Recht so: Drogen und GewaltEs waren zwei völlig verschiedene Anklagepunkte, die der Staatsanwalt dem 29jährigen Danny L. zu Beginn der Hauptverhandlung am Löbauer Amtsgericht zur Last legte. Zum einen soll er am Nachmittag des 24. Juli 2008 von dem inzwischen rechtskräftig verurteilten Daniel S. 0,5 Gramm Crystal erworben haben. Der zweite Tatvorwurf umfasste eine vorsätzliche Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Am 26. November 2010, gegen Mittag, sei es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Angeklagten und seiner Lebensgefährtin Mandy S. in deren Wohnung gekommen, in deren Verlauf er sie gegen die Hüfte trat, so dass sie deutliche blaue Flecken und Hautabschürfungen davontrug. Dann habe er in seinem Jähzorn den Wohnzimmertisch demoliert.

Zwar räumte Danny L. ein, am genannten Tag mit S. und der Zeugin M. als Fahrerin des Pkw auf einer Beschaffungstour in Görlitz gewesen zu sein, aber er habe nichts von dem dort gekauften Crystal bekommen. Das Trio war auf der Rückfahrt bereits geraume Zeit von einem Streifenwagen der Polizei verfolgt und schließlich in Löbau gestoppt worden. Dabei hatte man einen Beutel mit etwa 20 bis 30 Gramm Crystal an der Mittelkonsole des Pkw gefunden. Die Kontrolle des Angeklagten allerdings war negativ.

Jedoch sagte die Zeugin M. aus, der Dealer S. habe dem auf der Rückbank sitzenden Danny L. etwas übergeben und dabei von „eins bis zwei“ gesprochen. Genaueres könne sie nicht sagen. Immerhin habe sie sich ja auf den Verkehr konzentrieren müssen. So bemerkte sie auch nicht, ob Danny L. eventuell ein so winziges Briefchen noch rechtzeitig vor der Kontrolle hätte aus dem Fenster werfen können, wie es der Staatsanwalt vermutete.

Der seinerzeit zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilte und inzwischen vorzeitig aus der Haft entlassene S. konnte sich angeblich gar nicht mehr an den Sachverhalt erinnern. Das sei alles viel zu lange her, sagte er. Außerdem habe er mit diesen Dingen abgeschlossen. Allerdings hatte er während seiner ersten Vernehmung bei der Polizei ausgesagt, der Angeklagte wollte damals 0,5 Gramm Crystal von ihm und bezahlte das auch schon im Voraus.

Zum zweiten Anklagepunkt sagte die schwangere Mandy S. aus, dass sich die Auseinandersetzung im Schlafzimmer abgespielt habe. Während sie das gemeinsame Baby fütterte, fühlte sich der im Bett liegende Angeklagte gestört. Zuerst habe er sie aufgefordert, zu ihrer Mutter zu gehen, um einen Kinderwagen zu holen. Als sie dem nicht nachkam, begann er sie zu schlagen und zu treten. Dann ging er nach nebenan und zerschlug den Tisch.

Immer wieder unterbrach der Angeklagte ihre Aussagen durch heftige Zwischenrufe. Obwohl er deshalb mehrfach vom Vorsitzenden, vom Staatsanwalt und seiner Verteidigerin ermahnt wurde, kam es schließlich zu einem Eklat. In einem Ausbruch von Jähzorn sprang er brüllend auf und wollte den Saal verlassen. Nur die Ankündigung des Staatsanwaltes und des Gerichts, gegebenenfalls ein Ordnungsgeld gegen ihn zu verhängen, sowie die beruhigenden Worte seiner Verteidigerin brachten ihn zurück auf seinen Platz. Mit Tränen in den Augen beteuerte er immer wieder, dass es so gar nicht gewesen sei und seine Lebensgefährtin sich in Wahrheit am Tisch geschlagen habe. Sie bekomme immer schnell blaue Flecke.

Der von Richter Dr. Holger Maaß verlesene Auszug aus dem Bundeszentralregister wies drei Eintragungen aus. Dabei ging es um Körperverletzungen im Zusammenhang mit Verkehrsstraftaten und Fahren ohne Fahrerlaubnis.

Der Staatsanwalt ging am Ende der Beweisaufnahme davon aus, dass der Angeklagte tatsächlich eine geringe Menge Crystal von S. erhielt. Das habe sich besonders durch die Aussage der Zeugin M. bestätigt. Auch im zweiten Anklagevorwurf hielt er Danny L. für schuldig. Die Verletzungen von Mandy S., die im Mai das zweite Kind von ihm erwartet, seien durch die vorliegenden Fotos und ihre Schilderungen eindeutig nachgewiesen. Er beantragte eine Gesamtstrafe von 120 Tagessätzen zu je 25 Euro.

Anders sah es die Verteidigerin. Da man bei der Kontrolle ihres Mandanten keinerlei Drogen gefunden habe, beantragte sie, ihn in diesem Punkt freizusprechen. Zum zweiten Sachverhalt stellte sie fest, dass derartige Rangeleien zwischen den Partnern wohl an der Tagesordnung gewesen seien. Auch habe Mandy S. eingeräumt, dass sie Danny L. von Zeit zu Zeit schon manchmal wissentlich provoziert habe. Schließlich könne man die mutwillige Zerstörung des Tisches auch nicht nachweisen. Deshalb auch hier Freispruch.

Ab Ende verurteilte das Gericht den Angeklagten wegen des versuchten unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln sowie Körperverletzung und Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen in Höhe von je 25 Euro. Es sei bedauerlich, dass solche Dinge innerhalb einer Partnerschaft überhaupt vor dem Strafrichter ausgetragen werden müssten, erklärte der Vorsitzende am Ende der Urteilsverkündung.

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