Bohemiade2013
„Lernen in und für Europa“, dieses Motto passte so recht zu einer beachtenswerten Veranstaltung, die vor einigen Tagen im Kindererholungszentrum „Querxenland“ Seifhennersdorf stattfand. Dabei handelte es sich um die „3. Sächsische Bohemiade“, einen hochkarätigen Wissenswettbewerb für Schülerinnen und Schüler verschiedener Bildungseinrichtungen des Freistaats rund um die tschechische Sprache und Allgemeinwissen über das Nachbarland.

Organisiert wurde das Ganze von der PONTES-Agentur/Servicestelle Bildung des Landkreises Görlitz in enger Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Kultusministerium.

„Wenn die erste Bohemiade noch Versuchscharakter trug, war das 2010 bei der zweiten schon anders.“, berichtete Dr. Regina Gellrich, die Leiterin der in St. Marienthal ansässigen Bildungsstätte. „Eine zusätzliche Motivation erhielten wir durch die erfreuliche Tatsache, dass unsere Kultusministerin Brunhild Kurth und die Generalkonsulin der Tschechischen Republik in Dresden, PhDr. Jarmila Krejčíková, gemeinsam die Schirmherrschaft übernahmen.“ Es verstehe sich wohl von selbst, dass gerade in unserer Region Kenntnissen der Nachbarsprachen eine besondere Bedeutung zukommt, sagte sie.

Bohemiade2013
Rund 40 Mädchen und Jungen aus dem „Glückauf“-Gymnasium Dippoldiswalde, dem Beruflichen Schulzentrum Löbau, dem Christian-Weise-Gymnasium Zittau, welches Gastgeber der ersten beiden Veranstaltungen war, dem Evangelischen Zinzendorf-Gymnasium Herrnhut, dem Friedrich-Schiller-Gymnasium Pirna, dem Oberlandgymnasium Seifhennersdorf, der Schkola Oberland Ebersbach-Neugersdorf und des Sorbischen Gymnasiums Bautzen gingen an den Start.

Natürlich erhielten sie differenzierte Aufgaben, die ihrem Alter, der bisherigen Dauer des Tschechischunterrichts und anderen Faktoren entsprachen. Der Wettbewerb beinhaltete neben der reinen Textarbeit, Fragen zur Landeskunde und schließlich das lebendige Gespräch mit tschechischen Schülern. Diese kamen aus der Základní Škola „28. října 18“ Turnov (Grundschule „28. Oktober 18“ Turnau). Und obwohl sie ja eigentlich nur so etwas wie „Sparring-Partner“ sein sollten, waren sie mindestens ebenso aufgeregt wie die Prüflinge.

Denen zollten sie übrigens bereits nach den ersten Gesprächen ehrliche Hochachtung. „Die sprechen ja bald besser Tschechisch als wir selbst“, staunte eines der Mädchen in der Pause. Kein Wunder also, dass die Verständigung weitgehend reibungslos verlief.

Bohemiade2013
Natürlich betraf das nicht nur den ernsten Teil, sondern die Seifhennersdorfer Gastgeber mit ihrer Projektmanagerin Lenka Půlpanová hatten auch dafür gesorgt, dass Spiel und Spaß nicht zu kurz kamen. Da alle Kinder Tschechisch sprachen, konnte man während der KiEZ-Rallye im Tandem mit den tschechischen Mädchen und Jungen, beim gemeinsamen Grillen und am Lagerfeuer mit Knüppelkuchen schon kaum noch unterscheiden, wer aus welchem Land kam.

Am Mittag des zweiten Tages wurde dann Bilanz gezogen. Es sei der Jury nicht gerade leicht gefallen, hier die Besten der Besten heraus zu finden, versicherte Dr. Regina Gellrich. Am Ende hätten doch alle gewonnen und könnten nun mit vielen neuen Eindrücken wieder zum schulischen Alltag zurückkehren.

Bohemiade2013
So sah es auch die Generalkonsulin, Dr. Jamila Krejčíková, die gemeinsam mit Mathias Peter, dem Leiter der Sächsischen Bildungsagentur Bautzen die Auszeichnungen vornahm. Was hier von den Teilnehmern gezeigt wurde, verdiene höchste Anerkennung, betonte sie. Natürlich könne man Emotionen und Gefühle auch durch Gesten und Mimik ausdrücken, aber das alles lasse sich noch viel besser und eindrucksvoller bewerkstelligen, wenn man seinem Gesprächspartner mit Worten sagen kann, was man für ihn empfindet.

Von den Berichten und Schwärmereien seiner Lehrerinnen und Schüler über vergangene Aufenthalte im „Querxenland“ neugierig geworden, hatte sich sogar Direktor Jaromir Frič von der ZŠ Turnov auf den Weg vom Böhmischen Paradies nach Seifhennersdorf gemacht. Nach einem Rundgang durch das Areal und die verschiedenen Einrichtungen zeigte er sich sehr anerkennend. Das traf auch für die Veranstaltung und deren Ergebnisse zu. Er wisse sehr wohl, wie schwer die tschechische Sprache sei, hob er hervor. Deshalb freue er sich umso mehr über die Anstrengungen der jungen Leute und hoffe, dass diese zwei Tage zum weiteren Verständnis beitragen werden. Er war nicht mit leeren Händen gekommen, sondern jeder Teilnehmer sowie auch die Organisatoren und Jurymitglieder erhielten als Anerkennung einen repräsentativen Bildband über die Stadt Turnov (Turnau).

Bohemiade2013
Sicher wird er selbst nach diesem kurzen Besuch auch einige neue Argumente gefunden haben, um in seinem Kollegium für den Nutzen derartiger Projekte einzutreten und diese zu unterstützen. Und vielleicht ist dann eines Tages das Unterrichtsfach Deutsch an tschechischen Schulen insgesamt auch nicht mehr gar so offensichtlich das „fünfte Rad am Wagen“.

{loadnavigation}

Share Button