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Bis zum 30. August will Susanne Daubner die Görlitzer Obermühle wieder tipp topp haben, trotz Hochwasser. Denn dann kommt Johann Lafer zum Kochen nach Görlitz. "Das ist mein Ziel", sagt die Wirtin, die auf einer Mauer am Wegesrand sitzt und den Katastrophentouristen beim Zuschauen zuschaut. Zu sehen gibt es vor allem eins: Wasser.

 

Ganz schnell sei es da gewesen, erzählt sie. Gegen 22 Uhr habe ein Bekannter angerufen und gesagt, die Staumauer am Witkasee in Polen sei gebrochen. Das Wasser komme rasant auf Görlitz zu. "Wir haben noch die Boote gerettet, dann war es schon da", sagt sie. Kaum rausgekommen seien sie. Die Türen waren geschlossen, gegen den Druck ließen sie sich kaum öffnen. Die Glasscheiben zersplitterten, ihr Sohn verletzte sich an den Scherben.
FrauDaubner Links
Die Obermühle  steht auch noch am Sonntagmittag komplett unter Wasser. Eine Büchse schwimmt in der braunen Brühe. Biogewürze seien da drin meint Susanne Daubner. In der Gaststätte sei alles hin. Die Möbel, die Technik, auch ihr Klavier. Wie sie den Schaden wegstecken soll? Sie zuckt mit den Schultern. "Mal sehen". sagt sie. 2008 hätten alle Versicherungen die Hochwasserpolicen gekündigt. Auch ihre. "Das war eine Reaktion auf das Hochwasser in Sachsen."
 
Keiner hatte geahnt, was da auf die Stadt zurollt. Keiner hatte es gewusst. Obwohl die Polizei bereits 19 Uhr gemeldet hatte, der Damm sei gebrochen. Überhaupt, das mit der Kommunikation. Das habe diesmal überhaupt nicht geklappt, meint die Mühlenwirtin. In anderen Jahren sei man immer über die steigenden Pegel auf dem Laufenden gehalten worden.
HochwasserRadwegeLandunter080820102a
Görlitz ist an diesem Sonntag so voller Menschen, wie sonst kaum zum Altstadtfest. Viele Gäste sind derzeit an der Neiße. Schulanfang bei Verwandten feiern. Noch in der Nacht zum Sonntag sind die Schaulustigen an die Neiße geströmt, schauten zu , wie die Polizei die Häuser an der Uferstraße, der Hotherstraße und dem Hirschwinkel evakuierten. In Weinhübel ist das Wasser fast in jeden Keller östlich der B 99 geflossen. Überall laufen Pumpen, schöpfen die Menschen Wasser mit Eimern aus ihren Häusern. Ein Autohaus ist überflutet worden, die Mitarbeiter schafften es gerade so, die Fahrzeuge wegzuschaffen. Ein Discounter wird leer gepumpt.
HochwasserB99Landunter080820102a
Die B 99 ist südlich von Görlitz gesperrt. Wasser steht auf der Straße. Ein kleiner Fisch schwimmt darin. Wer in den Ortsteil Hagenwerder will, muss einen Umweg fahren. Über Schönau-Berzdorf. Ein Teil einer Brücke über die Pließnitz ist vom Wasser weggerissen worden. In Hagenwerder ist die B 99 in beiden Richtungen gesperrt. Auch hier schöpfen die Menschen ihre Keller leer.
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"Keiner hat sich mal gemeldet und uns informiert", schimpft eine Frau. Nur der Heimatverein habe sich dann um sie gekümmert, als sie in Tauchritz in Notlagern untergekommen waren. Im Radio hätten sie kluge Sprüche gehabt. Man solle sich über Internet informieren und Bürgertelefonnummern anrufen. "Wie denn ohne Strom", fragt sie. Ein junger Mann nickt und greift sich an den Kopf. "Radio ging auch nur wegen Batterien."
 
Ein paar Straßen weiter ist die Feuerwehr im Einsatz. Der Görlitzer Oberbürgermeister Joachim Paulick ist vor Ort. Eigentlich hätte er noch Urlaub gehabt. Warum die Hilfsmaßnahmen erst jetzt anliefen, wird er gefragt. Und kann nur auf den Katastrophenstab verweisen. Der ist beim Landratsamt.
Der Görlitzer Oberbürgermeister Joachim Paulick
Allerdings hat Paulick sich dennoch gekümmert, auf eigene Faust Hilfe organisiert. Er hat eine Feuerwehrbesatzung aus Großenhain gekapert und ist mit ihnen nach Hagenwerder gefahren. "Die saßen seit dem Vormittag gelangweilt in Görlitz herum, weil einfach keine Einsatzbefehle kamen", erzählt Paulicks Referentin Cordula Gellert.
 
