Kopaczow das fruehere Oberullersdorf Gedenkstein2012 FAKTuellFoto Rolf Hill
„Dieses Denkmal soll die drei Völker zu einem verbinden und die Bürger in den Orten am Dreiländereckpunkt Polen, Tschechien und Deutschland zu einer Gemeinschaft zusammenführen.
Dem Gott zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung. Die Einwohner, die Vergangenheit nicht vergessen und Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft haben.“
Inschrift des Gedenksteins im Park der Grenzgemeinde Kopaczów (Oberullersdorf)

KirmesKopaczowdasfruehereOberullersdorfTanzgruppe FAKTuellFoto Rolf Hill
Wer hätte wohl noch vor einem guten Jahrzehnt damit gerechnet, dass Kopaczów, das frühere Oberullersdorf, zumindest einmal im Jahr, nämlich am ersten Oktoberwochenende, nicht nur zum Treffpunkt ehemaliger deutscher und heutiger polnischer Bewohner wird, sondern sich zu einem echten Symbol des guten Willens und der Verständigung mitten im Herzen des Dreiländerecks entwickelt?

KirmesKopaczowdasfruehereOberullersdorf Dr Brendler 2012 FAKTuellFoto Rolf Hill
Selbst der heute 79jährige Dr. Dietmar Brendler, der nach der Vertreibung im Ergebnis des Krieges in Leipzig eine neue Heimat fand, konnte nicht ahnen, dass seine unermüdlichen Bemühungen schließlich einen solchen Erfolg finden würden. Längst hat er im Städteverbund „Kleines Dreieck Bogatynia – Hrádek nad Nisou – Zittau“, den Gemeinden Kopaczów (PL) und Oldřichov na Hranicích (CZ), der Hussitischen Friedenskirche in Hrádek nad Nisou (Grottau), den Zittauer Kirchen und der Katholischen Pfarrei in Sieniawka (Kleinschönau) zuverlässige Mitstreiter gefunden. Gemeinsam feierten sie alle am vergangenen Wochenende nun schon zum elften Mal die auf seine Initiative zurückzuführende Europäische Kirmes.

Ehemalige und heutige Bewohner der beiden Grenzorte, die Bürgermeister und Pfarrer sowie zahlreiche Bürger aus den drei Ländern trafen sich traditionell an der Grenzbrücke in Oldřichov (Ullersdorf), um in Begleitung einer Trommlergruppe und der Mažoretky aus Hrádek nad Nisou zum Mahnmal in Kopaczów aufzubrechen, wo der erste, offizielle Teil der Feierlichkeiten stattfand.

Bereits lange Zeit vorher hatten sich nahe der Kirche St. Josef zahlreiche Gäste eingefunden, die sich dieses Fest der Begegnung nicht entgehen lassen wollten. Unter ihnen auch der 69jährige Helfried Volkert aus Hrádek nad Nisou. „Ja, eigentlich sollte ich jetzt in der Natur unterwegs sein“, bestätigte er.

Als ehemaliger Bergsteiger ist er noch immer im Ehrenamt bei der Markierung von Wanderwegen aktiv. Sein gegenwärtiges Revier sei der 16 Kilometer lange blaue Ringweg entlang des Weißbachtals über den Pfaffenstein usw. „Heute war mir aber wichtiger, die alten Freunde aus Zittau und auch von hier aus Polen zu treffen“, sagte er.

KirmesKopaczowdasfruehereOberullersdorf 2012 FAKTuellFoto Rolf Hill
Natürlich standen aber doch die ehemaligen Bewohner des Dorfes mit ihren vielen Kindheitserinnerungen im Mittelpunkt. Das wurde nicht nur beim Ökumenischen Gottesdienst, sondern auch bei den zahlreichen persönlichen Gesprächen auf dem Festplatz und vor allem im Gemeindezentrum, der ehemaligen Dorfschule, deutlich.

„Hier bin ich die ersten vier Jahre lang zur Schule gegangen“, erzählte die 83jährige Zittauerin Inge Besser. Natürlich habe es da im Inneren des heutigen Gemeindezentrums noch ganz anders ausgesehen. Die Bänke, die Tafel, der Platz des Lehrers und, und, und...

Die Erinnerung bleibt und soll bleiben. Das ist auch der Hauptgrund, warum sie seit der ersten Kirmes regelmäßig mit ihrem gleichaltrigen Mann Albrecht in die alte Heimat gekommen ist. Dessen Wiege stand übrigens nur wenige Kilometer entfernt im damaligen Kleinschönau (Sieniawka). Das Treffen hier rund um die Katholische Pfarrkirche St. Josef sei immer wieder eine gute Gelegenheit, alte Schulkameraden und sonstige Freunde zu treffen, zu denen man sonst nur noch lockere oder teilweise gar keine Kontakte mehr hat. Das sei schon toll gewesen, wie Dietmar Brendler damals die Initiative ergriff und was sich aus den bescheidenen Anfängen entwickelt habe.

Kirmes KopaczowdasfruehereOberullersdorf 2012 FAKTuellFoto Rolf Hill
Dieser wiederum würdigte vor allem die spürbar erfolgreichen Bemühungen, die Menschen des Dreiländerecks über alle noch bestehenden Hindernisse hinweg weiter einander näher zu bringen und diesen Geist vor allem auch an die nächste Generation weiter zu geben. Seine eigenen Aktivitäten seien auf fruchtbaren Boden gefallen und nun Dank der Initiativen des Internationalen Kinder- und Jugendparlaments unter Obhut des Zittauer Amtsleiters Dr. Volker Beer an die Mädchen und Jungen aus allen drei Ländern weiter gegeben werden, betonte er.

Solche Projekte wie die Einrichtung des nun abgeschlossenen Grenzlehrpfades, der Aufarbeitung der Geschichte des Scholze-Hofes und der damit verbundenen „Oberullersdorfer Gerichtstage“ seien für ihn ein sichtbares Zeichen dafür, dass seine Bemühungen Früchte tragen.

Kirmes KopaczowdasfruehereOberullersdorf Birnbaum pflanzen 2012FAKTuellFoto Rolf Hill
Darauf hoffte sicher auch Zittaus Oberbürgermeister Arnd Voigt, der mit der Stiftung eines Apfelbaumes einer alten deutschen Sorte den Grundstein für einen künftigen Europäischen Obstgarten legte. Diesen pflanzte er dann auch gemeinsam mit seinen Amtskollegen Martin Půta aus Hrádek nad Nisou (Grottau) und Jerzy Stachyea, dem stellvertretenden Bürgermeister von Bogatynia (Reichenau). Natürlich hoffen nun alle, dass sich daraus eine echte Tradition entwickelt. Ein alter Birnbaum ist übrigens am vorgesehenen Standort bereits vorhanden.

Nach Picknick und Ökumenischem Gottesdienst hatten die Mädchen und Jungen um Volker Beer noch eine vergnügliche Überraschung für die Kirmesgäste parat. Im Saal des Gemeindezentrums demonstrierten sie anhand zweier fiktiver Gerichtsfälle in polnischer bzw. deutscher Sprache, wie denn die dörfliche Rechtsprechung zur Zeit des Oberullersdorfer Dorfschulzen ausgesehen haben könnte. Reichlicher Beifall der zahlreichen Zuschauer war der verdiente Lohn.

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