2JustizRichterhammerImNamenQuad"Wer nicht hören will, muss fühlen", heißt es im Volksmund. Und so erging es nun auch dem 18jährigen Daniel S., der gemeinsam mit der gleichaltrigen Lydia H. und dem 23jährigen Kay M. wegen Diebstahls vorm Jugendrichter des Löbauer Amtsgerichts stand.
Am 15. August vergangenen Jahres sollen alle drei aus dem Gemeinschaftsraum eines Löbauer Wohnhauses das Fahrrad des Geschädigten D. gestohlen habe. Sie bestätigten zu Beginn der Hauptverhandlung übereinstimmend, an diesem Tage den D. ausgesucht zu haben. Angeblich wollten sie ihn dazu bewegen, seine Schulden an Daniel S. zurückzuzahlen. Das forderten sie lautstark vor dem Haus, verbunden mit der Drohung, sonst das Fahrrad zu klauen. Allerdings wurden sie von der Mutter der Freundin davon gejagt.

Später aber kam Daniel S. allein zurück und führte den Diebstahl aus. Den anderen beiden konnte keine Schuld nachgewiesen werden. S. gab das Fahrrad dann auf deren Drängen an den Eigentümer zurück, allerdings muss es nach dessen Zeugenaussage ziemlich lädiert und nicht mehr fahrbereit gewesen sein. Er sei immer nur der Dumme, versuchte er sich zu verteidigen. In Wahrheit hätten ihn die beiden Anderen massiv bedrängt, seiner Forderung wegen des Geldes auf diesem Wege Nachdruck zu verleihen. Wie dem auch sei, eine direkte Schuld für Lydia H. und Kay M. ergab sich daraus nicht.
Für den offensichtlichen Täter in diesem Falle war die Beweisaufnahme damit aber noch nicht abgeschlossen, denn es folgten noch zwei weitere, ihn allein betreffende Anklagepunkte. Eigentlich waren es drei, aber der Vorwurf des versuchten Diebstahls eines Werkzeugkoffers wurde auf Antrag des Staatsanwaltes im Laufe des Verfahrens eingestellt, da er am Ende für das zu erwartende Gesamtstrafmaß nicht relevant erschien.
Im August 2010 soll Daniel S. aus einem Gemeinschaftskeller an der Löbauer Rosenstraße, wo er selbst auch wohnte und deshalb natürlich die Schlüssel besaß, dem Zeugen K. ein Mountainbike gestohlen haben. Paradox an der Sache ist, dass er es diesem vorher erst selbst geschenkt hatte. Deshalb stand er bereits am 5. Januar vor Gericht. Damals war das Verfahren ausgesetzt worden, weil die beiden geladenen Zeugen nicht erschienen. Trotzdem verhängte Jugendrichter Dr. Holger Maaß vier Wochen Jugendarrest gegen den Angeklagten, weil dieser ihm früher auferlegte Arbeitsstunden aus wissentlichem eigenem Verschulden nicht ableistete. Doch damit nicht genug.
Anstatt nun in sich zu gehen und ein wenig über seine bisherige und gegenwärtige, nicht gerade rosige Situation nachzudenken, suchte Daniel S. nur einen Tag nach dieser Verhandlung die Löbauer Kaufland-Filiale und stahl gegen 18:15 Uhr eine Herrenuhr. Diese Tat räumte er ein, da er ja erwischt wurde.
Zum vorherigen Diebstahl waren nun  der Geschädigte K. und seine Freundin als Zeugen erschienen. Beide sagten aus, dass sich der Angeklagte zwar ein neues Fahrrad gekauft hätte, auf diesem aber der Lenker des alten montiert sei. Den habe er schon von Anfang an behalten wollen. Zur Tarnung sei das Teil neu lackiert worden, aber so fehlerhaft, dass man die Reste der alten Farbe noch sehen könne. Außerdem nannten sie weitere Erkennungsmerkmale.
Trotz aller bestehenden Reifedefizite gehöre schon eine gehörige Portion krimineller Energie dazu, auch nach mehreren Straftaten und Verurteilungen, immer wieder Diebstähle zu begehen, betonte die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe Beatrix Berger. Sie hielt deswegen die Verhängung einer Jugendstrafe für unbedingt angebracht. Außerdem sollten sowohl der am 5. Januar verhängte Jugendarrest aufrecht erhalten, als eine weitere Auflage von 80 Arbeitsstunden angeordnet werden.
Während der Staatsanwalt beantragte, Lydia H. und Kay M. frei zu sprechen, befand er den unbelehrbaren und uneinsichtigen Daniel S. in allen drei Anklagepunkten für schuldig. Er beantragte die Verhängung einer Jugendstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung von zwei Jahren, sowie als Auflagen eine Führungsaufsicht und 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Auch er plädierte für die Aufrechterhaltung des verhängten Jugendarrests. Diesem Vorschlag schloss sich das Gericht im Urteil an.

Share Button