"Schlecht abgestimmt ist das", schimpft einer aus Hagenwerder und schaut auf die Uhr. "16 Uhr! Um diese Zeit sind die ersten Feuerwehren im Einsatz." Immerhin 1.700 Rettungskräfte sind laut Landratsamt im Katastrophengebiet im Einsatz, außerdem sechs Hubschrauber der Bundespolizei und zwei der Landespolizei, sowie 14 Boote zur Aufklärung und Rettung.
 
Doch nicht nur Görlitz, Ludwigsdorf und Hagenwerder sind betroffen. Katastrophenalarm herrscht auch in Zittau und Orten im Zittauer Gebirge, in Rothenburg, Bad Muskau, den Orten nördlich von Görlitz. Auch im Kreis Bautzen ist Katastrophenalarm ausgerufen worden. In Schirgiswalde drohte die Brücke zuzusetzen. Das Treibgut das sich am Wehr der Kloßmühle gesammelt hatte, war nicht beräumbar. Außerdem war Öl aus den dortigen Heizöltanks ausgelaufen und hatte sich mit dem Spreewasser vermischt.
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Dass Feuerwehren, die aus ganz Sachsen zu Hilfe geeilt sind, nun in Hagenwerder helfen, wissen deren Einwohner zu schätzen. Die gekaperte Großenhainer Besatzung pumpt sofort Keller leer, gemeinsam mit Freiwilligen Feuerwehren aus der Umgebung. "Die Jungs aus Schönau Berzdorf sind auch sofort helfen gekommen", erzählt ein Mann. "Obwohl die auch bis 5 Uhr oder so im Einsatz waren."
HochwasserSackgasseGartenweg2HagenwerderLandunter080820102a
In Alt-Hagenwerder sind nicht nur die Keller überschwemmt. Hier reichte das Wasser teilweise fast bis in den ersten Stock. Ein Mann steht da und kämpft mit den Tränen. "Ich habe nichts mehr", sagt er. "Alles was ich hatte, war in diesem Haus." Gemeinsam mit seiner Frau ist er in einer Ferienwohnung untergekommen. Die Schwiegertochter der beiden hat es genauso erwischt. "Wir haben vor zehn Jahren unser Haus gebaut. Mit Gasbetonsteinen. Die saugen sich so voll Wasser, das bekommen wir nie wieder heraus", sagt sie, schluckt kurz und fügt hinzu: "Das können wir abreißen."
HochwasserAutoHagenwerderScenic08082010lokalextra2
Josef Dietze und seine Frau haben sich in den Garten gerettet. Er liegt leicht erhöht. Zwischen dem schmalen Streifen und dem Haus, in dem auch die Familien seiner beiden Söhne wohnen, schwappt das Wasser. Der Pegelstand ist unverändert. Hier kann nichts ablaufen. Die Häuser liegen in einer Senke. Das Wasser muss über den Damm abbgepumpt werden, um den Bereich trockenlegen zu können. Tage kann das dauern. Auch die Feuerwehrleute zucken mit den Achseln. So schnell gehe das nicht.
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Die Menschen bleiben dennoch in ihren Häusern. Die ältere Frau, die Jürgen Dietze, einem der Söhne, aus dem Fenster zuruft und ihn bittet, er möge nachsehen, ob irgendwo ein Hänger gefunden worden sei. Er sei offenbar weggeschwommen. Jürgen Dietze verspricht es. Er sitzt im Schlauchboot, fährt zwischen den Häusern umher, duckt sich unter Wäscheleinen, schaut, ob er irgendwo anfassen kann.
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Zwei Hühner haben sich auf eine weggeschwemmte Holztür gerettet. Etwas hilflos schauen sie auf den See rings um sich. Jürgen Dietze paddelt vorsichtig heran, lockt sie. Die beiden Hühner laufen an das andere Ende der Tür. Er paddelt etwas näher, zeiht die Tür heran, beugt sich weit hinüber und greift eine der Hennen. Fast widerspruchslos lässt sie sich im Boot absetzen. Die zweite protestiert da etwas heftiger, wird aber ruhig, sobald sie im Boot sitzt.
HochwasserHuehnerRetter3Landunter080820102a
"Danke Jürgen", ruft ein alter Mann hinterher, der aus dem Fenster schaut. "Schon gut Gerhard", antwortet der. "Das wird unser Abendessen", sagt er lachend. Der alte Mann lacht mit. Seine Hühner weiß er gut aufgehoben. Er selbst kann das Haus momentan nicht verlassen. Dazu bräuchte er ein Schlauchboot. Oder er muss durch das Wasser waten. Keine leichte Sache, es steht sehr hoch. "Er wollte nicht das Haus verlassen", erzählt Jürgen Dietze. "Sie wollten ihn rausholen."
Hagenwerder - über die Leiter ins Haus
Keiner der Menschen hier will nach der Evakuierung in der vergangenen Nacht noch einmal sein Haus verlassen. Auch wenn sie keinen Strom haben und kein Trinkwasser. Josef und Hannelore Dietze sind zu ihren Söhnen in die oberen Stockwerke gezogen. Über Leitern klettern sie in die Wohnungen. Eine Wasserversorgung per Tankwagen veranlasst OB Paulick noch am Nachmittag. Dass der Schulanfang in diesem Jahr ins Wasser fällt, das macht Cordula Gellert den Müttern klar. Keine Schule, kein Kindergarten, kein Hort. Nur in Notfällen sollen Eltern sie hinbringen. "Es fehlt einfach an Wasser."
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Die Straßen sind zudem immer noch dicht, stehen unter Wasser. Ein Zug wird lange nicht auf dieser Strecke verkehren. Die Flutwelle, die so plötzlich durch die Neiße rollte, hat an drei Stellen die Bahngleise weggerissen.
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Besonders schlimm hat es die Strecke bei Deutsch-Ossig erwischt. Hier sind ganze Stücken weggebrochen. Fünf Millionen Kubikmeter Wasser haben sich in den Berzdorfer See ergossen. Der Wasserstand des Sees mit einer Fläche von 950 Hektar ist nach dieser Welle 45 Zentimeter höher als zuvor. "Möglicherweise hat das der Flutwelle ein wenig die Spitze genommen", sagt Oberbürgermeister Joachim Paulick. "Wer weiß was sonst noch passiert wäre."
HochwasserBahngleise3ZittauGoerlitzBertzdSeeLandunter080820102a
Wie es zu dem Dammbruch kommen konnte, wie es mit den Menschen weitergeht, welche Hilfe es geben wird - das sind Punkte, die momentan noch hintenan stehen. Eingeweihte haben die Katastrophe am Witkastausee allerdings seit längerem befürchtet. Der nämlich wird wirtschaftlich genutzt, ist fast immer so voll gefüllt, dass nur noch wenige Zentimeter bis zur Oberkante fehlen. Ab und zu lässt der Betreiber Wasser zur Entlastung ab. Möglicherweise hat er das diesmal zu spät getan. Fakt ist, dass die Mauer dem Druck nicht mehr stand gehalten hat. Sie ist links und rechts eingebrochen, nur die Mitte steht noch.
HochwasserOBPaulickFeuerwehrGoerlitzLandunter080820102a
Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat sich bei seinem Besuch in Görlitz bisher noch nicht zu eventuellen Fluthilfen geäußert. Oberbürgermeister Joachim Paulick will das Thema allerdings ganz schnell ansprechen.
HochwasserHagenwerderFamilieDietze08082010aNicht nur für die Dietzes wird es in den kommenden Tagen entbehrungsreich. Auch in Görlitz sind einige Gebiete ohne Strom. Die notwendigen Reparaturen können laut Landratsamt bis zu zwei Wochen dauern. Hannelore Dietze hofft jetzt erst einmal darauf, dass die Pumpen der Feuerwehren Haus und Garten trockenlegen. Dann beginnt die eigentliche Arbeit. "Nichts mehr von unseren Sachen ist verwendbar, das muss alles raus", sagt sie. Und dann: "Das Aufräumen, wenn das Wasser weg ist. Das ist das Schlimmste."
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Kommentare   

