variante des Angeklagten Glauben zu schenken. So beantragte er folgerichtig, diesen freizusprechen. Dem schlossen sich sowohl die Verteidigerin als auch das Gericht im abschließenden Urteil an.

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