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Wie in einem Ameisenhaufen oder Bienenschwarm ging es am Wochenende in der etwa 20 Kilometer von Liberec (Reichenberg) an der Mohelka gelegenen kleinen, nur 184 Einwohner zählenden Gemeinde Sychrov (Sichrow) zu. Tausende Besucher aus nah und fern – darunter auch zahlreiche Nachbarn aus der Oberlausitz – hatte das herrliche Frühlingswetter in den Park des gleichnamigen neogotischen Schlosses gezogen, das seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Sitz der Adelsfamilie Rohan war. Diesmal jedoch hatten sich die altehrwürdigen Pforten für den traditionellen Ostermarkt geöffnet, der alljährlich vom Beginn der Karwoche kündet. Nach dem außerordentlichen Zuspruch in der Vergangenheit war der Erfolg eigentlich schon absehbar.

Dazu Kastellan Miloš Kadlec, der Schlossverwalter: „Die Geschichte dieser beliebten Veranstaltung reicht bis 1993 zurück. Meistens konnten wir an den beiden Tagen etwa 5.000 Gäste besuchen. Natürlich hängt das immer sehr vom Wetter ab, und das spielt diesmal voll mit.“

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Dann kam die Qual der Wahl – geht man zuerst nach rechts, oder nach links, oder einfach am Brunnen entlang ab durch die Mitte. Überall war toll was los. Etwa 90 Händler, Kunsthandwerker und Gastronomen boten im österlichen Stil alles feil, was das Auge, das Herz und vor allem auch den Magen erfreute. Das reichte von Waren aus Keramik, Glas, Ostereiern mit verschiedenen Gestaltungstechniken, Osterruten, Holzspielzeug bis zu Gewürzen und Salzmischungen. Auch bei Vorführungen traditionellen tschechischen Kunsthandwerks konnte man zusehen. Es wurden Porträts der Besucher gemalt und für 20 Kronen originelle Ostertaler geprägt.
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Wem in den Vormittagsstunden etwas kalt wurde, der konnte Körper und Geist mit einem Glas heißen Medovina (Honigwein), Glühwein, aber auch Punsch und Zitrone „ohne Promille“ wieder aufputschen. Traditionelle tschechische süße Snacks wie Buchteln, Kolatschen und Honigkuchen fehlten ebenso wenig wie regionale Käsespezialitäten und eine nie gekannte Auswahl an Salamis und Dauerwürsten. Das Wasser lief einem erst recht um die Mittagszeit im Munde zusammen. An allen Ecken und Enden wurde gegrillt, gebraten, gebacken und gebrutzelt. Ochse am Spieß, gegrilltes Spanferkel, Rauch-, Brat- oder Leberwürste, Palatschinken süß oder deftig mit Käse und Knoblauch, hausgemachte frische Kartoffelpuffer und Pfannkuchen und, und, und . . . Wer sollte sich da wohl entscheiden.

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„Wir versuchten auch in diesem Jahr erneut, das Programm so bunt wie möglich zu gestalten“, versicherte Miloš Kadlec. Das war ihm und seiner Mannschaft offensichtlich gut gelungen, denn auch in dieser Hinsicht bunten sich viele bunte Farbtupfer. Dazu gehörten zweifellos die Auftritte des Folklore-Ensembles „Horáchký“ aus dem benachbarten Hodkovice nad Mohelkou (Liebenau). Als Meister seines Fachs erwies sich der Jongleur Vojta Vrtek. Und für die kleinsten Marktbesucher erzählten die beiden Puppenspieler des „Teatr Vít Marčík“ lustige Geschichten vom Wassermann, furchtbaren Räubern, dem Müller und dem Teufel. Sehenswert schließlich die Vorführungen der im Schlosspark gehaltenen Greifvögel. Das war schon ein imposantes Schauspiel, so einen Adler mit großer Spannweite im Freiflug zu beobachten und sich anschließen seinen kräftigen Schnabel und die Klauen ganz aus der Nähe betrachten zu können.

Alles in allem wohl eine gelungene und für alles Besuche lohnende Einstimmung auf das Osterfest. Und wer, wie wir, zum ersten Mal da war, für den wird es bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein.

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