 
+1 #2 RE: Hochwasser: Selbst die Gleise sind zerstörtVanBanoram 2011-01-20 03:04
Inwieweit an den sich häufenden Katastrophen die irrsinnig pervertierten Techniken, die vielen H.A.A.R.P- und weiteren mind-control Mikrowellen-Ska larwaffen-anlag en beteiligt sind und zwar im parallelen Verbund der patentierten Geoengineering- Programm-Umsetz ungen (Chemtrail - global-dimming - deap shield) das sollte einmal bitte berechtigt überprüft bzw hinterfragt werden von der eher nur verrätisch agierenden Politik. Nein, da geschieht noch immer gar nicht !

Ich könnte da auf Vieles verweisen. Pflichtlektüren sind NEXUS, MATRIX 3000, RAUM&ZEIT oder das magazin 2000plus und einige mehr, aber auch bewusst.tv etc, damit man einmal mehr das Hintergrundgesc hehen dazu erfährt, denn soetwas gab es noch nie in dieser argen Regelmäßigkeit !

Besten Dank, für den aufklärenden, beeindruckenden Bericht und all die Bilder !

Sonnigen Gruß
Daniel Reinders
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+10 #1 RE: Hochwasser: Selbst die Gleise sind zerstörtReuter 2010-08-09 18:48
Vielen Dank für diesen menschlichen Bericht und die beeindruckenden Fotos.
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