2JustizRichterhammerImNamenQuadEigentlich sei es ja nicht üblich, dass Familienstreitigkeiten vor dem Strafrichter ausgetragen werden, erklärte Dr. Holger Maaß als Vorsitzender der Hauptverhandlung gegen den 29jährigen Neugersdorfer Marc S. vor dem hiesigen Amtsgericht. Der junge Mann hat ein großes Problem: Alkohol. Damit hat er sich vieles im Leben kaputt gemacht, unter anderem auch fast seine Ehe.
Immer wieder war er im Vollrausch ausgerastet, hatte seine Ehefrau, mit der er ein kleines gemeinsames Kind hat, in übler Art und Weise beschimpft und sogar geschlagen. So war es auch am 4. Mai vergangenen Jahres, als er als "Schlampe" bezeichnete und auf den Rücken schlug. Daraufhin hatte sie Strafantrag gegen ihn gestellt.

Sicher wäre es gar nicht zu diesem Verfahren gekommen, hätte der Angeklagte die Auflagen erfüllt, die ihm von der damals zuständigen Staatsanwältin im Ermittlungsverfahren auferlegt wurden. Er sollte einen Trainingskurs für gewaltbereite Männer absolvieren und sich einer amtlichen Suchtberatung unterziehen. Als Endtermin war Ende Februar diesen Jahres festgesetzt.

Die erste Auflage erfüllte Marc S. und schloss sie im Herbst vergangenen Jahres - wie es schien - erfolgreich ab. Die zweite Auflage betreffs der Suchtberatung erfüllte er allerdings nicht. Ein Trugschluss war auch, dass sich mit dem Trainingskurs nun alles geregelt hätte, denn am 8. Januar 2011 kam es erneut zu einem Rückfall. Diesmal aber war zumindest keine körperliche Gewaltanwendung im Spiele.

Er liebe seine Frau und das Kind über alles, beteuerte der Angeklagte. Und er sei sehr froh darüber, dass sie zwar bereits mit dem Gedanken einer Scheidung gespielt habe, diesen aber zu seinen Gunsten immer wieder verwarf. Nun endlich hatte er sich in Neugersdorf bei de Suchtberatungsstelle von "come back" gemeldet, registrieren lassen und besucht diese seither regelmäßig, wie aus den Belegen, die er dem Richter vorwies, zu ersehen war.

Das war für den Staatsanwalt der entscheidende Punkt, eine vorläufige Einstellung des Verfahrens zu beantragen. Vor allem verwies er darauf, dass Marc S. nun ja auch den zweiten Punkt der von der Auflagen noch vor Ablauf der Frist in Angriff genommen habe. Diesen Argumenten schloss sich auch das Gericht schließlich an, so dass die junge Familie am Ende ohne Urteil gemeinsam den Saal verlassen konnte.

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