2JustizRichterhammerImNamenQuad"Dem Amte wohlbekannt", konnte nicht nur der Dorfrichter Adam aus Kleists "Der zerbrochene Krug" verkünden, sondern das hätte auch Dr. Holger Maaß feststellen können, als er kürzlich den Vorsitz bei der Hauptverhandlung gegen den Löbauer Thomas W. führte.

Der 53jährige Angeklagte ist eher eine tragische Figur als ein bösartiger Straftäter. Trotzdem gilt natürlich auch für solche doch etwas gescheiterte Existenzen das Gesetz.

Der aufgrund seines langwierigen und schweren Alkoholmissbrauchs geistig zumindest angeknackste W. hatte am 2. August vergangenen Jahres um die Mittagsstunde in der Rossmann-Filiale am Löbauer Promenadenring eine kleine Flasche Sekt im Werte von 1,49 Euro gestohlen. Wie es dazu kam, erklärte der Ladendetektiv.

Als er an jenem Morgen seinen Dienst antrat, hätten ihn die Kassiererinnen darauf aufmerksam gemacht, dass ein auffälliger ungepflegt aussehender Mann regelmäßig in den Vormittagsstunden erschien, sich bei dem Getränkeregal aufhielt und ohne etwas zu kaufen wieder verschwand. Er habe deshalb bewusst an jenem Tag die Video-Kamera auf diese Ecke des Verkaufsraumes ausgerichtet, sagte der Detektiv.

Tatsächlich war Thomas W. erschienen, und alles spielte sich so ab, wie geahnt. Eigentlich hatte Rechtsanwalt David als Pflichtverteidiger beantragt, die generelle Schuldfähigkeit seines Mandanten überprüfen zu lassen, zog diesen Antrag aber im Verlaufe der Hauptverhandlung zurück. Grund dafür war zum einen das dem Gericht vorliegende Gutachten eines medizinischen Sachverständigen, welches dem Angeklagten durchaus trotz seiner unübersehbaren Schädigung einschließlich des schweren Gedächtnisverlustes doch noch eine gewisse Zurechnungs- und Schuldfähigkeit bestätigte.

So sah es auch der Staatsanwalt. Immer sein eine gewisse Planmäßigkeit bei den Handlungen erkennbar gewesen. Außerdem verwies er auf die bisherigen sechs Eintragungen im Bundeszentralregister. Trunkenheit im Verkehr, Verletzung der Unterhaltspflicht, fahrlässiger Vollrausch sowie mehrere Diebstähle in Verbindung mit Hausfriedensbruch standen da zu Buche.

Unter Abwägung aller Umstände beantragte der Staatsanwalt eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je zehn Euro, die auch vom Verteidiger akzeptiert wurde. Dem schloss sich das Gericht an, wobei der Vorsitzende in seinen Schlussbemerkungen dem Angeklagten noch einmal nachdrücklich zu verdeutlichen versuchte, dass er beim nächsten Delikt, egal welcher Art, hinter Gittern landen werde. Thomas W. nickte und bestätigte, er habe diese Warnung verstanden. Ob dem wirklich so ist, bleibt zu bezweifeln.

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