EuroKirmes2013
„Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich so wie heute ohne irgendwelche Hindernisse meine alte Heimat wieder besuchen könnte“, sagte Joachim Sommer. Er gehörte zu den Stammgästen der Europäischen Kirmes im polnisch-tschechischen Grenzort Kopaczów (Oberullersdorf), die nun schon zum zwölften Mal stattfand. Vor nahezu 83 Jahren wurde er hier unweit der Kirche St. Josef geboren.

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„Wir haben hier am Viebig gewohnt“, erzählte er. „Das ist dort hinten, wo sie jetzt das Feuerwehrdepot gebaut haben. Leider steht unser Elternhaus nicht mehr.“ Es sei wohl aufgrund der Baufälligkeit mit einigen anderen abgerissen worden.

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Neues entstand, und was noch zu retten war, wurde teilweise recht ansehnlich wieder hergerichtet. Auch ohne die heutige Feier komme er oft mit dem Fahrrad in seinen Heimatort. Immer wieder kehren dann die Erinnerungen an Kindheit und Jugendzeit zurück. Groß war die Freude, als er mit einem Mal seine ehemalige Jugendfreundin wieder begrüßen konnte. Die habe nicht weit entfernt gewohnt, sei aber zwei Jahre jünger als er. Interessant, dass man sich ausgerechnet vor dem heutigen Dorfgemeinschaftshaus traf.

„Bis zur achten Klasse bin ich auch hier in die Schule gegangen“, sagte er. „Es gab nur ein einziges Klassenzimmer mit Stühlen. Alle anderen waren mit Klappsitzen aus Metall. Hier unten, wo jetzt der Buswendeplatz ist, war damals unsere Stammkneipe, der Kretscham.“

Schon damals sei man über den Ullersbach rüber ins Biehmsche gegangen, erinnerte er sich. Da habe es trotz der Schlagbäume im Unterdorf und oben an der Neutralen Straße am Weg nach Kohlige (heute Uhelná – Ortsteil von Hrádek nad Nisou) keinerlei Probleme gegeben. Doch dann kam das Schicksalsjahr 1945. Joachim Sommer ging inzwischen in die Lehre. Es war ein Junitag, und er wollte gerade zur Arbeit, als ihn die Nachricht erreichte: Sofort zurück! Sachen packen! Innerhalb von zwei Stunden mit Handwagen Aufbruch in Richtung Zittau. Ein Schlag, der auch nach langer Zeit nicht so einfach zu verkraften war.

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Heute ist Joachim Sommer nicht der einzige, der sich mit der Vergangenheit ausgesöhnt hat. Das zeigte die Anzahl der auch aus weiteren Regionen angereisten ehemaligen Ullersdorfern. Leider konnte der eigentliche Initiator dieses grenzüberschreitenden Volksfestes, Dr. Dietmar Brendler, in diesem Jahr krankheitsbedingt nicht dabei sein. Aber trotzdem war sein Name im Laufe des Tages immer wieder in aller Munde. Leider hatte es auch mit der Veröffentlichung seines geplanten Buches „Wo in Deutschland die Sonne zuerst aufgeht“ nicht rechtzeitig geklappt, so dass es nun wohl erst im Frühjahr 2014 erscheinen wird.

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Zuwachs erhielt an diesem Tag nach dem obligatorischen Festgottesdienst in St. Josef auch der Europäische Obstgarten diesmal pflanzten die Bürgermeister Andrzej Grzmielewicz aus Bogatynia (Reichenau), Josef Horinka aus Hrádek nad Nisou (Grottau) und Dr. Thomas Kurze als Vertreter des Zittauer Oberbürgermeisters einen Pflaumenbaum. „Wir bauen Wege und Brücken in den Köpfen und Herzen unserer Bürger“, betonte der Stadtrat der Fraktion Freie Wähler. „Doch auch die materiellen Straßen, wenn auch mit Verzögerung wie bei der B 178, helfen uns, schneller in das Zentrum Europas zu gelangen.

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Nach zwei fiktiven Gerichtsverhandlungen, dargeboten von den deutschen und polnischen Mädchen und Jungen des Internationalen Kinder- und Jugendparlaments, ging die Kirmesfeier mit einem Picknick im Park in den abschließenden gemütlichen Ausklang über.

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