MondfestZittau2013
Buntes Treiben mit viel Klamauk und sagenhaften Gestalten konnte man am Sonnabend auf dem Gelände der Aula an der Zittauer Hochwaldstraße beobachten. Wie schon seit elf Jahren begingen an diesem Nachmittag und Abend unsere vietnamesischen Mitbürger ihr Vollmond- oder Mittelherbstfest.

Es hat in ganz Asien eine lange Tradition. Dazu Duong Quoc Tuan, Vorsitzender des Vietnamesischen Kulturvereins Löbau-Zittau: "Wir feiern immer im achten Mondmonat des traditionellen chinesischen Kalenders. Die Ernte ist vorbei, und nun haben alle wieder mehr Zeit füreinander. Deshalb ist es in erster Linie ein Familienfest, bei dem die Kinder im Mittelpunkt stehen. Sie erhalten kleine Geschenke, und den ganzen Tag über können sie ausgelassen mit ihren Freunden spielen."

MondfestZittau2013
Viele der inzwischen weit über einhundert vietnamesische Familien in Zittau und Umgebung leben schon seit der Zeit vor der Wende hier, sagt der Vereinsvorsitzende. Während die Eltern und Großeltern noch die Bräuche aus der alten Heimat kennen, sei das bei den Kindern und Jugendlichen nicht mehr so. Die meisten von ihnen wurden ja erst hier geboren. Sie haben deutsche Freundinnen und Freunde und wissen natürlich aus eigenem Erleben besser, welche Feste in Deutschland gefeiert werden. Mit diesem Fest wollen wir unsere Traditionen weitergeben, damit sie auch unter der jungen Generation erhalten bleiben.

MondfestZittau2013
Nach dem traditionellen Auftakt, dem besonders farbenprächtiges Drachentanz, der diesmal aufgrund des unbeständigen Wetters etwas kürzer ausfiel, nahm das eigentliche Fest seinen Lauf. Es gab Artistik, Tanz und viel Musik sowie Spiel und Spaß für die Kinder, Auszeichnungen für die besten schulischen Leistungen und einfach geselliges Beisammensein mit guter Unterhaltung für alle. Natürlich eine ideale Gelegenheit, mit den vietnamesischen Mitbürgern ins Gespräch zu kommen.

Einer der bereits alteingesessenen Zittauer ist der 53jährige Obst- und Gemüsehändler Nguyen van Nhuan. "In Deutschland bin ich seit 1987"; erzählte er. "Früher habe ich bei Lautex in Leutersdorf in der Weberei gearbeitet. Schon damals hatten wir zu den deutschen Kollegen immer ein gutes Verhältnis." Mit der Wende stand er ebenso wie viele deutsche, vietnamesische, polnische und teilweise sogar afrikanische Textilwerker vor dem beruflichen Aus. Man musste sich also etwas einfallen lassen, um sich selbst und die Familie über Wasser zu halten.

MondfestZittau2013
Während die polnischen Gastarbeiter nahezu vollständig in ihre Heimat zurückkehrten, suchten die Vietnamesen nach anderen Möglichkeiten. Chancen boten sich durch offensichtliche Lücken in der Versorgung mit billigen Textilien sowie eben auch Obst und Gemüse. Eigentlich tragisch, wenn man daran denkt, dass gerade Zittau ja früher als Stadt des Gartenbaus einen Ruf hatte, der teilweise über die Grenzen der Oberlausitz hinaus ging. Wie dem auch sei, während Doung Quoc Tuan, der Vereinsvorsitzende, und seine Frau sich dem Textilhandel zuwandten, Le Than Mai, heute langjähriger Vorsitzender des Ausländerbeirats der Stadt Zittau, sein Glück mit Erfolg in der Gastronomie versuchte, eröffnete Nguyen van Nhuan 1993 seinen ersten Gemüsehandel an der Brunnenstraße. Da ihm die Räumlichkeiten schließlich nicht mehr ausreichend erschienen, zog er drei Jahre später zum Markt, wo er noch heute anzutreffen ist.

"Wir haben mit unseren eigenen Händen eine neue Existenz aufgebaut", resümierte er. "Das war absolut nicht immer leicht, doch wir haben es geschafft. Es geht uns gut, die 25jährige Tochter studiert, und auch der Sohn zeigt gute Leistungen in der Schule. Wir sind längst eine normale Zittauer Familie geworden."

MondfestZittau2013
Dazu trage vor allem die Atmosphäre in der Stadt bei, das Verhältnis der deutschen Zittauer zu ihren ausländischen Mitbürgern. Nie habe er auch nur die kleinsten Anzeichen von Rassismus, Fremdenhass und ähnlichen Dingen erleben müssen, betont er. Das sei wohl auch der Grund, warum viele vietnamesische Familien ihre deutschen Freunde und Nachbarn zum heutigen Fest eingeladen und mitgebracht hatten.      

Auch diesmal ging das bunte Treiben dann bis in die Nacht hinein, aber da dürften die Mädchen und Jungen als eigentliche Hauptakteure wohl schon längst das Fest in Richtung des heimischen Bettchens verlassen haben.

{loadnavigation}

Share Button